Fussball-Bundesliga

Stanislawski, Skibbe und Solbakken – Trainer in Not

Die Trainer Michael Skibbe, Stale Solbakken und Holger Stanislawski tun sich überraschend schwer bei ihren Missionen in Berlin, Köln und Hoffenheim.

Foto: pa/dpa (3) / pa/dpa (3)/Daniel Karmann, Marc Tirl, Rainer Jensen

Michael Skibbe mochte nicht lange reden. Also beließ er es bei einer kurzen, prägnanten Ansprache, um seine Spieler am Sonntagmorgen wissen zu lassen, worauf es ihm jetzt ankommt – auf Taten. Und weil die bei Hertha BSC nach zwei Niederlagen zum Rückrundenstart der Fußball-Bundesligasaison mehr denn je gefordert sind, strich der Trainer den freien Montag und setzte eine Übungseinheit an.

„Ich bin sehr enttäuscht vom Auftritt meiner Mannschaft. Was wir in der ersten Hälfte gezeigt haben, war weit unter dem Bundesligaschnitt“, kommentierte Skibbe das 1:2 (0:2) gegen den Hamburger SV, nachdem sein Team in der Woche zuvor 0:2 beim 1. FC Nürnberg verloren hatte.

In der Winterpause hatten die Berliner Michael Skibbe verpflichtet, nachdem sie sich zuvor aufgrund interner Querelen von Markus Babbel getrennt hatten. Doch als Skibbe das Amt übernahm, steckte Hertha sportlich nicht in der Krise. Nun aber ist der Puffer zur Abstiegszone verspielt – nur noch zwei Punkte trennen das Team vom Relegationsplatz 16, den derzeit der 1. FC Kaiserlautern einnimmt.

Doch Skibbe, der Neue, ist mit meinen Sorgen nicht allein. Zwei Kollegen, die bereits zu Saisonbeginn mit großen Erwartungen den Arbeitsplatz gewechselt hatten, stehen vor ähnlichen Problemen.

Da wäre Stale Solbakken, unter dem der 1. FC Köln zur Schießbude der Liga mutiert und nach dem 1:4 (1:0) gegen Schalke nun schon 40 Gegentore verzeichnet. Und da ist Holger Stanislawski , der im Sommer 2011 von St. Pauli zu 1899 Hoffenheim gewechselt war, um dem darbenden Verein neues Leben einzuhauchen. Das Team steht zwar auf dem achten Platz , spielt aber ohne Esprit.

Der war dem 1. FC Köln zumindest in der ersten Hälfte gegen Schalke nicht abzusprechen. Lukas Podolski brachte eine furios aufspielende Mannschaft nach vier Minuten in Führung, ehe diese nach der Pause überrollt wurde. Torhüter Michael Rensing nannte es das „typische 1. FC Köln-Syndrom. Wir sind auseinandergefallen und in alle Einzelteile zerlegt worden“.

Drei Punkte vom Relegationsplatz entfernt

Nach 19 Spieltagen liegt der FC drei Punkte vom Relegationsplatz entfernt. Und Trainer Stale Solbakken, der im Sommer aus Kopenhagen gekommen war, weiß, was ihn nun erwartet. Er hatte schon vor dem Spiel gesagt, „dass es Theater geben kann“, wenn seine Mannschaft gegen Schalke verlieren würde.

Nach der zehnten Saisonniederlage ist die Stimmung in Köln am Tiefpunkt. Und das ist auch Michael Schumacher nicht entgangen. Der Formel-1-Pilot und bekennende FC-Fan ging nach dem Abpfiff in der Kabine der Kölner und richtete aufmunternde Worte an die Spieler. Jene wissen, was die Stunde geschlagen hat.

„Wer die Tabelle lesen kann, sieht, dass wir in einer Zone angekommen sind, wo es zwingend notwendig ist, mal wieder zu punkten“, sagte Christian Eichner. Da wiegt es schwer, dass Podolski wegen einer Bänderverletzung im Sprunggelenk rund vier Wochen fehlen wird . Er forderte nach der Niederlage, dass der FC endlich anders auftreten müsse.

Das findet auch Jan-Age Fjörtoft. Auf die Frage, ob er sich Sorgen um den 1. FC Köln mache, antwortete der Sky-Experte und frühere Stürmer: „Ja. Ich verstehe nicht, was los ist. Stale Solbakken hat in seiner Trainerkarriere immer eine sichere Abwehr gehabt.

Und auch die Situation zwischen Sportdirektor und Trainer verstehe ich nicht. Ich weiß, dass der Trainer Volker Finke nie einen Sportdirektor Finke akzeptiert hätte. Und das macht mir große Sorgen.“ Ohnehin wirkte das Verhältnis zwischen beiden zuletzt belastet, weil Solbakken („Ich denke, wir können noch zwei, drei Spieler gebrauchen“) öffentlich Verstärkungen gefordert hatte.

Lakic soll kommen

In Hoffenheim haben sie derlei Sorgen nicht. Trainer Stanislawski hat in Hoffenheim zwar noch nicht das Feuer entfacht, das ihm in Hamburg so perfekt gelungen war. Mit Manager Ernst Tanner zieht er bislang aber an einem Strang. Derzeit halten sie Ausschau nach einem neuen Stürmer .

Denn mit nur 20 Saisontreffern zählt Hoffenheim zu den harmlosen Teams der Bundesliga. Abhilfe könnte Srdjan Lakic schaffen. Doch der Kroate vom VfL Wolfsburg ist Manager Tanner bislang noch zu teuer: „Das wird ganz schwer.“

Hertha sucht Offensivspieler

Auch in Berlin ist ein kurzfristiger Einkauf nicht mehr ausgeschlossen. Hertha BSC, heißt es, hält Ausschau nach einem Spieler für die Offensive. „Die Situation ist sehr kritisch“, sagte Kapitän Andre Mijatovic und bemängelte, dass sein Team daheim ohne Mumm und Selbstvertrauen gespielt habe.

Peter Niemeyer sagte, er spüre im Verein und Umfeld, dass ein Deja-vu-Erlebnis verhindern werden soll. In der Saison 2009/2010 war Hertha nach 13 Jahren Erstklassigkeit abgestiegen. Das soll Michael Skibbe nun verhindern. Was nicht einfach wird.

Am Wochenende kommt in Hannover nicht nur ein starker Gegner, die Berliner machen sich das Leben auch noch selbst schwer. Sowohl Mijatovic als auch Christian Lell sind gesperrt – und zu allem Überfluss erlitt Verteidiger Christoph Janker einen Jochbeinbruch.