Fussball

Sammer rät Ballack zu schnellem Abschied

DFB-Sportdirektor Matthias Sammer hat Michael Ballack zu einem Abschied bei Bayer Leverkusen geraten

Demontage auf Raten oder sofortiger Abschied? Auf der Zielgerade seiner Karriere droht Michael Ballack auch in der Fußball-Bundesliga ein unwürdiger Abschied. Für Matthias Sammer gibt es keine Alternative für den 35-Jährigen von Bayer Leverkusen, der sich mit seinem ungeschickten Auftreten ins Abseits manövriert hat und am vergangenen Samstag in Bremen 90 Minuten auf der Ersatzbank des Werksklubs geschmort hatte.

„Meine private Meinung ist klar: Wenn du noch ein bisschen Fußballer bist, musst du sofort weggehen von Bayer Leverkusen. Michael kann nicht gewinnen in der Diskussion, und dann wird sich etwas festsetzen, was für Michael nur negativ sein kann“, sagte DFB-Sportdirektor Sammer bei Sky90. Europas Fußballer des Jahres von

1996 gibt „Balle“ folgenden freundschaftlichen Rat: „Michael muss an seine Zukunft denken und souveräner wirken. Ob zu Recht oder nicht, er hat ein total negatives Erscheinungsbild. Das muss er ändern, das kann nur er.“

Ob Ballack dazu allerdings bereit ist, erscheint mehr als fraglich. Die Bayer-Führung um Wolfgang Holzhäuser und Rudi Völler hatte vergangene Woche vergeblich versucht, auf den eigenwilligen Starspieler einzuwirken, nachdem Ballack nach seiner Auswechslung im Mainz-Heimspiel Trainer Robin Dutt mit seiner Reaktion bloßgestellt hatte.

„Wir haben ihn gebeten, in einem Interview einige Dinge klarzustellen. Er hat Bereitschaft signalisiert - zumindest nicht abgelehnt. Am nächsten Tag hat er dann abgelehnt. Ich fühlte ich mich schon bemüßigt, meiner Enttäuschung Luft zu machen“, berichtete Holzhäuser, der daraufhin das „Projekt Ballack“ in den Medien für gescheitert erklärt hatte. Auf die Frage bei der Sky-Diskussionsrunde, ob er heute noch mal Ballack verpflichten würde, meinte der Bayer-Boss: „Wenn ich damals gewusst hätte, was ich heute weiß, hätte ich es mir sehr gut überlegt!“

Fakt ist, dass der Vizemeister nicht abgeneigt wäre, Ballack noch vor Ende der Transferperiode am Dienstag (31. Januar) los zu werden. Allerdings dürften die Interessenten kaum Schlange stehen, denn wer holt sich schon freiwillig einen Problemfall ins Haus...

Sammer hat bei Ballack, dessen Nationalmannschaftskarriere unter unschönen Begleitumständen zu Ende ging, ein Problem in der Außendarstellung festgestellt. „Wenn du unter Druck bist, musst du selbst reden bevor andere über dich reden“, sagte der 44-Jährige: „Du musst die Dinge glaubwürdig erklären, das hat er schon verpasst bei unserer Nationalmannschaft.“ Der Zwist mit Joachim Löw war schließlich eskaliert und Ballack hatte den Bundestrainer der Lüge bezichtigt.

Der Nationalcoach sagte am Rande der Marketingtage in München über den Fall Ballack: „Das ist nicht mein Thema, ich äußere mich nicht dazu.“ Auf die Frage, wie es mit der angedachten Versöhnung mit dem ehemaligen DFB-Kapitän aussehe, äußerte Löw: „Da gibt es keinen neuen Stand.“

In der vergangenen Woche hatte nur sein Ballack-Berater Michael Becker gesprochen und seinen Schützling in einem SID-Interview als „Bauernopfer“ bezeichnet. „Michael ist kein Bauernopfer“, entgegnete Holzhäuser nun. Die Zeiten, dass Ballack vor allem von Ex-DFB-Teamchef und Bayer-Sportchef Völler geschützt wurde, sind ebenfalls vorbei.

Das Tischtuch mit dem Weltmeister von 1990 und dem Bayer-Star ist zerschnitten, seit Ballack die Bemühungen von „Rudi Nazionale“, dem Mittelfeldstar mit einem Abschiedsspiel in Leverkusen einen ehrenvollen Abgang zu verhelfen, als persönliches Anliegen lapidar abgetan hatte.

Leverkusens Ex-Nationalspieler Carsten Ramelow befürchtet, dass die Schlammschlacht bei Bayer noch weitreichende Folgen haben wird. „Wolfgang Holzhäusers Aussagen werden sehr nachhaltige Konsequenzen haben und dafür sorgen, dass das Ballack-Thema Leverkusen die gesamte Rückrunde beschäftigt“, äußerte Ramelow bei Spox.