Schalke 04

Pleite in Freiburg – Heldt stellt die Charakterfrage

Angesichts von nur einem Sieg in den letzten fünf Spielen verliert Schalke Platz drei immer mehr aus aus den Augen. Freiburg hingegen ist nicht mehr Schlusslicht.

Huub Stevens war restlos bedient. Erst musste der Trainer von Schalke 04 nach der 1:2 (0:1)-Pleite beim bisherigen Schlusslicht SC Freiburg immer wieder Fragen nach „Phantom“ Klaas-Jan Huntelaar abwehren. Danach wurde der genervte Niederländer selbst ausgebremst: Ein Falschparker blockierte den Mannschaftsbus und verzögerte so die Rückreise der Königsblauen nach dem heftigen Rückschlag im Kampf um die direkte Champions-League-Qualifikation.

Da passte es ins Bild eines verkorksten Nachmittags, dass Manager Horst Heldt noch vor der verspäteten Abreise ungemütliche Tage für seine Profis ankündigte: „Das war eine bittere Niederlage. Wir müssen überprüfen, welche Spieler sich der schwierigen Situation jetzt stellen. Wir müssen schauen: Wer ist bereit, alles zu geben“, versprach Heldt angesichts von zuletzt drei Niederlagen in den vergangenen fünf Punktspielen (4 Zähler) eine harte Welle.

Die Phase der Pleiten, Pech und Pannen hatte am Vortag bereits Jefferson Farfan eingeleitet. Der wechselwillige Peruaner erklärte nach dem Abschlusstraining, sich nicht fit zu fühlen und verzichtete auf den Trip in den Breisgau. Das Fehlen von Toptorjäger Huntelaar (Gesichtsverletzung), in der bisherigen Saison mit 33 Treffern in 34 Spielen der überragende Stürmer in Deutschland, wollte indes kein Schalker als Entschuldigung für die sechste Auswärtsniederlage gelten lassen.

Stevens verweigerte sogar Fragen nach der Bedeutung seines Landsmanns Huntelaar: „Ich rede nie über Spieler, die nicht da sind.“ Dafür sprach Jermaine Jones nach der schwachen Vorstellung vor den Augen von Bundestrainer Joachim Löw Klartext. „Als Vierter darfst du beim Tabellenletzten nicht verlieren. Du musst auch mal unattraktiv gewinnen, den Mund abwischen und dann nach Hause fahren“, schimpfte der Mittelfeldaufräumer, der nach achtwöchiger Sperre ein durchwachsenes Comeback gab.


Schalke mit mehreren Totalausfällen

Symptomatisch für den Frust der Schalker in Freiburg war die völlig überflüssige Aktion von Kyriakos Papadopoulos. Der Innenverteidiger sprang in der 87. Minute mit gestrecktem Bein Stefan Reisinger entgegen und kassierte die Gelb-Rote Karte. Stevens sah in seiner Elf auch noch andere Totalausfälle. „Jeder muss alles geben. Aber wir hatten mehrere auf dem Platz, die das nicht konnten. Das war zu wenig“, kritisierte der knorrige Niederländer, der immerhin einmal ein goldenes Händchen bewies: Nur 30 Sekunden nach seiner Einwechslung sorgte Teemu Pukki (73.) zumindest noch für den Anschlusstreffer der Gäste.

Doch selbst die Freiburger wunderten sich etwas über das Auftreten der Gäste, die als Vierter nur noch vier Punkte Vorsprung auf Verfolger Bayer Leverkusen (40 Zähler) haben. „Nach unserer 1:0-Führung haben wir gemerkt, wir können es packen. Denn da haben die Schalker nicht die erwartete Stimmung auf den Platz gebracht“, meinte Mittelfeldspieler Jan Rosenthal.

Gleich die erste Chance nutzte das zuvor in elf Spielen nur einmal siegreiche Team von Trainer Christian Streich durch Winter-Neuzugang Sebastian Freis (18.) zur Führung. Nach seinem ersten Saisontreffer warnte der Stürmer aber vor verfrühter Euphorie im Kampf um den Klassenerhalt: „Das war ein kleiner Schritt. Der Begriff Befreiungsschlag ist mit Vorsicht zu genießen“, betonte Freis.

Immerhin kletterte Freiburg auf Platz 17 und hat zum rettenden Ufer nur noch zwei Punkte Rückstand. Nicht zuletzt, weil Daniel Caligiuri (66.) per Elfmeter nach Foul von Papadopoulos an Jonathan Schmid für die beruhigende 2:0-Führung gesorgt hatte. Nach dem zweiten Sieg seiner Amtszeit gab sich Coach Streich angenehm demütig statt angriffslustig. „Entscheidend für uns ist, alles zu genießen, wenn wir gegen solche Topteams wie Schalke in der Bundesliga spielen dürfen.“