Vertrag verlängert

Klopp beweist Borussia Dortmund seine Liebe

Trainer Klopp verlängert wie Manager Zorc seinen Vertrag. Somit verzichtet er erstmal auf die Möglichkeit, Nachfolger von Löw zu werden oder zu Bayern zu wechseln.

Am Ende ging es sehr schnell. Nach einem Sponsorenempfang am Sonntagabend zogen sich Hans-Joachim Watzke, Michael Zorc und Jürgen Klopp kurz zurück und besiegelten eine Vereinbarung, die eine große Signalwirkung für Borussia Dortmund haben dürfte.

In einem Nebenraum des ehemaligen Wasserpumpwerks, in dem mittlerweile ein Restaurant und ein Kulturzentrum untergebracht sind, verpflichteten sich Sportdirektor Zorc und Trainer Klopp, bis zum 30. Juni 2016 beim aktuellen Deutschen Meister zu arbeiten. Beide verlängerten ihre noch bis 2014 laufende Verträge vorzeitig um zwei weitere Jahre.

„Es ist unsere große Stärke, so etwas unter Ausschluss der Öffentlichkeit auf den Weg und zu einem Abschluss zu bringen“, sagte Watzke. Der Vorsitzende der Geschäftsführung beim Tabellenzweiten hält dies zwar bei seinen Klub, nicht aber für die Branche allgemein für selbstverständlich.

Watzke hat freie Hand

Diskretion sei ja bei Entscheidungen von so einer Tragweite in der Liga „nicht immer ganz einfach“, sagte Watzke. Doch die schlanke Struktur des BVB macht es möglich: Auch bei entscheidenden Personalfragen und Vertragsabschlüssen von großem Finanzvolumen hat Watzke freie Hand, kann schnell und geräuschlos handeln.

Trotzdem war Watzke auch persönlich sehr erfreut, dass mit Klopp eine so schnelle Einigung herbeigeführt wurde. Es sei ja kein Geheimnis, dass es „viele Interessenten“ für den 44-jährigen Coach gebe, sagte Watzke. Immer wieder war Klopp sowohl als Nachfolger von Joachim Löw bei der Nationalmannschaft und als potenzieller Trainer des FC Bayern gehandelt worden.

Ersteres war ohnehin unwahrscheinlich, da Klopp zumindest in der nächsten Zukunft noch als Vereinscoach arbeiten wollte. Letzteres jedoch hatte auch der Trainer, der zwei Millionen Euro verdienen soll, selbst lange Zeit als möglichen, wenn auch nicht genau zu terminierenden kommenden Karriereschritt angesehen.

Nachhaltigkeit ist das Ziel

Doch die Perspektiven haben sich nicht zuletzt dank Klopps erfolgreicher Arbeit etwas verschoben. Meistertitel, das hat die vergangene Saison gelehrt, sind auch in Dortmund möglich. Und mittlerweile erscheint auch dauerhafter sportlicher Erfolg im Ruhrgebiet planbar zu sein.

„Was wir in den letzten dreieinhalb Jahren zusammen auf die Beine gestellt haben, war sehr positiv, aber sicherlich auch etwas überraschend“, kündigte Watzke an, den BVB mit Klopp und Zorc nachhaltig in der nationalen Spitze etablieren zu wollen: „Jetzt ist unser Thema, mit Hochdruck daran zu arbeiten, diesen Verein und diese Mannschaft weiter zu entwickeln.“

Als Angriff auf die Bayern will er das nicht verstanden wissen. Es wäre auch unnötig, wenn Watzke sich selbst in dieser Richtung äußern würde. Die Signale sind mehr als eindeutig: Erst die Verpflichtung von Marco Reus , der für 17,5 Millionen Euro im Sommer aus Mönchengladbach kommt und an dem auch die Bayern interessiert waren, nun die Bindung von Klopp – der BVB ist gerade dabei, sich auch auf längere Sicht als ernsthafter Konkurrent des Branchenführers zu etablieren.

„Ich habe das Glück, bei einem großartigen Verein arbeiten zu dürfen“, sagte Klopp und sprach von einem Ausdruck des Vertrauens, dass der Klub mit ihm und seinen Co-Trainern Zeljko Buvac und Peter Krawietz, deren Kontrakte ebenfalls bis 2016 verlängert worden sind, für „einen so langen Zeitraum zusammenarbeiten will. Wir wissen das zu schätzen.“ Damit sei für ihn die Basis, bei der Gestaltung einer erfolgreichen Zukunft dabei zu sein, gelegt worden, sagte Klopp.

Ebenso wichtig für die strategische Ausrichtung ist die Kontinuität im Management. Mit Zorc, der 1978 als Jugendspieler zum BVB gekommen war und seit 1998 administrativ für den Klub tätig ist, wurde auch ein weiterer Architekt der jungen Mannschaft bis 2016 gehalten.

„Ich freue mich, den sportlichen Weg des BVB weiter mitgestalten zu können“, erklärte der 49-Jährige, der sich nun wie Watzke auch ein zügiges Vorankommen bei weiteren Personalfragen erhofft: Ob Shinji Kagawa, dessen Vertrag 2013 ausläuft oder Mario Götze, der noch bis 2014 gebunden ist – Zorc hatte bereits Gespräche mit den umworbenen Spielern angekündigt.

Zeichen an die Konkurrenz

Die getroffenen Entscheidungen sind nicht nur ein Zeichen an die Konkurrenz, sondern auch an die eigenen Spieler, bestätigte Watzke: „Und natürlich auch an unsere sechs bis sieben Millionen Fans. Sie sollen wissen, dass bei uns langfristig gedacht und gearbeitet wird.“

Borussia Dortmund, das mit zwei Siegen und 8:2 Toren in die Rückrunde gestartet ist und derzeit punktgleich mit den Bayern auf Rang zwei der Bundesligatabelle steht, hat durch die positiven Schlagzeilen der vergangenen Woche sicher auch weiteren Rückenwind für die aktuelle Saison bekommen.

In der haben Watzke, Zorc und Klopp ohnehin noch viel vor. „Unsere volle Konzentration gilt unserem Auswärtsspiel am Samstag in Nürnberg“, sagte Watzke am Montag. Deshalb werden die erfolgreichen Weichenstellungen auch nicht groß gefeiert.