Nationalmannschaft

"Selbst bei Miroslav Klose ist kein Ende abzusehen"

Nach der Qualifikation zu EM 2012 ist die Erwartungshaltung hoch. Bundestrainer Löw sieht in der DFB-Elf noch genug Potenzial, um jegliche Ansprüche zu erfüllen.

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Bundestrainer Joachim Löw sieht seine Mannschaft als Mitfavourit auf den EM-Titel 2012. Für ein Scheitern hat der 51-jährige jedoch vorgebaut:"Dies ist kein Alles-oder-nichts-Jahr. Davon sind wir weit entfernt. Die Mannschaft ist noch so jung, ihre Entwicklung hat erst begonnen. Egal wie die EM ausgeht: Man muss keinen Umbruch einleiten. Das wird gut weitergehen", sagte Löw in ungewohnte Deutlichkeit vier Monate vor dem Turnier bei den DFB-Marketingtagen.

Die DFB-Auswahl sei in den vergangenen Jahren "so stark geworden und hat so große Schritte in die Weltspitze gemacht. Dieser Weg ist nicht zu Ende“, betonte der DFB-Coach zum Ende der DFB-Marketingtage der Nationalmannschaft am Montag in München angesichts von vielen aufstrebenden jungen Profis in seinem Kader.

"Die Sehnsucht ist sehr groß"

Spieler wie Mario Götze (19), Mesut Özil und Mats Hummels, beide 23, oder Toni Kroos (22) könnten auch 2022 noch spielen, "aber auch Philipp Lahm oder Bastian Schweinsteiger sind bis 2014 oder 2016 dabei. Und selbst bei Miroslav Klose ist derzeit kein Ende abzusehen“, führte Löw weiter aus. Lahm ist derzeit 28, Schweinsteiger 27 und Klose 33 Jahre alt.

Dass sein Team nach WM-Platz drei sowie glanzvollen Auftritten in der EM-Qualifikation und in einigen Länderspielen vor der EM in Polen und der Ukraine (8. Juni bis 1. Juli) zu den Topfavoriten gehört, ist dem 51-Jährigen aber schon bewusst. "Wir leben damit und haben auch große Ziele. Wir wollen soweit wie möglich kommen“, verdeutlichte er einmal mehr.

Zuletzt hatte er bereits davon gesprochen, dass "die Sehnsucht“ nach dem ersten Titel für eine DFB-Auswahl seit 1996 "sehr groß“ sei.

Inzwischen sei auch sein Team "in ihrer geistigen Haltung weiter als 2010. Wir können die Rolle besser annehmen“, so Löw: "Wir werden daran nicht zerbrechen.“ Lahm, Schweinsteiger und Co. würden durch den großen Druck "nicht nervöser“. "Großer Favorit“ auf den EM-Titel ist für Löw jedoch nach wie vor Spanien, aber man dürfe auch die Niederlande, Portugal, England und Italien nicht vergessen.

Erstes Zusammentreffen im Jahr 2012

Bei Foto-Shootings im Park Hilton Hotel und TV-Drehs in den Bavaria-Filmstudios versammelte Löw am Sonntag und Montag in München die Nationalmannschaft erstmals in diesem Jahr um sich. Dabei stellte er erfreut fest, "dass die Stimmung wie im letzten Jahr weiterhin extrem gut ist. Die Spieler haben unglaublich viel Spaß und sehen sich auch trotz des Konkurrenzkampfes in der Bundesliga sehr gerne“.

Zeit für eine grundlegende Ansprache hatte es angesichts eines voll gepackten Terminplans allerdings nicht gegeben. Allerdings will Löw diese vor dem ersten Länderspiel des Jahres am 29. Februar in Bremen gegen Frankreich nachholen: "Da werde ich die Mannschaft noch einmal in Ruhe darauf einstimmen, was ich von ihr in den kommenden Monaten erwarte.“

Dem einzigen Test vor der Nominierung des EM-Kaders gegen Frankreich möchte Löw nicht überwerten. "Wichtig ist die Vorbereitung im Mai. Wir haben unabhängig von diesem Spiel eine gute Basis“.

Nicht am Treffen teilnehmen konnten die Auslandslegionäre Per Mertesacker und Miroslav Klose, die im normalen Spielbetrieb waren, sowie der verletzte Sami Khedira, der in Madrid ein spezielles Fitnesstraining absolvierte. Lukas Podolski, der sich einer Kernspintomographie in Köln unterzog, blieb ebenfalls fern.

"Auf allen Positionen gut besetzt"

An Überraschungen im EM-Aufgebot glaubt der Bundestrainer nicht: "Das wird schwierig. Wir sind auf allen Positionen gut besetzt. Wir haben 25 bis 30 Spieler in unseren Köpfen. Daraus wird sich der Kreis zusammensetzen.“

Keine Sorgen macht er sich, dass derzeit wichtige Spieler wie Lukas Podolski oder Mario Götze ausfallen: "Wir haben jetzt Ende Januar, da habe ich keine Panik, wenn sich einer verletzt.“ Vielmehr mache er sich Gedanken über einzelne Defizite einzelner Spieler, die EM-Gegner und Trainingsinhalte.

Er würde zwar nicht permanent an die EM denken, meinte Löw, "aber gerade bei uns Trainern steigt doch die Spannung von Woche zu Woche“.

Kein Vierkampf in der Bundesliga

Sehr spannend verläuft derzeit auch das Titelrennen in der Bundesliga. Doch an einen Vierkampf bis zum Schluss glaubt Löw nicht. Schalke 04 und Borussia Mönchengladbach traut der Bundestrainer derzeit nicht zu, Bayern München und Borussia Dortmund im Meisterrennen gefährden zu können.

"Bei allem Respekt vor Schalke. Auch Gladbach überzeugt mich und hat einen immensen Sprung gemacht. Aber ich denke, dass beide Teams am Ende froh und glücklich sind, wenn sie die Champions League erreichen. Ich glaube, dass sich Bayern und Dortmund leicht entfernen werden“, sagte der Bundestrainer.

Rekordmeister Bayern und der aktuelle Titelträger Dortmund würden "qualitativ etwas über den beiden anderen Vereinen stehen. Und sie wollen mit aller Vehemenz Meister werden.“