Zoff in Leverkusen

Großverdiener Ballack und Trainer Dutt spalten Bayer

Das Heimspiel gegen Mainz zeigte, wie fragil das Gebilde Bayer Leverkusen zu Beginn der Rückrunde ist. Die Probleme sind hausgemacht.

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Sein Telefon wird sicher oft klingeln am Dienstag. Freunde und Bekannte werden sich melden, um ihm zu gratulieren. Und Robin Dutt, der 47 Jahre alt wird, sollte es genießen. Denn Zuneigung erfährt der Trainer von Bayer Leverkusen dieser Tage nur selten – und wenn, dann ohnehin nur im Kreise seiner Lieben. In seinem Arbeitsumfeld bekam Dutt erst am Sonntagabend wieder zu spüren, dass nicht einmal Siege helfen, den Anhang wohlwollend zu stimmen. Denn trotz des 3:2 gegen den FSV Mainz 05 wurde Dutt ausgepfiffen.

Wen wundert es da, dass Dutt den Sieg mit beißender Ironie kommentierte. "Wir arbeiten daran, zehn 3:0- oder 4:0-Siege am Stück zu feiern, vielleicht wird die Stimmung dann umkippen", sagte der sichtlich genervte Trainer unmittelbar nach dem Spiel, um seine Aussage am Montag ein wenig zu relativieren: "Das ist neu für mich, aber mir wird gesagt, dass es nicht neu für Leverkusen ist. Das ist seit Jahren so. Das Publikum ist anspruchsvoll."

Dabei waren die atmosphärischen Störungen zwischen den Fans, die dem Nachfolger von Jupp Heynckes (FC Bayern München) seit Saisonbeginn kritisch gegenüberstehen und Dutt in den Tagen vor dem Spiel gegen Mainz ausgeräumt worden. In einem dreistündigen Gespräch hatte Dutt mit Fanvertretern diskutiert und einen Schulterschluss vollzogen. Mit einer kurzen Haltwertzeit, wie sich nun herausgestellt hat.

Wie fragil das Gebilde in Leverkusen ist, wurde gegen Mainz deutlich. Da wurde selbst Dutts richtige Auswechseltaktik von den Anhängern kritisiert. Als der vor allem in Zweikämpfen schwache Michael Ballack (nur 32 Ballkontakte) nach einer Stunde den Platz für Stefan Kießling verlassen musste, quittierten dies die Fans ebenso mit Pfiffen wie später die Auswechslung von Eren Derdiyok für Kapitän Simon Rolfes (80.).

"Wenn Sie meine ehrliche Meinung hören wollen: Ich hätte ihn schon zur Halbzeit ausgewechselt, weil er nicht gut war", sagte Sportdirektor Rudi Völler nach dem Abpfiff beim Fernsehsender "Sky" und wollte seinem Trainer Unterstützung zukommen lassen. Es klang aber fast nach Kritik unter dem Motto: Warum wurde der ehemalige Kapitän der deutschen Nationalmannschaft nicht früher auswechselt?

Dass Ballack direkt zur Auswechselbank ging und nicht mehr den Handschlag mit dem Trainer suchte , war für Dutt kein Problem: "Wir haben die Shakehands in der Kabine nachgeholt und uns über den Sieg gefreut." Der aber einen Schönheitsfehler hatte: Das Ergebnis stimmte, die Leistung der Mannschaft aber nicht. Sie ist weit entfernt von dem guten Kombinationsfußball, der sie in der Vorsaison ausgezeichnet und bis auf Platz zwei geführt hatte.


Doch die Probleme sind hausgemacht. Da ist zum einen der Trainer. Robin Dutt hat es seit seinem Wechsel vom SC Freiburg nicht geschafft, die Spieler für sich zu gewinnen. Das liegt mitunter am Fehlen einer klaren Linie und an diversen Entscheidungen, die nur schwer nachzuvollziehen waren. Wie etwa das Streichen von diversen Esswaren auf dem Speiseplan der Spieler zu Saisonbeginn, was Dutt später wieder revidierte.

Selbst die Ausbootung des vielseitig einsetzbaren und im Team anerkannten Hanno Balitsch kurz vor Weihnachten brachte Dutt keine Pluspunkte bei seinen Spielern. Balitsch hatte es nach dem 0:1 in der Hinrunde gegen Schalke gewagt, den Trainer, der in dieser Partie auf einen Wechsel verzichtet hatte, zu fragen, warum er denn nicht ausgewechselt habe.

Neben Dutt ist es das Thema Ballack, das im regelmäßigen Abstand für Unruhe sorgt. Die Anhänger verehren den 35-Jährigen noch heute für seine Verdienste in seiner ersten Bayer-Zeit (1999 bis 2002). Doch schon in der Vorsaison war Ballack sportlich umstritten. Von seiner Routine kann Bayer zwar nach wie vor profitieren, aber da Ballack nicht mehr zu den Schnellsten gehört, ist seine Mitwirken nicht mehr so unabdingbar wie einst. Dass nun auch sein langjähriger Weggefährte Rudi Völler, der ihn sonst immer gestützt hat, erstmals öffentlich Kritik übt, offenbart den sinkenden Stellenwert des Mittelfeldspielers.

Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser hatte zuletzt verdeutlicht, dass die Mannschaft nur mit Hilfe von Champions-League-Einnahmen zu finanzieren sei. Derzeit ist Bayer als Sechster sieben Zähler von Platz vier entfernt, der zur Teilnahme an der Qualifikation für die Königsklasse berechtigt. Und dass Bayer dort in dieser Saison noch große Einnahmen tätigt, darf bezweifelt werden. Denn selbst wenn es künftig besser laufen sollte, ist im Achtelfinale gegen Barcelona (14. Februar und 7. März) wohl Endstation.