"Einwurf"

Warum es bei den Bayern hinten und vorne zwickt

Werden die Fans des FC Bayern München eher vom Sog der U-Bahn angezogen, als vom Spiel der Mannschaft? Gedanken zu Naturgesetzen und Zwängen auf dem Platz.

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Fußball ist nur ein Spiel. Ich weiß. Es ist ein Spiel und es gibt Regeln. Von Naturgesetzen oder so was wie der Macht der Gewohnheit war nie die Rede. Deshalb weiß ich auch nicht, was es bedeutet, dass ich genau daran neulich dachte – im Zusammenhang mit dem FC Bayern und in genau der Reihenfolge.

Ich hatte das Gefühl, dass das diese drei Dinge etwas miteinander zu tun haben müssen. Und Sie wissen ja, wie das ist, wenn man sich in etwas verbeißt: Man wird den Gedanken nicht wieder los. Ist es zum Beispiel ein Naturgesetz, dass es – wenn es im Bayern-Spiel zwickt – immer die Abwehr ist, um die man sich Sorgen machen muss?

Hinten ist eh wurscht

Naturgesetze, sagen Leute, die es wissen müssen, sind "Regelmäßigkeiten im Verhalten realer Systeme". Bayern spielt im 4-2-3-1-System und zwar so real, dass es einem manchmal ein wenig stereotyp vorkommt. Die Fehler im System werden regelmäßig hinten gemacht. Also: Ein Naturgesetz? Oder hat es was mit Gewohnheit zu tun – nach dem Motto: Hinten ist eh wurscht, solange es vorne einmal öfter klappt?

Ja, ja, bei Bayern kann man schon ins Grübeln kommen. Liegt es, zum Beispiel, an der Anziehung von Massen untereinander (Gravitationsgesetz!), wenn es die Besucher auf den teuren Plätzen pünktlich mit dem Halbzeitpfiff in die Logen zieht, wo sie dann bis weit nach Wiederanpfiff verharren?

Die Fans und die U-Bahn, ein Magnet

Warum ist, gleich nach dem Schlusspfiff, sogar die Fankurve zur Hälfte leer – weil die Leute sich mehr von der U-Bahn angezogen fühlen als von dem Gedanken, die Mannschaft zu feiern? Müssen wir uns daran gewöhnen, dass von der Auswechselbank der Bayern nur noch in Ausnahmefällen Impulse kommen?

Früher saßen auf der Bank Typen wie Klose, Podolski, die ein Spiel zur Not noch drehen können. Jetzt sitzen da, seit längerem, ein Torschützenkönig (der 2. Liga) und ein frustrierter Olic. Daran will ich mich nicht gewöhnen. Und überhaupt frage ich mich: Warum gelten all die Gesetze und scheinbaren Zwänge in Dortmund nicht?

Hermann Weiß ist Kulturrredakteur der Morgenpost Online und Fan des FC Bayern. Als solcher macht er sich Gedanken über seinen Lieblingsclub – jeden Freitag auch in Morgenpost Online