Nach Trainer-Rauswurf

Die Posse um Skibbe und Hertha-Manager Preetz

Michael Skibbe ist der vierte Trainer, den Manager Michael Preetz in zweieinhalb Jahren wegschickt. Als Nachfolger sind zwei frühere Hoffenheimer im Gespräch. Lars Wallrodt über das Hertha-Chaos. Ein Kommentar.

Foto: pa/dpa / pa/dpa/Arno Burgi, Soeren Stache (2), Marc Tirl

Es gibt Nachrichten, die so skurril sind, dass das Gehirn sein zunächst in der Kategorie „Schlechter Scherz“ abhaken will. „Hertha entlässt Michael Skibbe“ gehört dazu. Da funkt das Kleinhirn an das Großhirn: „Wie bitte? Skibbe wurde doch erst im Winter verpflichtet. Saß erst bei vier Bundesligaspielen auf der Bank. Information sofort überprüfen.“ Doch dann stellt sich heraus: Es stimmt. Und dann bleibt nur noch die Entscheidung zu treffen, ob man lachen oder ungläubig den Kopf schütteln will.

Selten hat die Bundesliga eine größere Posse produziert als diese. Im Dezember schmiss Hertha-Manager mit Riesengetöse Skibbes Vorgänger Markus Babbel raus – vordergründig, weil ihm ein klares Bekenntnis zum Klub fehlte. Der sportlich erfolgreiche Coach wurde ersetzt durch jemanden, der gegen Ablöse vom türkischen Klub Eskisehirspor losgeeist werden musste. Jemand, der zuvor wenig überzeugend in der Bundesliga bei Bayer Leverkusen und Eintracht Frankfurt gearbeitet hatte. Aber bitte: Wenn diese Entscheidung pro Skibbe alle Instanzen bei Hertha durchlaufen hat, dann lasst den Mann arbeiten. Wenn allerdings nach nur fünf Spielen (inklusive des Pokalspiels gegen Gladbach) diese vermeintlich souveräne Entscheidung revidiert werden muss, kann das kein singulärer Akt bleiben.

Die Entlassung von Skibbe bedarf weiterer Schritte. Die Verantwortlichen für diese Verpflichtung müssen ebenfalls Rechenschaft ablegen. Da ist zuvorderst Michael Preetz, der 2009 den Posten von Dieter Hoeneß übernahm und sofort in die Zweite Liga abstieg. Er feuerte Lucien Favre, stellte Abstiegstrainer Friedhelm Funkel ein und trennte sich im Dezember in unrühmlicher Weise von Markus Babbel. Da fragt sich der geneigte Beobachter doch: Wie viele Fehler darf ein Manager machen? Und kommt zur Erkenntnis: Preetz sollte mitgehen!

Doch das wiederum würde den Blick freigeben auf Präsident Werner Gegenbauer, der hinter Preetz steht. Jener Gegenbauer, der vor dem Abstieg 2010 von „einer temporären sportlichen Delle“ sprach. Mittlerweile macht der Klub den Eindruck eines Kleinwagens nach einer Massenkarambolage, verbeult und nahezu fahruntüchtig. Dass Michael Skibbe nicht der einzige Verursacher des Unfalls ist, dürfte klar sein. Die Frage ist: Wer zieht die anderen Crashpiloten aus dem Verkehr?