Länderspiele

England und Italien weit von EM-Form entfernt

Während die beiden WM-Finalisten Niederlande und Spanien sich schon in starker Frühform befinden, läuft es bei Italien und England nicht nach Wunsch.

So schlau wie zuvor waren die Engländer nach dem Test gegen die Niederlande. 2:3 verloren – okay, das war unterm Strich in Ordnung und eigentlich auch nebensächlich. Wie es in den kommenden drei Monaten bis zur Europameisterschaft in Polen und der Ukraine weitergeht, steht aber noch immer in den Sternen.

Ohne Trainer, ohne Kapitän und spielerisch weiterhin wenig angsteinflößend präsentierte sich die Mannschaft von Interims-Trainer Stuart Pearce. In Italien sieht es sportlich nicht besser aus – dafür weiß man dort wenigstens, wer bei der Endrunde auf der Bank sitzen wird.

Überzeugend präsentierten sich in den ersten Länderspielen des Jahres von den Top-Favoriten hingegen die Niederlande und vor allem Welt- und Europameister Spanien.

EM-Trainer ja, langfristig nein

„Ich habe die Erfahrung, um das Team ins Finale zu führen“, bewarb sich Pearce nach der Partie im Wembleystadion erneut für das Traineramt bei der EM. „Das macht mir keine Angst, daher habe ich meine Dienste für den Sommer angeboten.“

Danach solle aber endgültig Schluss sein, wie Pearce etwas paradox erläuterte: „Dafür fehlt mir die Erfahrung. Ich habe diese Woche wirklich genossen und ich würde den Sommer genießen, aber damit würde ich dem Verband nur mehr Zeit verschaffen, falls sie bis dahin noch niemanden gefunden haben sollte. Denn der dauerhafte England-Trainer ist jemand anderes – das bin ganz sicher nicht ich.“

Unsicher ist auch, wie Englands Mannschaft bei der EM aussehen wird : Superstar Wayne Rooney fehlte verletzt und wird die ersten Partien gesperrt sein. John Terry wurde wegen Rassismus-Vorwürfen die Kapitänsbinde entzogen, zudem wurde er diese Woche am Knie operiert.

Frank Lampard und Rio Ferdinand wurden von Pearce erst gar nicht nominiert – so war der Test gegen die Niederlande eher ein Experiment als ein ernst zu nehmender Test.

Niederlande nur vorne stark

Der Vizeweltmeister bekam mit dem Sieg hingegen die Bestätigung, auf dem richtigen Weg zu sein: „Wir fahren zur EM, um zu gewinnen, daran gibt es keinen Zweifel“, sagte ein selbstbewusster Arjen Robben, der mit zwei Treffern der Mann des Spiels war.

„Wir haben eine tolle Mannschaft und großes Potenzial.“ Nur die alternde Abwehr, unter anderem mit dem Ex-Hamburger Joris Mathijsen und dem Stuttgarter Khalid Boulahrouz, macht den Niederländern noch etwas Sorgen, auch wenn Trainer Bert van Marwijk seiner Mannschaft „in der Defensive mehr Stabilität als zuletzt“ bescheinigte.

Aufatmen gab es bei Schalke 04, denn Klaas-Jan Huntelaar droht wegen seiner Verletzung aus dem Länderspiel nun doch keine längere Pause. Wie die Untersuchungen im Krankenhaus in der Nacht zum Donnerstag ergaben, zog sich der Angreifer bei seinem Zusammenprall mit dem Engländer Chris Smalling am Mittwochabend doch keine Gehirnerschütterung zu. Der Schalke-Stürmer hofft nun sogar auf einen Einsatz in der Bundesliga-Partie am Samstag beim SC Freiburg.

Wenig Aufschluss über die Defensiv-Leistungen gab es bei Welt- und Europameister Spanien im Test gegen Venezuela. Dafür eine erneute Demonstration der schier unerschöpflichen Offensivstärke. Beim 5:0-Kantersieg gegen die Südamerikaner fehlten die Stamm-Stürmer David Villa (Schienbeinbruch) und Fernando Torres (wegen Formkrise nicht nominiert).

Ersatzmann Roberto Soldado vom FC Valencia sprang in die Bresche und empfahl sich mit einem Hattrick - den ersten Länderspieltoren im dritten Länderspiel des 26-Jährigen. Der Gegner war zwar zweitklassig, aber die Vorstellung Spaniens dennoch beeindruckend, sodass den Iberern eine Titelverteidigung durchaus zuzutrauen ist

Bestürzung in Italien

Ernüchterung herrscht hingegen in Italien. Das 0:1 gegen die USA war bereits die zweite Heimniederlage hintereinander. Nach der souveränen Qualifikation „muss sich bis zur EM etwas ändern“, wie die „Gazzetta dello Sport“ fordert.

Einziger Trost: Die Italiener sind fast schon traditionell in Testspielen schwach und zeigen erst dann ihr wahres Gesicht, wenn es ernst wird. Das ist auch nötig, schließlich startet der Weltmeister von 2006 in Danzig ausgerechnet gegen Topfavorit Spanien.

Keine Siege für Dänemark und Portugal

Wie abhängig Deutschlands erster Gruppengegner Portugal von Cristiano Ronaldo ist, zeigte sich in Warschau. Dreht der ehemalige Weltfußballer auf, ist Portugal zu Großem in der Lage. Bleibt der Superstar wie beim 0:0 in Polen blass, läuft nicht viel zusammen. Sollte sich bis zur EM kein adäquater Offensivpartner für Ronaldo finden, dürfte es das Team schwer haben.

Dänemark, am 17. Juni deutscher Gegner bei der EM, verlor in Kopenhagen gegen Russland. Sporten.dk schimpfte über die „peinliche Einstellung“ des Teams, Ekstrabladet sah einen Auftritt, der „Rätsel aufgibt“. Olsen meinte jedoch, er sei „nicht beunruhigt. Wir werden es (bei der EM) besser machen. Das ist zwar eine Floskel, aber es stimmt.“

Stuttgarts William Kvist monierte dagegen, dass die Aggressivität gefehlt habe. „Unser Pressing war nicht gut genug, wir mussten ihnen deshalb viel zu oft hinterherrennen. Wir waren nicht ganz da.“ Stürmer Nicklas Bendtner meinte aber: „Es gibt so Spiele, da triffst du nicht. Das kann jedem passieren, sogar Brasilien.“ Die Selecao ist am 26. Mai in Hamburg nächster Gegner.