Wasserball

Deutsche Männer überraschen Kroaten bei der EM

Für ihr Kämpferherz sind die deutschen Spieler bekannt. Auch bei der EM in Eindhoven stemmten sie sich gegen das drohende Aus.

Vater und Sohn lagen sich innig in den Armen – Hagen Stamm war seinem Filius Marko überaus dankbar. Der Bundestrainer der deutschen Wasserballer war bei der Europameisterschaft in Eindhoven vor der vorentscheidenden Partie um den Einzug in die Medaillenrunde um die Plätze eins bis sechs gegen Europameister Kroatien noch ziemlich zerknirscht, durfte nach dem überraschenden 10:9 (3:1, 4:2, 1:2, 2:4) aber kräftig durchatmen. „Wir haben gezeigt, dass wir jede Mannschaft schlagen können, egal ob Europameister oder nicht“, betonte Marko Stamm.

Mit vier Toren hatte er bis zur Halbzeit zusammen mit seinen Spandauer Vereinskollegen Eric Bukowski und Marc Politze sowie dem Duisburger Sven Rößing für eine sensationelle 7:3-Führung gesorgt. Die Qualifikation für die Olympia-Ausscheidung im kanadischen Edmonton (1. bis 8. April) ist damit praktisch unter Dach und Fach und kann nur noch unter sehr unglücklichen Umständen verspielt werden. Auch die Medaillenrunde kann aus eigener Kraft durch einen Sieg an diesem Montag gegen den bisher punktlosen Tabellenletzten Rumänien erreicht werden.

„Die Spanier haben mich wach gehauen“, meinte Marko Stamm nach dem Überraschungscoup gegen den Titelverteidiger aus der Wasserball-Hochburg vom Balkan. Beim ähnlich überraschenden

16:10-Sieg über die Spieler von der iberischen Halbinsel hatte der 23 Jahre alte Bundeswehrangehörige ein Veilchen und eine geplatzte Augenbraue rechts erhalten. „Das bin ich schon gewöhnt“, sagte er cool – hatte er doch vor einigen Monaten schon einen Bruch der Augenhöhle erlitten.

Im Spiel gegen Kroatien war ihm davon nichts anzumerken. Auch das Handicap von fünf grippekranken Akteuren steckte das Team von Hagen Stamm mit einer gehörigen Portion Selbstbewusstsein fort. Tobias Kreuzmann und Andreas Schlotterbeck zitterten im Hotelbett und bei der Webcast-Übertragung im Internet mit ihren Mannschaftskollegen. Nur eine knappe Minute konnte Fabian Schroedter eingesetzt werden, ehe auch er wegen Grippe passen musste.

Dass es am Ende zum Sieg reichte, war natürlich nicht nur Marko Stamm zu verdanken. Das Team zeigte viel Kämpferherz, konnte auf einen erneut herausragenden Torhüter Alexander Tchigir bauen – und hatte am Ende das Glück des Tüchtigen. „Mit nur acht gesunden Spielern ging es am Ende um das blanke Überleben und nur noch um Fehlerminimierung“, meinte Hagen Stamm.