HSV gegen den VfB

Aogo setzt gegen Stuttgart auf Wiedergutmachung

Nach seiner schwachen Leistung im Testspiel gegen Frankreich muss Dennis Aogo wieder Leistung bringen. Es geht gegen Ex-Trainer Bruno Labbadia.

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Für Dennis Aogo gab es eine Menge gute Gründe, den Ort des Geschehens schnell zu verlassen. Nach dem 1:2 im Länderspiel gegen Frankreich hatte der 25 Jahre alte HSV-Nationalspieler nur 116 Kilometer mit dem Auto zurückzulegen, ehe er zu Hause in Hamburg war.

Außerdem war Aogo bei beiden Gegentreffern zumindest beteiligt, sodass eine kritische Betrachtung seiner Leistung durchaus angemessen war. Und schließlich musste der HSV-Spieler ausgerechnet im Stadion des Nordrivalen mit einem grünen Trikot auflaufen. „Ich habe mir einfach eingeredet, dass es das Grün Nigerias ist. Dieses Land ist die Heimat meines Vaters, so konnte ich das Werder-Grün etwas verdrängen“, sagte Aogo mit einem Lächeln.

Probleme für seine EM-Nominierung sieht Aogo nicht

Mit einem Scherz konnte er die insgesamt schwache Leistung der deutschen Nationalmannschaft nicht wegwischen. „Ich werde mich von einer schlechteren Leistung nicht aus der Bahn werfen lassen“, verspricht Dennis Aogo. „Die Partie war sehr lehrreich für mich, und es wird sicher nicht die letzte Partie gewesen sein, in der ich mit meiner Leistung unzufrieden war.“

Nachhaltige Probleme im Hinblick auf die Nominierung für die Europameisterschaft im Sommer erwartet Aogo nicht. Nicht nur er, sondern auch einige andere hätten Kredit verspielt, wenn nur die Leistung vom Frankreich-Spiel herangezogen würde, meint der HSV-Nationalspieler.

Trainer Thorsten Fink nahm seinen Spieler in Schutz. „Bei mir ist Dennis ein Führungsspieler, der sehr viel dazugelernt hat und selbstbewusst ist. Er zeigt beim HSV Topleistungen. Wenn er einmal schlecht spielt, ist das nicht so dramatisch“, so Fink.

Weil nicht nur Aogo, sondern auch eine Reihe weiterer HSV-Profis mit negativen Erlebnissen von ihren Länderspielreisen zurückgekehrt sind, erwartet Fink sogar einen Schub für den HSV. „Bei den Bayern war es früher so, dass alle Spieler nach Länderspielniederlagen gern nach München zurückgekehrt sind“, kramt Fink in seiner Erinnerung. „Denn mit Bayern haben wir dann ja fast immer gewonnen.“

Rincon ging mit seinem Team beim Weltmeister unter

Besonders Mittelfeldspieler Tomas Rincon dürfte in der Nacht nach dem Länderspiel seiner venezolanischen Mannschaft in Malaga gegen Spanien schlecht geträumt haben. Gleich mit 0:5 ging sein Team gegen den Weltmeister unter. „Tomas hatte sicher nicht so oft den Ball und musste viel hinterherlaufen“, sagte Trainer Fink.

Erst nach einem Gespräch mit Rincon will der Coach entscheiden, ob er den Spieler für fit genug hält, gegen den VfB Stuttgart mit voller Kraft aufzulaufen. Für die Partie gegen die Elf von Ex-HSV-Trainer Bruno Labbadia (Samstag, 15.30 Uhr, Sky live) sind bislang 52.000 Karten verkauft worden.

Der Serbe Gojko Kacar, der beim 0:0 gegen Zypern nur zwei Minuten mitspielte, käme für Rincon als Ersatz infrage. Außerdem hatte Fink bereits Anfang der Woche angedeutet, dass Ivo Ilicevic Jacopo Sala im rechten Mittelfeld ersetzen wird. Zu einem Tausch in der Innenverteidigung wird es dagegen nicht kommen.

Slobodan Rajkovic, der 90 Minuten lang beim serbischen 2:0 gegen Armenien verteidigte, wird in der Mannschaft bleiben, „denn ich will hinten nicht so viel wechseln“, wie Fink sagte. Der Niederländer Jeffrey Bruma (Bankdrücker beim 3:2 seiner „Oranjes“ in Wembley gegen England) wird sich also noch gedulden müssen, ehe er mal wieder zu einem Bundesligaeinsatz kommt.

Wechselgerüchte um Keeper Drobny - Bayern dementiert

In der Zwischenzeit steht Torwart Jaroslav Drobny, der das 1:1 seiner tschechischen Auswahl in Dublin gegen Irland von der Bank aus verfolgte, erneut im Mittelpunkt von Transfergerüchten. Bayern München soll Interesse haben, den 31 Jahre alten Schlussmann zu verpflichten, um den scheidenden Ersatzkeeper Jörg Butt zu beerben.

Beim HSV ist noch keine offizielle Anfrage eingegangen, und auch Bayern-Mediendirektor Markus Hörwick dementierte: „Die Geschichte stimmt hinten und vorne nicht.“ Ungeachtet dessen sieht sich Drobny permanent Diskussionen um seine Zukunft ausgesetzt. „Das macht ihm überhaupt gar nichts“, gibt Trainer Fink zurück.

„Er kann damit hervorragend umgehen und ist nervenstark.“ Das habe Drobny schon in Mönchengladbach bewiesen, als er trotz aller Meldungen über eine bevorstehende Verpflichtung des Leverkuseners Rene Adler gewohnt stark gehalten habe.

Erst zwei Heimsiege nach 23 Spieltagen

Bei sieben Punkten Rückstand auf Europapokalplatz sieben und gleichsam sieben Punkten Vorsprung auf Relegationsrang 16 steht der HSV erneut vor der Frage, welche Ziele für den Rest der Saison ausgegeben werden können. „Ich kann nicht verstehen, wie diese Frage aufkommt“, sagt Dennis Aogo. „Es gibt zu keinem Zeitpunkt in der Saison einen Grund, nachzulassen.“

Im Übrigen gelte es, die schwache Heimbilanz aufzupolieren. Erst zwei Heimsiege nach 23 Spieltagen – so schlecht war der HSV in der Bundesliga-Geschichte noch nie. „Wir wollen unseren Fans wieder Spaß vermitteln“, so Aogo. Und für sich selbst möchte er wohl auch alle Erinnerungen aus Bremen in den Hintergrund drängen.