"Auszeit"

Ullrich verdient Jobperspektiven nach der Blutwäsche

Selbst grob überzüchteten Ahleten kann neuerdings Hoffnung auf ein geordnetes Arbeitsleben nach der Entgiftung gemacht werden.

Das Jobangebot für ehemals dopingabhängige Sportler ist beschämend. In der Freiburger Uniklinik wird ein Referrent für „pharmazeutische Experimente“ auf Honorarbasis gesucht, die Apotheke an der Strandstraße in Westerland/Sylt bietet „biochemisch und pharmakologisch einschlägig Bekannten“ einen Job auf 400-Euro-Basis Das war es dann aber auch schon. Sieht so unsere Resozialisierung in Deutschland aus? Kann unter diesen Umständen Jan Ullrich wirklich guten Gewissens auspacken?

Natürlich nicht. In der Tat kann hierzulande kein Jan Ullrich allein von den Zuwendungen eines Haarpflegemittelherstellers („Doping für die Haare“) leben. Kein Wunder also, dass er in der Schweiz lebt. Wäre ja nicht auszuhalten.

Allen clenbuterolgeschwängerten Mastradlern und epogetränkten Zuchtleichtahleten kann aber Hoffnung auf ein Arbeitsleben nach der Blutwäsche gemacht werden. Denn in Amerika macht gerade ein Beispiel Schule, wie eine gesellschaftliche Wiedereingliederung aussehen kann. Richten wir unseren Blick also auf Marion Jones. Die war um die Jahrtausendwende mal die schnellste Frau der Welt. Sie sagt, Leinsamenöl hätten ihre Beine Flink gemacht. Andere sagen, es war das anabole Steroid THG.

Die Wahrheit konnte mit Frau Jones jedenfalls nie Schritt halten, weswegen entschieden wurde, sie für ein halbes Jahr in den Knast zu stecken.