"Auszeit"

91,4 Dezibel – "Stöhnen gehört zu meiner Bewegung"

Mit der richtigen Frequenz kann man Glas zum Bersten bringen. Bei den Australian Open bringen Scharapowa und Azarenka alle akustisch zur Verzweiflung.

Foto: dpa / dpa/DPA

Früher haben wir ja immer gedacht, so was gibt's nur im Kino. Aber dann kam Jaimie Vendera und hat es tatsächlich getan: ein Weinglas mit bloßer Stimme zum Zerspringen bringen. Dokumentiert wurde das Ganze 2007 vom "Discovery Channel", was sicherlich dem Verkauf von Venderas Ratgeberbuch "Raise Your Voice" ("Erhebe Deine Stimme") förderlich war.

Sollten Sie demnächst nach einem Gläschen Chardonnay keine Lust zum Abspülen haben, blättern Sie doch mal rein. Der Trick: Zunächst muss die Eigenfrequenz des Glases bestimmt, anschließend mit genau dieser das Glas zum Schwingen angeregt werden. Peng!

Wir lernen daraus: Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Weinen nerven. Oder mit Schweinen werfen. Denn die grunzen ja nicht nur putzig, sondern quieken bisweilen auch ziemlich schrill. So hätte man im Endresultat zwar ein – dann mutmaßlich schwerverletztes – Schwein plus reichlich Scherben. Doch ob das in der Kombination Glück bringt, ist fraglich.

Besonders laute Exemplare der Monica-Seles-Nachfolgegeneration

Als reichlich unerquieklich stellt sich unterdessen dieser Tage eine Affäre bei den Australian Open heraus. Dort sucht die Spielerinnenvereinigung WTA nach Lösungen, wie "maßloses Stöhnen, vor allem junger, gerade beginnender Spielerinnen" künftig unterbunden werden kann ohne solche zu benachteiligen, die quiekfidel mit reichlich Dezibeloutput sozialisiert worden sind.

Halbfinalistin Viktoria Azarenka ist genau wie Maria Scharapowa ein besonders lautes Exemplar aus der Monica-Seles-Nachfolgegeneration, sie plädiert auf unschuldig. Stöhnen, behauptet Azarenka, "gehört zu meiner Bewegung". (Das ist nicht politisch gemeint.) Aber müssen es gleich 91,4 Dezibel sein, wie in ihrem Viertelfinalspiel am Dienstag?

Im Vorteil ist drum, wer in Melbourne nur auf den billigen Plätzen sitzt. Dort ist schließlich die Lärmquelle weiter entfernt. Im Übrigen beginnen wir zu begreifen, warum auf den Tribünen nur Plastikbecher erlaubt sind.