Handball

Kapitän Pascal Hens verlässt Nationalmannschaft

Nach der EM-Pleite verkündet der Kapitän der Handball-Nationalmannschaft seinen Rücktritt. HSV-Spieler Lindberg hat hingegen Grund zur Freude.

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Vor der Europameisterschaft in Serbien hatte Pascal Hens noch einen dezenten Bogen um die Endgültigkeit eines Abschiedes aus der deutschen Handball-Nationalmannschaft gemacht. „Wenn wir es nicht nach London zu den Olympischen Spielen schaffen sollten, wird mein Körper erst mal seine Ruhe brauchen“, hatte der 31 Jahre alte Kapitän der Auswahl des Deutschen Handball-Bundes (DHB) gesagt. Er sprach von „erst mal“, das ließ die Möglichkeit einer Auszeit vom Nationalteam offen – ganz so, wie es Torhüter Johannes Bitter, sein Teamkollege beim HSV Handball, seit einem Jahr praktiziert. Am Tag nach dem Finale in Belgrad, das in Dänemark einen würdigen Europameister fand, war alles definitiv. Pascal Hens beendet nach 199 Länderspielen und 565 Toren seine Karriere in der deutschen Nationalmannschaft.

Olympia war sein großer Traum

Die Zahl von 199 Einsätzen besitzt Symbolkraft. Etwas fehlt in der Karriere des Rückraumspielers. Olympia war Hens’ großer Traum, sein Schwung und Antrieb für die EM. Bei den Spielen in Athen 2004 und Peking 2008 war er verletzt gewesen. Olympia wird für ihn immer eine Unvollendete bleiben. Die Spiele in London (27. Juli bis 12. August) wird er allenfalls als Tourist erleben können, da es dem deutschen Team bei der EM misslang, sich einen Platz für ein Olympia-Qualifikationsturnier im Frühjahr zu ergattern. "Mit dem Verpassen der Olympischen Spiele hat sich für mich das Thema Nationalmannschaft erledigt. Nach elf Jahren Handball ohne Pausen im Verein und der Nationalmannschaft muss ich meinem Körper Erholungsphasen geben. Ich werde bald 32 Jahre alt, und ich will noch einige Jahre im Verein spielen.

Da bleibt mir keine andere Wahl", sagte Hens, der im März 2001 sein Debüt im Nationalteam gab. Seine größten Erfolge waren der Gewinn der EM 2004 in Slowenien und der Triumph bei der WM 2007 in Deutschland.

Die EM in Serbien verlief für ihn hingegen miserabel. Hens war nur noch ein Schatten früherer Tage. Nach einer schwachen Leistung im Auftaktspiel gegen Tschechien (24:27) war der Kapitän danach nur noch ein Ergänzungsspieler, der sporadisch zu Kurzeinsätzen kam. Und die verliefen deprimierend. Ihm kam während des Turniers das Selbstbewusstsein in einem solchen Maß abhanden, dass nicht zu erkennen war, wie lange er bereits auf internationalem Topniveau gespielt hat. In der Partie gegen Dänemark (26:28) war für Hens nach 22 Minuten und zu vielen technischen Fehlern Schluss. Sein Spiel fasste er danach mit dem Wort "Scheiße!" ziemlich treffend zusammen.

Freud und Leid liegen beim HSV dicht beieinander

Bundestrainer Martin Heuberger bedauerte Hens’ Entscheidung. "Schade, dass ,Pommes‘ sich zu diesem Schritt entschlossen hat. Er hat die Kapitänsrolle in unserer Mannschaft vorbildlich ausgefüllt. Aber ich habe auch vollstes Verständnis für seine Entscheidung und wünsche ihm im Verein alles Gute", sagte Heuberger. DHB-Vizepräsident Horst Bredemeier lobte Hens’ Verdienste. "Der deutsche Handball hat Pascal Hens eine Menge zu verdanken. Wir werden ihm einen würdigen Abschied bereiten."

Freud und Leid bei der EM lagen aus Sicht der sieben HSV-Profis, die mit ihren Nationalteams in Serbien dabei waren, dicht beieinander. Während Hens als auch die Brüder Guillaume und Bertrand Gille, die angesichts des schwachen Abschneidens Frankreichs gleichfalls Kandidaten auf einen Rücktritt aus dem Nationalteam sind, zu den Verlierern zählten, gab es auch vier Gewinner. Hans Lindberg erlebte am Sonntag mit dem dänischen Nationalteam im Endspiel gegen Gastgeber Serbien (21:19) den totalen Rausch. Am Gewinn von EM-Gold hatte Lindberg einen großen Anteil. Der 30 Jahre alte Rechtsaußen hatte im Hauptrundenspiel gegen Mazedonien zwei Sekunden vor Ende das 33:32 erzielt – damit hielt er Dänemark im Turnier. "Am Anfang lief für uns fast alles schief, am Ende war alles perfekt", sagte Lindberg.

Das kroatische Trio aus Hamburg holt Bronze

Für das kroatische Trio des HSV – Blazenko Lackovic, Igor Vori und Domagoj Duvnjak – endete das Turnier mit dem Gewinn der Bronzemedaille. "Wir sind nach der Niederlage im Halbfinale gegen Serbien psychisch völlig abgestürzt. Ich hätte nicht gedacht, dass wir wieder so aufstehen. Wir haben gezeigt, dass wir echte Freunde sind", sagte Vori nach dem 31:27 gegen Spanien im Spiel um Platz drei. Die vier Medaillengewinner werden am Mittwoch wieder am Training des HSV Handball teilnehmen.

Derweil steht die Suche nach einem neuen Trainer unmittelbar vor dem Abschluss. Talant Duschebajew, der Coach von Atletico Madrid, wird den Meister in der kommenden Saison trainieren. Er traf sich am Wochenende mit Andreas Rudolph, dem Hauptgesellschafter des Vereins, und Präsident Martin Schwalb im österreichischen Ischgl. Gegenüber dem Radiosender NDR 90,3 bekräftigte Duschebajew sein Interesse. "Wir haben dort darüber geredet, was sie meinen und was ich meine. Für mich ist das sehr schön, dass eine solch starke Mannschaft wie der HSV an mich gedacht hat. Ich bin hundertprozentig zufrieden", sagte Duschebajew. Er wird vermutlich noch in dieser Woche vom HSV als zukünftiger Trainer präsentiert werden.