Champions League

Bayern München blamiert sich in Basel

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Julien Wolff

Der FC Basel hat mit dem 1:0-Sieg gegen den FC Bayern München die nächste kleine Sensation geschafft. Die Münchner verloren das Achtelfinal-Hinspiel der Champions League am Abend gegen die frechen Schweizer.

Der FC Bayern München hat nach schwachen Leistungen in der Bundesliga auch in der Champions League den Befreiungsschlag verpasst. Das Gegenteil ist eingetreten: Im Achtelfinal-Hinspiel unterlag der Rekordmeister am Mittwochabend beim Außenseiter FC Basel vor 36.000 Zuschauern im ausverkauften St. Jakob-Park mit 0:1 (0:0) und muss nun gehörig um den Einzug in die Runde der besten Acht zittern. Es war die erste Niederlage gegen ein Schweizer Team seit 24 Jahren. Dem eingewechselten Valentin Stocker gelang der Siegtreffer des Schweizer Meisters in der 86. Minute.

Latte und Pfosten helfen Neuer

Der Treffer zeigte in mehrfacher Hinsicht Wirkung. Die Bayern-Spieler machten sich noch auf dem Feld gegenseitig Vorwürfe. Ex-Präsident Franz Beckenbauer sagte: „Es ist schon bedenklich, was hier passiert ist, weil Basel das Spiel verdient gewonnen hat.“ Auch Nationaltorwart Manuel Neuer sagte enttäuscht: „Es ist natürlich ganz bitter für uns, gerade in der Schlussphase das Gegentor zu bekommen. Wir haben in der zweiten Halbzeit zu wenige Großchancen erarbeitet. So stellen wir uns unseren Fußball nicht vor. Wir müssen die Dinge intern ganz klar ansprechen.“ Dagegen versuchte Trainer Jupp Heynckes positiv zu denken: „Das war ein 0:0-Spiel. Wenn wir 0:0 gespielt hätten, wäre das ein gutes Ergebnis gewesen.“ Und richtete den Blick nach vorn: „Es gibt ja noch ein Spiel.“

Nach dem 0:0 beim Tabellenletzten SC Freiburg am vergangenen Sonnabend hatten die Profis Besserung versprochen. Viel Kritik am ideenlosen Offensivspiel hatte es gegeben, und Klubchef Karl-Heinz Rummenigge hatte den Druck noch erhöht: Am Montag hielt er vor der Mannschaft eine Ansprache. Tenor: In Basel kommt es drauf an, jetzt müsst ihr euch steigern! Der Traum von der Teilnahme am Finale in München (19. Mai) soll nicht zum Albtraum werden. Heynckes hatte diese Ansprache begrüßt und zog Konsequenzen: Er verzichtete zunächst auf Thomas Müller. Für ihn spielte Arjen Robben auf der rechten Außenbahn, es war sein erster Einsatz von Beginn an nach drei Partien auf der Ersatzbank. Im defensiven Mittelfeld spielten David Alaba und Anatoli Timoschtschuk.

In der Anfangphase zahlte sich Heynckes' Umstellung aus, Robben hatte gute und zielstrebige Aktionen. Er spielte einen Pass auf Franck Ribery, der frei vor dem Tor zum Schuss kam, doch Basels Torwart Yann Sommer verhinderte die Führung der Gäste (3.). Basel kam danach besser ins Spiel und durch Xherdan Shaqiri zu einer guten Chance, Jerome Boateng klärte in höchster Not (8.). „Das Jahrhundertspiel“, hatten sie es vor dem Anpfiff beim FC Basel genannt, und Shaqiri stand im Fokus. Das Offensivtalent hat kürzlich für Sommer seinen Abgang bekanntgegeben, er wechselt zum FC Bayern.

Mit seinen Kollegen stellte er seine zukünftige Mannschaft vor große Probleme: Marco Streller scheiterte an Torwart Manuel Neuer (15.), Aleksandar Dragovic köpfte an den Pfosten (16.), und die größte Chance vergab Alexander Frei – er schoss nach einer Flanke von Park Joo Ho an die Latte (19.). Basels Stärken kamen zum Vorschein, mit denen die Schweizer in der Vorrunde schon Manchester United ausgeschaltet hatten – kompakte Defensive und ein enorm kreatives Angriffsspiel.

Die Münchner hingegen waren nach gutem Beginn ins alte Muster zurückgefallen: viel Ballbesitz, wenig klare Aktionen. Der schlechte Rasen trug dazu bei, dass viele Pässe ungenau waren, und Spielgestalter Toni Kroos gelang nichts. Am gefährlichsten waren sie mit Fernschüssen: David Alaba probierte es aus 20 Metern, Yann Sommer hielt den Ball sicher (29.). Sieben Minuten später lenkte der Baseler Torwart einen Schuss Riberys zur Ecke und fing einen Schuss von Mario Gomez (42.).

Harmlos bei Standards

Auch in der zweiten Halbzeit blieben die Gastgeber zunächst die gefährlichere Mannschaft. Robben und Ribery probierten es meist mit Dribblings, kamen aber nur selten an ihren Gegenspielern vorbei. Ribery beschwerte sich immer wieder mit Gesten bei seinen Kollegen, sie sollten bedeuten: Bewegt euch mehr!

Bei Standards waren die Bayern ebenfalls harmlos: Einen Freistoß aus bester Position (17 Meter) schoss Robben flach in die Mauer. Und wenn sie mal aus dem Spiel zum Schuss kamen, war Sommer zur Stelle, wie in der 68. Minute, als er einen Schuss von Lahm klärte. Heynckes wechselte Müller für Ribery ein (71.), die Bayern drängten auf das 1:0, doch Sommer hielt auch gegen Gomez (72.). Besser machte es schließlich Valentin Stocker. Seine Mannschaft feierte den Schweizer Nationalspieler.

Das Rückspiel wird am 13. März in München ausgetragen. Bis dahin muss sich Heynckes' Mannschaft steigern. Aber wie der Trainer gab sich auch Präsident Uli Hoeneß einigermaßen beherrscht: „Ich bin der Meinung, das 1:0 eröffnet für das Rückspiel alle Möglichkeiten“, sagte er. „Wenn wir ein Tor gemacht hätten, würden wir nicht so trübselig dastehen. Wir haben kein gutes Spiel gemacht, aber ich mache mir überhaupt keine Sorgen, dass wir das Rückspiel nicht gewinnen.“