Heimsieg gegen Werder

Rehhagel haucht Hertha wieder Leben ein

Ausgerechnet gegen seine "alte Liebe" Werder Bremen feiert Otto Rehhagel ein erfolgreiches Heimdebüt bei Hertha. Die Berliner gewinnen erstmals in der Rückrunde.

Im Duell mit seiner alten Liebe war Otto Rehhagel „immer mal wieder das Herz stehen geblieben“, nach dem erlösenden Schlusspfiff wirkte der 73-Jährige aber wie das blühende Leben. „König Otto“ kokettierte mit seinem Treffen mit dem Außenminister, scherzte über seine Gesundheit und taufte einen seiner Spieler „Paradise“. Nachdem die ganze Anspannung mit dem 1:0 (0:0)-Sieg gegen seinen Ex-Klub Werder Bremen von ihm abgefallen war, glänzte der Altmeister in der Rolle, für die er nach Berlin geholt wurde: Als Motivator und Stimmungskanone.

Aus der Pressekonferenz nach der Partie machte Rehhagel eine One-Man-Show, bei der sich auch sein Trainerkollege und ehemaliger Spieler Thomas Schaaf nur mit Mühe ein Schmunzeln verkneifen konnte. Bei dem Pointen-Feuerwerk ging etwas unter, dass den Berlinern auch nach dem ersten Sieg im neuen Jahr das Wasser bis zum Hals steht.

„Wir sind alle wahnsinnig erleichtert - für den Moment!“, warnte daher auch Rehhagel: „Man muss sich nicht wundern, wenn die Jungs ein bisschen die Hosen voll hatten. Wenn wir verloren hätten, dann hätte man vielleicht sagen können: Mensch, es geht nicht mehr.“

Im Falle einer Niederlage gegen die Bremer, die Rehhagel 14 Jahre lang trainiert und zu großen Erfolgen geführt hatte, wäre auch der Coach nicht ungeschoren davongekommen. Entsprechend nervös war der Trainer-Methusalem. „Ich habe geschrien wie ein Geisteskranker“, sagte Rehhagel, den es in den letzten Minuten nicht mehr auf der Bank gehalten hatte: „Mir ist zwischendurch immer mal wieder das Herz stehen geblieben. Ich habe zu mir gesagt: Otto, pass auf! Du bist in einem gewissen Alter...“

Keine Sorgen musste er sich jedoch um den jungen Fanol Perdedaj machen, der Rehhagel in seinem ersten Saisonspiel begeisterte. „Ich kann seinen Namen nicht richtig aussprechen, er heißt ab sofort Paradise. Wie der gefightet hat - da können sich andere eine Scheibe abschneiden“, sagte Rehhagel.

An der Einstellung hat es im Spiel der Hertha vor 52.744 Zuschauern im Olympiastadion jedoch nicht gemangelt. Das Team verdiente sich den ersten Sieg seit mehr als vier Monaten durch Laufbereitschaft, Zweikampfstärke - und Rehhagels glückliches Händchen. Der frühere griechische Nationaltrainer hatte sein verunsichertes Team auf vier Positionen umgestellt und unter anderem den Siegtorschützen Nikita Rukavytsya (63.) gebracht.


Trotz des Sieges keine Euphorie

In Euphorie wollte in der Mannschaft aber keiner ausbrechen. Rechtsverteidiger Christian Lell warnte: „Ich will nicht, dass wir jetzt bequem werden und aufhören zu kämpfen. Denn dann werden wir in der Liga gefressen.“

Solche Probleme dürfte Rehhagel am Sonntag ausblendet haben. Der Trainer und seine Frau Beate waren mit Außenminister Guido Westerwelle zum Abendessen verabredet. Zu einem Treffen mit Jürgen Trittin wird es in naher Zukunft aber wohl nicht kommen. Der Grünen-Fraktionschef und bekennende Werder-Fan hatte behauptet, die Hertha sei in ihrem Management „suizidal veranlagt“. Daraufhin schoss Klubpräsident Werner Gegenbauer zurück und riet: „Einfach mal die Fresse halten.“

Kaum zu Wort kam in der Presserunde am Samstag Bremens Trainer Schaaf. Seiner Mannschaft wird der 50-Jährige aber sicher ein paar Takte gesagt haben. Dass wie schon im vergangenen Spiel der „unheimliche Aufwand“ nicht belohnt wurde, „muss uns ärgern, muss uns wütend machen“, sagte Schaaf und forderte Wiedergutmachung im Heimspiel gegen Hannover 96, das bis auf einen Punkt an die Hanseaten herangerückt ist.