Patzer in Gladbach

Bayern-Coach Heynckes tadelt Neuers Hang zur Hektik

Nach seinem Fehler vor dem 0:1 in Gladbach gibt sich Manuel Neuer selbstkritisch. Sein Trainer Jupp Heynckes fordert von ihm mehr Ruhe und Konzentration.

Der Borussia-Park bebte, die Gladbacher Fans waren völlig aus dem Häuschen: Die Überraschungsmannschaft der Saison sorgt weiter für Furore. „Wir haben dem ganzen Druck und dem Gerede, dass hier alles zusammenfällt, standgehalten. Das beweist unsere Klasse und dass wir einiges aushalten können“, meinte Stürmer Mike Hanke nach dem 3:1 (2:0)-Erfolg gegen den Tabellenführer Bayern München zum Rückrunden-Auftakt in der Fußball-Bundesliga.

Selbst Bayern-Coach Jupp Heynckes war nach der zweiten Saisonniederlage gegen seinen ehemaligen Club begeistert vom Gegner. „Was Borussia bisher geleistet hat ist überragend. Sie werden nächstes Jahr europäisch spielen.“

Die Himmelsstürmer von Lucien Favre ließen sich weder vom Wechseltheater um Marco Reus noch von den selbstbewussten Sprüchen der Münchner irritieren und zogen ihren Matchplan eiskalt durch. Mit einer kompakten Defensive aller Feldspieler und blitzschnellen Kontern überraschten sie die Bayern und profitierten dabei auch wie beim 1:0 im Hinspiel von einem groben Fehler des Nationaltorhüters Manuel Neuer.

Der Schlussmann spielte Marco Reus den Ball genau vor die Füße, und der traf aus 28 Metern zum 1:0 (11.) ins leere Tor.


Heynckes: "Das ist sein Problem"

„Das war die Einladung zur Niederlage“, meinte Neuer selbstkritisch. Heynckes kritisierte seinen Torhüter anschließend. „Das ist sein Problem, er will das Spiel zu schnell machen. Er muss ruhiger und konzentrierter spielen“, sagte der Münchner Trainer.

Dass ausgerechnet Reus den Führungstreffer erzielte, hat eine pikante Note. Hatten die Bayern doch nach seiner Entscheidung, zukünftig für Borussia Dortmund zu spielen, gestichelt, er habe wohl den Konkurrenzkampf in München gescheut. Mit seinem elften Bundesligatreffer gab der Jung-Nationalspieler die richtige Antwort.


"Danke, Marco"-Sprechchöre

Bei seinem ersten Auftritt im Borussia-Park nach der Bekanntgabe seines Wechsels wurde der Shooting-Star freundlich und mit Spruchbändern „Danke, Marco“ empfangen. „Das ist natürlich wichtig für einen Spieler, dass er nicht ausgepfiffen wird und von der Mannschaft unterstützt wird. Aber ich war nicht nervös“, sagte Reus.

Seinen Nachfolger haben die Gladbacher schon in den eigenen Reihen gefunden. Mit seinen beiden Treffern zum 2:0 und 3:0 (41./71.) stieg U 21-Nationalspieler Patrick Herrmann zum Matchwinner auf. „Er ist schnell, vor dem Tor sehr gut und hat im Training Qualität gezeigt. Aber der Vergleich mit Marco Reus ist übertrieben“, sagte Trainer Favre.

Mit fünf Treffern ist Herrmann zweitbester Torschütze im Team hinter Reus. „Wir haben unsere Chancen eiskalt genutzt. Das fühlt sich gut an“, meinte der Doppeltorschütze.

67 Prozent Ballbesitz halfen nichts

Die Bayern, die durch Rückkehrer Bastian Schweinsteiger lediglich zum Anschlusstreffer kamen (76.), hätten sich ihren Start in die Rückrunde anders vorgestellt. Die spielerische Überlegenheit mit 67 Prozent Ballbesitz konnten die Gäste nicht ausnutzen. „Wir haben zu viele Fehler gemacht und unnötige Gegentore bekommen. Dafür wird man dann bestraft“, meinte Mannschaftskapitän Philipp Lahm nach der fünften Saisonniederlage.

„Das wird uns nicht aus der Bahn werfen. Wir bleiben weiterhin Erster“, sagte Nationalspieler Toni Kroos. Fehlen wird in den nächsten Wochen aber Daniel van Buyten. Der Abwehrspieler zog sich einen Mittelfußbruch zu. Van Buyten wurde noch am Samstag operiert und fällt nach Angaben der Bayern „sechs bis acht Wochen“ aus. Ob der Klub nach dieser Nachricht doch noch einmal auf dem Transfermarkt tätig wird, ließen die Münchner auf Anfrage offen.

Heynckes wollte seiner Mannschaft keine Vorwürfe machen. „Der Knackpunkt war das 2:0. Dann ist es schwierig gegen eine Mannschaft, die so gut verteidigt“, befand der Bayern-Coach. Dennoch waren sich fast alle Bayern einig, dass die Gladbacher kein Kandidat im Titelrennen seien. „Unser ärgster Konkurrent – neben uns selbst – ist immer noch Dortmund“, betonte Lahm.