Sieg in Wembley

Robben schießt sich den Bayern-Frust von der Seele

Mit einem Doppelpack schoss Arjen Robben die Holländer in der zweiten Halbzeit zum Testspiel-Sieg in England. Danach sagte er: "Es wäre toll, wenn ich bei den Bayern auch mal ein, zwei solche Spiele hätte."

Wer England im Wembley-Stadion besiegt , hat eine große Feier verdient. Wer England im Wembley-Stadion besiegt und in der Nachspielzeit das Siegtor schießt, hat eine sehr große Feier verdient. Wer England im Wembley-Stadion besiegt, in der Nachspielzeit das Siegtor schießt und beim FC Bayern München unter Vertrag steht, hat keine Zeit zum Feiern.

Donnerstag reiste Arjen Robben von London nach Köln und traf sich mit seinen Vereinskollegen für die Vorbereitung auf die Bundesligapartie bei Bayer Leverkusen am Samstag (15.30 Uhr, Sky). „Die Zeit bei der Nationalmannschaft war viel zu kurz“, sagte er. Am Abend zuvor musste er wegen der Abreise zeitig ins Bett, obwohl er beim 3:2 (0:0) der Niederlande gegen England der überragende Mann gewesen war.

Robben wirkte befreit. Beim FC Bayern hat die Diskussion um seinen angeblichen Egoismus dazu geführt, dass er auch dann abspielt, wenn er selbst schießen sollte, sagt Präsident Uli Hoeneß. Er beklagte eine mediale Hetzjagd; Robben spricht derzeit nicht mit deutschen Journalisten, ihn haben die Berichte über seine Spielweise gekränkt.

"Rockin’ Robben“

Im Trikot des EM-Gruppengegners der Deutschen wandelte der 28-Jährige Goethes „Faust“ in eine Fußballversion: „Hier bin ich Arjen, hier darf ich’s sein.“ Er lief in der eigenen Hälfte mit dem Ball am Fuß los, dribbelte über 60 Meter an allen Gegenspielern vorbei, schoss aufs Tor – und traf (57.).

In seiner Heimat gibt es keine Diskussion um seine Spielweise, diese Ruhe hilft ihm offenbar. Schalkes Torjäger Klaas-Jan Huntelaar (58.) erhöhte, konnte sich an seinen Treffer später aber nicht erinnern – er war mit Gegenspieler Chris Smalling zusammengestoßen und erst nach seiner Auswechslung in der Kabine zu sich gekommen.

Gary Cahill (85.) und Ashley Young (90.) trafen für England, ehe Robbens zweiter großer Auftritt kam und der Offensivstar den Ball zum Sieg ins Tor schlenzte (90.+2). „Rockin’ Robben“, nennt ihn die englische Zeitung „The Sun“.

In dieser Form kann er wieder sehr wichtig für den FC Bayern werden. Aber will er seinen 2013 endenden Vertrag nach dem Theater der vergangenen Wochen verlängern? „In Deutschland ist es im Augenblick keine ideale Situation. Trotzdem haben wir es dort fantastisch. Aber natürlich geht mir auch durch den Kopf, welche Möglichkeiten es geben könnte“, so Robben im niederländischen Fernsehen.

Es sei herrlich, mit einem Mann wie Nationaltrainer Bert van Marwijk zu arbeiten, der Vertrauen schenke und die Spieler in Ruhe ihre Arbeit machen lasse. Das kann als Kritik an Bayern-Trainer Jupp Heynckes verstanden werden. Robben wollte es nicht weiter erläutern, er spricht derzeit lieber über seine Nationalmannschaft. Kein Wunder, sie ist in EM-Form, vor allem die Offensive.

Um an den kleineren Schwächen in der Abwehr zu arbeiten, bleiben van Marwijk vier Testspiele: Gegen Bayern München (22. Mai), Bulgarien (26. Mai), die Slowakei (30. Mai) und Nordirland (2. Juni). „Wir fahren zur EM, um zu gewinnen, daran gibt es keinen Zweifel“, erklärte Robben.

"Schluss mit der Hexenjagd"

„Wir haben eine tolle Mannschaft und großes Potenzial.“ Er sagte van Marwijk nach der Partie, dass es ein toller Abend gewesen sei. „Und ich sagte, dass es toll wäre, wenn ich bei den Bayern auch mal ein, zwei Spiele wie dieses hätte. Dann wäre vielleicht endlich mal Schluss mit der Hexenjagd und all den schmutzigen Spielchen.“

Auch die Gastgeber ziehen trotz der Niederlage positive Schlüsse aus dem Spiel : „Englands Kämpfer haben sich einen großen Schub für die Zukunft gegeben“, behauptet „The Sun“. Interimstrainer Stuart Pearce glaubt allerdings nicht, dass er bei der EM für die Mannschaft verantwortlich sein wird. Der englische Verband sucht weiter nach einen Nachfolger für Fabio Capello, Favorit ist Harry Redknapp von Tottenham Hotspur.

Portugal hingegen, Deutschlands erster EM-Gegner, enttäuschte. Die Mannschaft um Superstar Cristiano Ronaldo kam beim Turniergastgeber Polen nicht über ein 0:0 hinaus. Stürmer Hugo Almeida von Besiktas Istanbul, ehemals bei Werder Bremen, gehörte seit langem wieder zur Startelf, gab dem Spiel der Portugiesen aber keine Impulse.

Die Partie zeigte erneut, wie abhängig die Mannschaft von Ronaldo (Real Madrid) und Nani (Manchester United) ist. Sie hat vor der EM nur noch eine Chance zum Üben, am 26. Mai spielt sie gegen Mazedonien. „Portugal fährt mit dem Ziel zur EM, sie zu gewinnen“, behauptete Ronaldo trotzig.

Noch größere Probleme hat Dänemark. Die Mannschaft von Trainer Morten Olsen spielte gegen Russland ganz schwach und verlor 0:2. Beide Tore verschuldete Torwart Thomas Sörensen, für den es das 100. Länderspiel war.

„Die Einstellung der Mannschaft war peinlich“, schreibt das Internetportal Sporten.dk. Olsen versucht, die Fans zu beruhigen: „Wir werden es bei der EM besser machen.“ Die Dänen testen vor dem Turnier noch gegen Brasilien (26. Mai) und Australien (2. Juni).