Testspielpleite

Deutschland sollte den Franzosen dankbar sein

Besser kann ein Testspiel gar nicht laufen: Frankreich hat der deutschen Nationalelf eiskalt die Schwächen aufgezeigt. Zum Glück ist bis zum EM-Beginn noch Zeit.

Keine Frage, das war ernüchternd, was die deutsche Nationalmannschaft am Mittwochabend da in Bremen geboten hat. Sie war im Vergleich zu vorangegangenen Spielen kaum wieder zu erkennen.

Was aber weniger an den neuen grünen Trikots lag noch am Fehlen einiger Leistungsträger. Sondern viel mehr an der Art und Weise, wie die deutsche Mannschaft das Spiel hergeschenkt hat.

Nun muss man dem Team einerseits auch mal zugestehen, dass es dem Anhang nicht ständig ein Fußballfest liefern kann, wie etwa im November des vergangenen Jahres gegen die Niederlande.

Keine Leidenschaft

Anderseits darf man von einem Nationalspieler erwarten, dass er sich zumindest mit Leidenschaft und konzentriert in ein Spiel begibt. Das war gegen Frankreich nicht der Fall. Die deutsche Mannschaft hatte zwar einige Chancen, vor allem zum Ende der ersten Halbzeit.

In der Defensive aber zeigte das gesamte Team Schwächen . Die Spieler gingen zu selten mal energisch in einen Zweikampf. Die meisten standen oft zu weit vom Gegner entfernt, so dass die Franzosen viel Platz im Mittelfeld hatten.

Es war ein Länderspiel, in dem die deutsche Mannschaft alles andere als den „schönen Fußball“ geboten hat, den sich Bundestrainer Joachim Löw vorstellt und von dem er glaubt, dass er zum Titelgewinn führt. Es war viel mehr ein Spiel, das gezeigt hat, wie wichtig es ist, dass auch die Offensivkräfte in der deutschen Mannschaft Defensivaufgaben übernehmen und den Gegner bereits in dessen Hälfte attackieren müssen.

Wie das geht und wozu es führen kann, haben die Franzosen mit ihrem frühen Pressing gezeigt. Zur Freude ihres Trainers Laurent Blanc, der später übrigens sagte, dass man von den Schwächen in der deutschen Hintermannschaft wusste.

Nach wie vor ein Titel-Kandidat

Die deutschen Spieler sollten den Franzosen eigentlich dankbar dafür sein, dass sie ihnen im Hinblick auf die EM aufgezeigt haben, woran sie bis zum Turnierstart noch arbeiten müssen. Besser kann ein Testspiel gar nicht laufen, zumal der Bundestrainer ja ohnehin gesagt hatte, dass ihn das Ergebnis nicht so sehr interessiert, weil er nicht glaube, dass seine Mannschaft von einem Ergebnis abhängig ist.

Das stimmt, trotz der Niederlage ist die deutsche Mannschaft nach wie vor ein Kandidat für den EM-Titel. Der Gewinn ist es möglich, aber er verlangt auf dem Platz viel mehr Disziplin und Kreativität.

Bis zur EM ist zum Glück noch etwas Zeit. Dabei setzt der Bundestrainer insbesondere auf die Trainingslager, in die er sich mit den Spielern im Vorfeld des Turniers noch begeben wird. In der Vergangenheit haben sich diese Tage des intensiven Trainings stets ausgezahlt. Bei den vergangenen drei Turnieren war die Mannschaft auf den Punkt fit und wusste auf dem Platz, was zu tun ist, denn sie hatte einen Plan.

Gutes Omen?

Den gilt es nun auch wieder zu finden. Und vielleicht sei all’ jenen Pessimisten in diesem Land, die sich nach dem 1:2 gegen Frankreich nun wieder bestätigt fühlen, noch mit auf dem Weg gegeben, dass die deutsche Elf nicht zum ersten Mal einen wichtigen Test vor einem Turnier verloren hat.

Vor der WM 2006 hatte sie 1:4 gegen Italien verloren, vor der WM 2010 mit 0:1 gegen Argentinien. Trotzdem wusste sie später im Turnier zu überzeugen.