Australian Open

1:6, 1:6 – Julia Görges blamiert sich im Achtelfinale

Julia Görges ist nach einem desolaten 54-Minuten-Auftritt in ihrem ersten Grand-Slam-Achtelfinale ausgeschieden. Der 23-Jährigen unterliefen in Melbourne 27 leichte Fehler.

Das erste Grand-Slam-Achtelfinale ihrer Karriere wurde für Julia Görges zum Alptraum, Philipp Kohlschreiber verließ Australien dagegen erhobenen Hauptes. In der Hitze von Melbourne wurden die deutschen Tennis-Hoffnungen am Sonntag deutlich abgekühlt. Vor allem der Auftritt von Görges sorgte für Ernüchterung. Gegen die Polin Agnieszka Radwanska verlor die 23-Jährige am Sonntag bei den Australian Open sang- und klanglos mit 1:6, 1:6 und zeigte dabei eine desolate Leistung. Kohlschreiber unterlag dem wiedererstarkten Argentinier Juan Martin del Potro mit 4:6, 2:6, 1:6, bot dem US-Open-Champion von 2009 aber zumindest phasenweise Paroli.

Zu Beginn der zweiten Woche der mit rund 21 Millionen Euro dotierten Veranstaltung ruhen alle deutschen Hoffnungen daher nun einzig und allein auf Sabine Lisicki. Die Berlinerin kämpft am Montag (9.30 Uhr/Eurosport) gegen die Russin Maria Scharapowa um den Einzug ins Viertelfinale, nachdem Scharapowa am Samstag die Kielerin Angelique Kerber mit 6:1, 6:2 deklassiert hatte.

„Ich freue mich riesig auf das Spiel. Natürlich will ich sie endlich mal schlagen“, sagte Lisicki mit Blick auf ihre Zweisatzniederlage im vergangenen Jahr im Halbfinale von Wimbledon. Doch die Aufgabe wird schwer. „Scharapowa spielt unglaublich konstant und fokussiert bisher. Da muss Sabine schon eine super Leistung zeigen“, meinte Fed-Cup-Chefin Barbara Rittner vor dem Duell der beiden Tennis-Blondies.

Eine solche hatte sich Rittner auch von Görges gewünscht, doch für die Schleswig-Holsteinerin war ihre Viertrunden-Premiere bei einem Grand-Slam-Turnier bereits nach gerade einmal 54 Minuten beendet. Für die einseitige Partie typisch schloss Görges das Match mit einem einfachen Rückhandball ins Aus ab. Es war der 27. leichte Fehler der Norddeutschen gegen die an Nummer acht gesetzte Polin.

„Das war heute ein absolut rabenschwarzer Tag“, sagte Görges nach der Vorführung enttäuscht. „Das hat sich überhaupt nicht toll angefühlt“, meinte die Fed-Cup-Spielerin, die sich so sehr auf ihr erstes Achtelfinale bei einem der vier großen Turniere gefreut hatte. Doch bei 34 Grad im Glutofen Hisense-Arena lief bei Görges von Anfang an nichts zusammen. Radwanska musste eigentlich nur auf die Fehler ihrer völlig neben sich stehenden Gegnerin warten.

„Ich habe auch keine Erklärung für diese Leistung“, sagte Rittner „Das war einfach nichts.“ Selbst die Görges-Eltern schüttelten auf der Tribüne fassungslos den Kopf, so chancen-, mut- und zum Teil fast lustlos hatten sie ihre Tochter selten gesehen.



Anders als Lisicki, die am Samstag gegen die Russin Swetlana Kusnezowa eine fast schon verloren geglaubte Partie noch gedreht hatte, ließ Görges das Unheil einfach über sich ergehen. „Das ist auch eine Mentalitätssache“, bemängelte Rittner. Die Gescholtene wehrte sich allerdings gegen den Eindruck, sie habe den Fight nicht angenommen. „Jeder hat mal einen schlechten Tag. Es ist nur schade, dass so etwas in der vierten Runde bei einem Grand Slam passiert.“

Kohlschreiber versuchte in der Margaret Court Arena dagegen alles, fand in dem an Nummer elf gesetzten del Potro aber seinen Meister. „Er hatte einfach auf jeden Schlag von mir die bessere Antwort“, sagte der 28-Jährige anerkennend. Nur im ersten Satz konnte er mithalten, seine Breakchancen aber nicht nutzen. „Er war heute zu gut für mich. In der Verfassung ist er wieder ein ganz heißer Kandidat für die Top fünf.“ Trotz des verpassten erstmaligen Einzugs ins Grand-Slam-Viertelfinale zog der Davis-Cup-Spieler ein zufriedenes Fazit. „Ich denke, der Start ins Jahr ist gelungen. Ich habe wieder Spaß am Tennis.“

Auf seine erste Viertelfinale-Teilnahme in Melbourne weiter warten muss auch Bernard Tomic. Der australische Hoffnungsträger war gegen den 16-maligen Grand-Slam-Turnier-Sieger Roger Federer beim 4:6, 2:6, 2:6 chancenlos und konnte die hohen Erwartungen seiner Nation nicht erfüllen. Federer marschiert weiter unbeirrt durchs Turnier, genauso wie sein Dauerrivale Rafael Nadal. Der spanische Weltranglisten-Zweite bezwang seinen Landsmann Feliciano Lopez 6:4, 6:4, 6:2. Beide müssen nun nur noch eine Partie gewinnen, dann kommt es zum Showdown im Halbfinale.

Bei den Damen kämpfte Titelverteidigerin Kim Clijsters die Chinesin Na Li in einer Neuauflage des letztjährigen Finales mit 4:6, 7:6 (8:6), 6:4 nieder und wehrte dabei im Tie-Break des zweiten Satzes sogar vier Matchbälle der French-Open-Siegerin ab. „Ich wollte nicht, dass meine letzten Australian Open hier enden“, sagte Clijsters nach der packenden Partie. Im Viertelfinale trifft sie am Dienstag auf die dänische Weltranglisten-Erste Caroline Wozniacki, die die Serbin Jelena Jankovic 6:0, 7:5 bezwang