Hamburger SV

Die schöne Sauerei von Ex-Keeper Rudi Kargus

Früher hielt er den Kasten beim HSV sauber, heute genießt er es, sich beim Malen "vollzusauen." Jetzt eröffnet der ehemalige Profi seine eigene Ausstellung.

Foto: Roland Magunia

An diesem Sonnabend wird Rudi Kargus nicht ins Stadion fahren. Zwar spielt „sein“ HSV gegen den VfB Stuttgart um Bundesligapunkte, aber der frühere Elfmeterkiller hat einen anderen Termin. In der Galerie „Feinkunst Krüger“ in der Nähe des Großneumarktes findet die Vernissage seiner Ausstellung statt, die bis zum 24. März Bilder des Künstlers zeigt.„Ich finde nicht, dass meine Bilder düster sind“, sagt der 59-Jährige.

Kargus will nicht der malende Fußballer sein

Leichte Kost bieten sie allerdings auch nicht. Immer wieder tauchen Figuren in seinen Werken auf, die verloren und suchend wirken. Verhüllte Menschen, schemenhaft als Zeugen einer abstrakten Szene. „Ich würde meinen Stil als expressive, körperliche, gestische Malerei mit einer gewissen Kraft bezeichnen.“

Zwar besteht der gebürtige Pfälzer darauf, nicht mehr als malender Fußballer wahrgenommen zu werden, aber auf der Leinwand spiegelt sich vieles aus seinem Leben wider.

Kargus, Jahrgang 1952, ist in die 68er-Bewegung hineingewachsen. „Es war eine spannende Zeit damals, das habe ich gemerkt“, sagt er.

„Aber ich habe an ihr nicht teilgenommen, ich war nicht nah dran.“ Zu sehr hatte ihn sein erster Beruf in Anspruch genommen. „Ich war mit Haut und Haaren Fußballer.

Der Ex-Keeper malt jetzt im Schweinestall

Das weiß ich, und anders hätte es auch gar nicht funktionieren können.“ Auf 408 Bundesliga- und drei Länderspiele brachte es Kargus, er wurde Meister, Deutscher- und Europapokalsieger mit dem HSV. Kargus fand sich in der Scheinwelt Profifußball zurecht, und schaffte anschließend den Sprung in die Kunst.

„Es klingt vielleicht etwas pathetisch, aber die Malerei hat für mich zur Menschwerdung beigetragen“, sagt er heute. Kargus steht skeptisch vor der heutigen Medienwelt, ihm gefallen vorschnelle Überhöhung und öffentliche Verdammung nicht. „Es gibt eine Entwicklung zur Flachheit und zum Banalen in den Medien“, meint er. Seine Biographie untermauert diese Aussage, denn gerade im Fußballgeschäft würden Menschen „verbraten und vermarktet“.

„Malen ist ein Geschenk, eine Leidenschaft“

In der Nähe von Quickborn malt Kargus in einem alten Hof, genauer gesagt im umgebauten Schweinestall. „Ich mag es, mich vollzusauen“, schmunzelt Kargus, der ganz besondere Erfüllung im Malprozess findet. „Es ergibt sich immer etwas Neues. Ich liebe es, an der Leinwand zu stehen und ein Bild sich entwickeln zu sehen.“

Als sehr produktiver Künstler bezeichnet sich Kargus, an allen Wänden, in jedem Zwischenraum seines Ateliers hängen oder stehen die Werke. „Die Malerei ist für mich kein Beruf“, sagt Kargus, von dessen bekannter Lockenmähne heute nichts mehr zu sehen ist. In die dunklen Haare mischen sich zusehends graue Töne. „Malen ist ein Geschenk, eine Leidenschaft.“

Es fehlte nicht viel, und Kargus wäre dauerhaft Fußballtrainer geworden.

1990 absolvierte Kargus den DFB-Trainerlehrgang als Jahrgangsbester. Der Weg in die Karriere nach der Karriere schien vorgezeichnet. Doch Rudi Kargus folgte einem anderen Drang. „Ich habe es genossen, aus der Öffentlichkeit weg zu sein.“

Der Publikumsliebling genießt die Einsamkeit

Als Künstler ist er nun sogar zurück auf dem Weg dorthin, und seine Bilder verkaufen sich mittlerweile für gutes Geld. „Das Geld lässt mich völlig kalt“, sagt Kargus. Er folgt seiner Berufung in dem umgebauten Schweinestall in der Nähe von Quickborn. „Es ist zwangsläufig eine Tätigkeit, bei der man viel Zeit alleine verbringt“, sagt er nüchtern. Und dann, mit einem zufriedenen Lächeln auf den Lippen: „Erschwerend kommt hinzu, dass ich es auch noch genieße.“

Die Ausstellung „Am liebsten hätte ich den Titel gemalt“ von Rudi Kargus ist vom 4. Bis 24. März zu sehen bei Feinkunst Krüger, Kohlhöfen 8. Geöffnet ist die Galerie Do. und Fr. 12-19 Uhr, Sa. 12-18 Uhr und nach Vereinbarung.