Fußball-Bundesliga

Bei Bayern München haben alle Ribery lieb

Franck Ribery sorgte beim 2:0 gegen Schalke 04 mit einer Gala für eine vorübergehende Beruhigung der angespannten Lage bei Bayern München. Nun will er gegen Deutschland zaubern.

Plötzlich hatten sich wieder alle lieb - und besonders lieb hatten alle Franck Ribery. Drei Tage vor dem Länderspiel gegen Deutschland war der französische Nationalspieler bei Bayern München der gefeierte Held. Auch wenn Trainer Jupp Heynckes und Präsident Uli Hoeneß bemüht waren, die Leistung des Teams in den Vordergrund zu stellen - Ribery sorgte mit seinen beiden Toren und einer Weltklasse-Leistung beim 2:0 (1:0) gegen Schalke quasi im Alleingang dafür, dass sich die Krise beim deutschen Fußball-Rekordmeister vorerst nicht zu einem sportlichen Ausnahmezustand ausgeweitet hat.

Nach den Turbulenzen um seinen verweigerten Handschlag mit Heynckes bei der 0:1-Pleite im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League beim FC Basel gab der eigenwillige Franzose sportlich die passende Antwort. Der 28-Jährige grätschte am eigenen Strafraum, wirbelte und dribbelte über die Außenpositionen, glänzte als Antreiber und Ideengeber - und er sicherte mit seinem Doppelpack (36. und 55.) den eminent wichtigen Sieg für die zuletzt arg gebeutelten FC Bayern.

„Das war ja eine Explosion, wie Franck gespielt hat“, lobte Sportdirektor Christian Nerlinger den Gala-Auftritt des Franzosen, der nun am Mittwoch (20.45 Uhr/ZDF) in Bremen im Prestigeduell gegen die DFB-Auswahl zaubern will. Auch „Kaiser“ Franz Beckenbauer war begeistert. „Unglaublich, was der kleine Kerl aus seinem Körper rausholt“, sagte Beckenbauer bei Sky.

Bundestrainer Joachim Löw bereitet die bestechende Form des dribbelstarken Franzosen anscheinend einiges Kopfzerbrechen: „Er beherrscht das Eins gegen Eins schon fast in Perfektion. Er war nicht nur gegen Schalke auffallend stark, agil und torgefährlich. Ribery ist schon in den letzten Jahren der Schlüsselspieler bei den Bayern.“

Heynckes hatte so eine Reaktion nach einem längeren und „sehr guten“ Gespräch vor dem Schalke-Spiel mit dem sensiblen Franzosen erwartet. „Franck ist ein Wohlfühlspieler. Er braucht Vertrauen, das bekommt er von mir“, sagte der Bayern-Coach bei Liga total. Ihm habe das „sehr geholfen“, ergänzte Ribery, als er mit vier Freunden aus Frankreich die Arena verließ und sich mit folgenden Worten Richtung Bremen verabschiedete: „Wir hatten in letzter Zeit alle ein bisschen Angst. In solchen Zeiten ist es wichtig, ruhig zu bleiben.“.

Heynckes blieb ruhig, überbrachte seinem Star, der mit zehn Treffern und zehn Vorlagen auf persönlichem Rekordkurs liegt, aber auch eine klare Botschaft. „Er muss eben auch die Dinge erfüllen, die ich von allen Spielern erwarte.“ Was das ist, machte er gleich deutlich: „Man muss harmonieren und bereit sein, Drecksarbeit zu machen. Das ist der Schlüssel zum Erfolg. Einer ist heute für den anderen mitgelaufen. Das war entscheidend.“

Auch künftig will der 66-Jährige deshalb keine Rücksicht auf Einzelschicksale nehmen, nachdem er gegen Schalke seinen Lieblingsschüler Toni Kroos „geopfert“ hatte: „Einzelne Spieler sind nicht entscheidend, sondern die Mannschaft. Die Truppe muss das richtungweisend umsetzen. Wir müssen auch in Zukunft so auftreten.“

Gegen Schalke war es immerhin ein Anfang nach den herben Rückschlägen in Freiburg (0:0) und Basel, weshalb Hoeneß befand, „dass man mit der Mannschaft von A bis Z zufrieden sein kann.“ Mit A könnte er Arjen Robben gemeint haben, der sich im Schatten von Ribery verbessert zeigte, aber trotzdem noch Luft nach oben hat.

Für Hoeneß ist dies in der medialen „Hetzjagd“ auf den Niederländer begründet: „Wenn es die nicht gegeben hätte, dann hätte er zwei, drei Tore gemacht. Diese Scheiß-Diskussion ob er ein Alleinunterhalter ist, hat dazu geführt, dass er jetzt den Ball abspielt, obwohl er alleine gehen müsste.“

Es war aber nur ein kurzer Ausbruch von Hoeneß an einem ansonsten für die Bayern erfreulichen Sonntagnachmittag. Auch wenn Tabellenführer Borussia Dortmund nicht mitspielte und der Vier-Punkte-Rückstand weiter Bestand hat - die Welt der Bayern war zumindest vorübergehend wieder halbwegs in Ordnung.

Man habe gesehen, „dass die Mannschaft intakt ist. Das war ein Schritt in die richtige Richtung“, meinte Nerlinger. „Wenn wir so spielen, dann mache ich mir keine Sorgen, dann bleiben wir an allen Titeln dran“, sagte Hoeneß. Während Torwart Manuel Neuer von „einem Startschuss“ sprach, befand Ribery: „Wir sind wieder dabei. Wir müssen jetzt alles gewinnen und darauf warten, dass Dortmund Fehler macht.“

Dies blieb am Sonntag aus, weshalb der ebenfalls starke Thomas Müller nüchtern feststellte, „dass die Situation noch nicht befriedigend ist“. Aber dank Ribery wieder etwas erfreulicher...