Schalke 04

Meister-Träumer Stevens will kein Bayern-Jäger sein

Schalke zieht durch einen souveränen Heimsieg gegen Stuttgart mit Tabellenführer Bayern München gleich. Das Träumen überlassen die Königsblauen aber anderen.

Huub Stevens wartete erst gar nicht auf die M-Frage. „Ich weiß, dass wir genauso viele Punkte wie Bayern haben“, sagte der Trainer von Schalke 04 nach dem souveränen 3:1 (1:0)-Sieg zum Rückrundenstart gegen den VfB Stuttgart und fügte an: „Träume sind schön.“ Dass er selbst nicht zu denen gehört, die 16 Spieltage vor Bundesliga-Saisonschluss - punktgleich mit dem Tabellenführer Bayern München - von der ersten königsblauen Meisterschaft seit 1958 träumen, sagte der Niederländer zwar nicht, doch jeder sah es.

„Bayern-Jäger? Das machen die Medien“, erklärte er später und ergänzte: „Wir sind realistisch. Wir werden auch wieder Spiele verlieren.“ Der 58-Jährige, der den Gelsenkirchenern vor elf Jahren den Traum vom achten Titel schon einmal gefühlt für vier Minuten erfüllte, hat sie jetzt wieder ganz nah an die Bundesliga-Spitze herangeführt.

Beim fünften Heimsieg in Folge zeigten seine Schalker all die Qualitäten, die sie vielleicht sogar für den Rekordmeister FC Bayern und den Titelverteidiger Borussia Dortmund gefährlich machen könnten. Geballte Offensivkraft um die Stars Raul und Klaas-Jan Huntelaar, die diesmal zu Toren der Nachwuchskräfte Joel Matip (3.), Kyriakos Papadopoulos (57.) und Julian Draxler (80.) führte, und Hochgeschwindigkeitsfußball mit sehenswerten Kombinationen wie beim 3:0 paarten sich mit taktischer Disziplin und stabiler Defensive - eine Mischung, die den vermeintlichen Europacup-Kandidaten VfB völlig überforderte.

Dabei stahlen die Jungen den Superstars die Schau. Der 20-jährige Matip ersetzte auf der „Sechs“ den gesperrten Jermaine Jones in überzeugender Manier. „Das war der Schlüssel zum Sieg“, urteilte Sportdirektor Horst Heldt über die Leistung des Deutsch-Kameruners, dessen Vertrag er erst in der Winterpause bis 2016 verlängert hatte. „Er ist ein erstklassiger Spieler, vielseitig einsetzbar. Wir wollten bei anderen Klubs erst gar keine Begehrlichkeiten wecken“, sagte Heldt.

Höwedes mit Jochbeinbruch ausgewechselt

Der noch ein halbes Jahr jüngere Papadopoulos wuchtete nicht nur in allerbester Torjägermanier einen Eckball zum entscheidenden 2:0 ins Netz, der Grieche räumte auch in der Abwehr alles ab - selbst nachdem Kapitän Benedikt Höwedes mit einem Jochbeinbruch verletzt ausgeschieden war (42.). Und der 18-jährige Draxler, Flankengeber beim zweiten Tor, schloss eine Traumkombination über Raul und Huntelaar zum 3:0 ab.

Doch träumen wollte auch der Abiturient nicht. „Es ist normal, dass der eine oder andere uns jetzt ganz oben sieht“, sagte Draxler, „ich denke, einen Champions-League-Platz können wir anvisieren.“ Ein wenig mutiger drückte sich Torhüter Lars Unnerstall, der erst drei Minuten vor Schluss durch Shinji Okazaki bezwungen wurde, aus. „Bayern hat gepatzt, wir haben das genutzt“, sagte der 21-Jährige, „wenn wir so weiterspielen, bleiben wir oben dran.“

Allerdings bekommt der DFB-Pokalsieger langsam arge Personalprobleme. Nach dem gesperrten Jones und den verletzten Lewis Holtby, Peer Kluge und Jefferson Farfan fällt nun auch noch Nationalspieler Höwedes längere Zeit aus. Bei einem Zusammenprall mit seinem Teamkollegen Marco Höger erlitt der 23-Jährige einen Jochbeinbruch, vier bis sechs Wochen könnte er den Schalkern fehlen.


Chinedu Obasi mit einem starken Debüt

„Die Decke wird dünn“, meinte Heldt und dachte laut über die Verpflichtung eines Defensivspielers nach: „Das Fenster ist noch bis zum 31. offen. Wenn es noch was Gescheites gibt...“ Die bislang einzige Winter-Verpflichtung Chinedu Obasi von 1899 Hoffenheim scheint sich gelohnt zu haben: Der Nigerianer zeigte bei seinem Debüt eine starke Leistung; Problem-Stürmer Farfan, mit dem die Verhandlungen auf Eis gelegt sind, wurde jedenfalls nicht vermisst.

Stuttgarts Trainer Bruno Labbadia vermisste indes beim fünften Spiel seiner Mannschaft in Folge ohne Sieg „die totale Zielstrebigkeit“. Seine Mannschaft habe „die Spielkontrolle gehabt“, behauptete der 45-Jährige und erntete einige irritierte Blicke. Ihr Plus an Ballbesitz erspielten sich die Schwaben erst, als sie schon 0:2 hinten lagen und die Schalker auf Konter setzten. Von denen die Königsblauen längst nicht alle nutzten - allein Huntelaar scheiterte dreimal in allerbester Position.