Nach 0:5-Niederlage

Hertha BSC entlässt Trainer Michael Skibbe

Fußball-Bundesligist Hertha BSC trennt sich von Trainer Michael Skibbe. Rund 200 Fans machten am Vormittag auf dem Vereinsgelände ihrer Verärgerung über die Leistung der Mannschaft Luft.

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Hertha BSC zieht die Notbremse: Nach nur fünf Spielen ­ einmal Pokal und viermal Liga - ist die Mission von Trainer Michael Skibbe beim Hauptstadtklub bereits gescheitert. Nach fünf Niederlagen teilte der Verein dem Coach am Vormittag die Trennung mit. Das bestätigte zuerst der Kapitän des Berliner Fußball-Bundesligisten, André Mijatovic. Die Mannschaft sei vor dem Training darüber informiert worden, sagte er.

Am Sonntagvormittag machten auch Hertha-Fans ihrer Unzufriedenheit mit der Leistung der Mannschaft Luft. Zum Abschluss des Trainings liefen rund 200 Anhänger auf das Vereinsgelände nahe dem Olympiastadion und hielten einen Schweigemarsch ab. Sie beachteten Anweisungen von Ordnern nicht und näherten sich den Hertha-Spielern, die sich zum Auslaufen getroffen hatten, um diese zum Dialog aufzufordern. Die Fans folgten den Spielern stumm im Abstand von rund 300 Metern. Nach wenigen Minuten kehrten die Profis wieder in das Klubhaus zurück. Dann versammelten sich die Anhänger vor der Kabine und warteten auf den Rest des Teams.

Videosequenzen vom Schweigemarsch:

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Nach Herthas blamablen 0:5 beim VfB Stuttgart hatte Manager Michael Preetz bereits jedwedes Bekenntnis zum Trainer vermissen lassen und eine schonungslose Analyse angekündigt. Der selbst in die Schusslinie geratene Preetz, der mit Lucien Favre, Friedhelm Funkel, Markus Babbel und Michael Skibbe bereits den vierten Trainer in zweieinhalb Jahren entlassen hat, versucht mit dem Rauswurf nun – auch in eigenem Interesse - den letzten Befreiungsschlag. Denn ein Abstieg der Hertha würde unweigerlich auch das Aus für ihn bedeuten. Denn das Votum der Mitgliederversammlung im Mai wäre eindeutig.

Skibbe war erst im Dezember 2011 als Nachfolger des Aufstiegstrainers Markus Babbel vom türkischen Erstligisten Eskisehirspor verpflichtet worden. Hertha zahlte sogar eine Ablösesumme. Dabei hatte Vorgänger Babbel in der Bundesliga-Hinrunde immerhin 20 Punkte mit den Berlinern geholt, jedoch jedes Interesse an einer Vertragsverlängerung vermissen lassen. Preetz deutete dies als Vertrauensbruch, Babbel musste noch vor Weihnachten gehen.

Mit dem ehemaligen Bundestrainer Skibbe sollte zumindest ein Mittelfeldplatz gesichert werden - ein nun komplett gescheitertes Unternehmen. Skibbe verlor die Bundesligaspiele gegen Nürnberg, Hannover, Hamburg und Stuttgart, schied zudem im DFB-Pokal-Viertelfinale gegen Borussia Mönchengladbach aus. Null Punkte, 1:12 Tore ­ diese katastrophale Bilanz mitten im Abstiegskampf machte die Trennung zwingend nötig.

Fraglich ist noch, wer als Interimstrainer fungieren wird. Vieles deutet auf den ehemaligen Profi Rene Tretschok hin, der momentan im Hertha-Nachwuchs tätig ist.

Neuer Cheftrainer könnte der unter der Woche in Hoffenheim entlassene Holger Stanislawski werden, den Preetz bereits im Dezember kontaktierte, sich dann aber doch für Skibbe entschied. Dass der ehemalige Hertha-Trainer Hans Meyer, Ralf Rangnick oder Michael Oenning die auf Schlagseite liegende Hertha wieder auf Kurs bringen könnten, ist Spekulation. In jedem Fall ist mit der Entlassung von Skibbe auch die Luft für Manager Preetz dünner geworden. Der neue Trainer ist seine letzte Patrone.