Rafinha

"Für den FC Bayern ist jetzt jedes Spiel ein Finale"

Münchens Verteidiger Rafinha spricht im Interview mit Morgenpost Online über das Wetter, die Probleme beim deutschen Rekordmeister und seinen Landsmann Breno.

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Am Samstagnachmittag wird Rafinha wieder beten. Bevor der Verteidiger des FC Bayern München zum Bundesligaspiel bei Bayer Leverkusen (15.30 Uhr, Sky) aufläuft, bittet er Gott um Erfolg und Gesundheit, es ist sein Ritual vor einer Partie. Jeder Sieg ist auch immer ein Sieg für seinen Vater, der vor einigen Jahren verstarb.

„Ich liebe dich für immer, Vater“ hat sich der 26 Jahre alte Brasilianer auf seinen rechten Unterarm tätowieren lassen. Er tritt ruhig und bescheiden auf, in seiner Zeit bei Schalke 04 galt er als Skandalprofi. „Leverkusen hat eine gute Mannschaft. Es wird nicht leicht“, sagt er.

Die Statistik spricht für einen Erfolg der Bayern: Leverkusen hat seit 2004 in 14 Spielen nicht mehr gegen die Münchner gewonnen. Allerdings bangt Trainer Jupp Heynckes vor der Partie gegen seinen ehemaligen Klub um den Einsatz von Franck Ribery und Holger Badstuber. Die beiden Profis haben sich im Länderspiel Deutschland gegen Frankreich (1:2) am Mittwoch Blessuren zugezogen.

Morgenpost Online: Rafinha, langsam wird es wärmer in Deutschland.

Rafinha: Gott sei Dank! Die zweistelligen Minustemperaturen in den vergangenen Wochen gingen gar nicht, das war sehr hart.

Morgenpost Online: Viele sagen: Brasilianische Fußballer spielen noch besser, wenn es wärmer wird.

Rafinha: (lacht) Das kann sein. Auf jeden Fall freue ich mich auf den Frühling.

Morgenpost Online: Dortmund hat vier Punkte Vorsprung. Glauben Sie noch an den Gewinn der Deutschen Meisterschaft?

Rafinha: Das ist unser Ziel. Dortmund und Borussia Mönchengladbach sind gut drauf, deshalb ist es eine sehr schwere Saison für uns. Wir dürfen uns keinen Fehler mehr erlauben . Irgendwann werden die unentschieden spielen oder verlieren. Und dann werden wir da sein.

Morgenpost Online: Warum ist Ihre Mannschaft in der Rückrunde nicht mehr so souverän wie in der Hinserie?

Rafinha: Jede Mannschaft hat in einer Saison Phasen, in denen es nicht gut läuft. Wir haben die jetzt hinter uns gelassen. Es lag nicht an einzelnen Spieler, wir haben alle nicht unsere Topleistungen gebracht und gemeinsam verloren. Unser Trainer, Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß waren früher selbst Fußballer. Sie wissen, dass Fehler passieren. Beim FC Bayern wird der Druck dann aber eben besonders schnell groß, das hat es nicht einfacher gemacht. Aber soll ich Ihnen mal was sagen?

Morgenpost Online: Bitte!

Rafinha: Ich mag diese Art von Einstellung. Bei den Bayern musst du jedes Spiel gewinnen, ein Unentschieden ist wie eine Niederlage. Das braucht man, um erfolgreich zu sein.

Morgenpost Online: Was muss sich ändern, damit die Mannschaft diesem Selbstverständnis wieder gerecht wird?

Rafinha: Wir müssen als Mannschaft funktionieren, und da sind wir auf dem richtigen Weg. Gegen Freiburg und Basel haben wir schlecht gespielt. Beim Sieg gegen Schalke aber hat jeder gesehen, dass wir hundert Prozent geben. Jedes Spiel, ob in der Bundesliga, DFB-Pokal oder Champions League, ist für uns jetzt ein Finale, und so müssen wir es angehen.

Morgenpost Online: Nach dem 0:1 im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League gegen den FC Basel gab es Unruhe und Diskussionen in der Mannschaft.

Rafinha: Manchmal muss so etwas sein. Die Diskussion hat uns gut getan. Hier gibt es keine Engel, wir sind alles erwachsene Profis. Klare Worte gehören im Fußball dazu.

Morgenpost Online: Sind Sie mit Ihren bisherigen Leistungen zufrieden?

Rafinha: Ich bin nie zufrieden. Selbst wenn ich zehn Tore in einem Spiel schieße. Ich will und muss immer besser werden. Gegen Freiburg und Basel hatten wir viele Fehler drin, vor allem ich. Aber ich habe ein gesundes Selbstvertrauen, ich lasse mich davon nicht unterkriegen.

Morgenpost Online: Bei Schalke haben Sie Ihrem Gegenspieler Nelson Valdez mal ins Gesicht geschlagen und sich oft mit den Stürmern der anderen Teams angelegt. Beim FC Bayern sind Sie ruhiger geworden.

Rafinha: Ich bin nach Deutschland gekommen, als ich 19 Jahre alt war. Bei Schalke war ich damals sehr emotional. Heute habe ich mehr Erfahrung und kann das Spiel besser lesen. Ich habe beinahe 200 Bundesligaspiele absolviert und nur eine Rote Karte gekriegt. Ich denke, dass ist eine vernünftige Quote.

Morgenpost Online: Wie schwer ist es, hinter Arjen Robben zu spielen?

Rafinha: Ich habe Glück, dass ich mit solchen Spielern wie Arjen oder Thomas Müller spielen kann. Ich verstehe mich sehr gut mit ihnen. Jeder hat seinen eigenen Stil, und Arjen spielt sehr offensiv. Da muss ich als Verteidiger besonders wach sein. Ich habe mich gut auf seinen Stil eingestellt.

Morgenpost Online: Ihr Präsident Uli Hoeneß sagt, dass Robben wegen der Vorwürfe, er spiele zu egoistisch, inzwischen auch dann abspielt, wenn er eigentlich selbst schießen sollte.

Rafinha: Wenn er das sagt, hat er recht. Er sieht alles. Arjen sollte sich nicht zu viel aus der öffentlichen Kritik machen. Ich tue das auch nicht.

Morgenpost Online: Sie wurden schon als Fehleinkauf bezeichnet.

Rafinha: Ich bin 26 Jahre alt und muss noch viel lernen. Mit Kritik von Medien kann ich gut leben. Wenn das unser Präsident, Manager oder Trainer gesagt hätte, würde es mich treffen. Haben sie aber nicht.

Morgenpost Online: Vieles deutet darauf hin, dass Sie im Sommer einen Landsmann mehr im Kader haben. Der FC Bayern will Dante von Borussia Mönchengladbach verpflichten.

Rafinha: Das wäre schön, er ist ein guter Spieler. Der FC Bayern wird die Mannschaft weiter verstärken. Wen wir holen, entscheidet die Vereinsführung.

Morgenpost Online: Sie sind mit Ihrem Landsmann und Teamkollegen Breno befreundet, der sein Haus angezündet haben soll und nur gegen Kaution in Freiheit ist. Jetzt hat er sich wieder verletzt. Wie geht es ihm?

Rafinha: Er arbeitet sich jetzt wieder ran. Breno erlebt eine schwierige Situation, wir reden deshalb sehr viel. Ich probiere, ihn so gut es geht zu unterstützen.