Vorfreude statt Druck

Gegen Bayern will der HSV "Bonus-Punkte" holen

Nach großen Tönen zum Rückrundenstart gibt sich der HSV jetzt bescheidener. Gegen den FC Bayern nimmt das Team bereitwillig die Außenseiterrolle an.

Foto: dpa / dpa/DPA

Große Klappe, nichts dahinter, so lautete das Urteil, das nach dem ersten Spieltag der zweiten Hälfte dieser Bundesligasaison in Fußball-Deutschland über den HSV gefällt worden war. Die Hamburger Verantwortlichen und Profis hatten schließlich keine Gelegenheit ausgelassen, um ihre Ambitionen im Hinblick auf die Rückrunde zum Ausdruck zu bringen. Eine Aufholjagd wollten sie starten, die am Ende in der Qualifikation für den internationalen Wettbewerb gipfeln sollte – und zum Auftakt, so hieß es, würden sie im Volkspark den Meister stürzen.

Bruchlandung zum Start, Befreiungsschlag in Berlin

Das Ergebnis ist bekannt: Der HSV wurde von Borussia Dortmund (1:5) nicht nur besiegt, es war eine Demontage. Thorsten Fink und seine Mannschaft stießen sich nicht zu einem Höhenflug ab, sondern legten eine Bruchlandung hin, die allen die Sinne schärfte. Denn vielleicht war es mit etwas Abstand betrachtet sogar ein heilsamer Schock, durch die herbe Klatsche im Duell mit einem absoluten Spitzenteam auf Normalmaß zurechtgestutzt worden zu sein.

Der Trainer bekräftigte, dass es im weiteren Verlauf vordergründig darum gehe, den Abstieg zu verhindern: „Das ist unser Auftrag in dieser Saison.“

Am vergangenen Sonnabend zeigte der HSV in Berlin eine „positive Reaktion“, wie Fink erleichtert feststellte. Bei Hertha BSC (2:1) gelang ein Befreiungsschlag und der Sprung von Platz 14 auf Rang elf der Tabelle. Der Vorsprung auf die Abstiegszone beträgt nun vier Punkte, der Rückstand auf einen Europapokalplatz acht Zähler. Doch davon spricht im Volkspark keiner mehr. „Wichtig ist, dass wir uns stabilisieren, dass wir weiter Vertrauen in die eigene Klasse aufbauen“, sagte Fink, der überzeugt ist, dass sich seine Truppe mit einem Großteil der Konkurrenz auf Augenhöhe messen kann: „Aber wir sind keine Champions-League-Mannschaft.“

HSV verzichtet auf Säbelrasseln

Aus den Erfahrungen des Spiels gegen Dortmund – Stichwort: Anspruch und Wirklichkeit – haben die Hamburger ihre Lehren gezogen. Auf vollmundige Ankündigungen in Form eines verbalen Säbelrasselns wird im Hinblick auf das Duell mit Spitzenreiter FC Bayern am Sonnabend in der Imtech-Arena verzichtet. Der HSV nimmt bereitwillig die Außenseiterrolle an. „Wir müssen uns nicht mit München messen. Sie sind der Topfavorit – und wir schauen mal, ob es uns gelingt, ihnen ein Bein zu stellen“, sagte Fink, der bei der Rückschau einen Fehler eingesteht: „Auch ich habe von meiner Mannschaft zu viel erwartet.

Das hat vielleicht dazu geführt, dass meine Spieler gegen Dortmund nach dem einen oder anderen Fehler in der Anfangsphase sehr verkrampft haben.“

Angreifer Mladen Petric bestätigte den Eindruck seines Trainers, ohne den Fehler bei den Vorgesetzten zu suchen. „Ich denke, dass wir uns im Vorfeld des Dortmund-Spiels selbst zu sehr unter Druck gesetzt und zu viel von uns erwartet haben. Nach der positiven Entwicklung in der Hinrunde und dem guten Gefühl nach der Vorbereitung auf die Rückrunde dachten wir, dass es so weiterläuft. Aber es lässt sich eben nicht alles genau so umsetzen, wie wir uns das vorstellen. Das ist ein Prozess, der längst noch nicht abgeschlossen ist, das müssen wir uns hart erarbeiten“, sagte Petric und forderte seine Kollegen dazu auf, „mit Spaß“ an die Herkulesaufgabe gegen den FC Bayern heranzugehen: „Da haben wir nichts zu verlieren.“

Vorfreude statt Druck – dieses Motto hat auch Frank Arnesen im Hinblick auf den Auftritt des Münchner Starensembles im Volkspark ausgerufen. „Durch den Sieg in Berlin haben wir nach zwei Rückrundenspielen schon zwei Punkte mehr als in der Hinrunde nach sechs Spielen. Ich freue mich auf die Bayern, das ist eine große Herausforderung, die wir mit Vertrauen und Lockerheit angehen können“, sagte der Sportdirektor. „Da geht es für uns um Bonuspunkte.“