Sebastien Loeb

Vom Schulabbrecher zum erfolgreichsten Rallyefahrer

Die deutschen Formel-1-Weltmeister Schumacher und Vettel schwärmen von Sebastian Loeb. Die Traumkarriere des Rallyechampions begann auf einem Parkplatz im Elsass.

Der kleine weiße Peugeot 106 auf dem staubigen Parkplatz rast noch ein wenig eckig um die Slalomhütchen. Hinterm Steuer, in einem weißen Pullover und mit einem weißen Helm, müht sich der Pilot, den Tücken des Kurses möglichst rasch zu auf die Spur zu kommen. Die wenigen Zuschauer sehen ihn zwar nicht siegen, aber immerhin hat dieser Sebastien Loeb das Finale der Nachwuchsserie Rallye Jeunesse erreicht.

Und die Chefs des Teams Ambition Sport, Dominique Heintz und Remi Mammosser, sehen sein Talent. Um sicher zu gehen, setzt sich Heintz 1996 bei einer regionalen Rallye sogar auf den Beifahrersitz. Vier Siege im Markenpokal Volant 106 folgen, Basis einer atemberaubenden Karriere.


Erfolgreicher als Schumacher

15 Jahre, 150 WM-Rallyes, 67 WM-Siege und über 800 WM-Sonderprüfungsbestzeiten später ist Sebastien Loeb (37) der erfolgreichste Motorsportler auf vier Rädern. Acht WM-Titel in Folge, alle mit seinem Co-Piloten Daniel Elena (39, Monaco), übertreffen sogar die sieben Triumphe des Rekordchampions Michael Schumacher in der Formel 1. Und der 42-Jährige hielt mit Lob für Loeb nach dessen Titelgewinn nicht hinterm Berg.

„Was die Rallyefahrer leisten, ist einfach bewundernswert. In der Formel 1 kannst du dir minimale Fehler leisten, kannst sie ausbügeln. In der Rallye-WM nicht. Wenn das einer über acht Jahre hinweg schafft, dann ziehe ich meinen Hut.“ Und Schumachers Nachfolger Sebastian Vettel geriet sogar ins Schwärmen. „Über seine Fähigkeiten am Lenkrad könnten wir ewig sprechen“, so der 24 Jahre alte Doppelweltmeister.


Motorsport war zunächst zweitrangig

Sebastien Loeb, 1974 in Hagenau/Elsass geboren, wollte ursprünglich in die Fußstapfen seines Vaters treten. „Mein Vater war Turnlehrer im Verein und später regionaler Sportkoordinator, bevor er an einem Gymnasium unterrichtete. Das fand ich gar nicht so schlecht“, erzählte Loeb im vergangenen Jahr im kleinen Kreis am Vorabend der WM-Rallye Sardinien. Motorsport war zu dieser Zeit allenfalls zweitrangig, aber es gab den Wunsch, „ein echt klasse Auto zu haben“. Loebs Eltern empfahlen ihm, sich einen Ferienjob zu suchen.

Gesagt getan. Fortan werkelte der fast 18-Jährige in einer Produktionshalle in der Kunststoffelemente für Waschbecken und Badewannen gefertigt wurden. Der Job war „lieb gesagt, langweilig“, aber die Erfahrung, regelmäßig Geld zu bekommen war verlockend. Der Schulabbruch war beschlossene Sache. Loeb: „Ich wollte weg von der normalen Schule, hatte auch keine Lust zu studieren, aber auch keine Lust, mich mit Gelegenheitsjobs zu beschäftigen. Also habe ich bei der Firma Solatec Elektriker gelernt.“


"Im Auto musst du entspannt sein"

Seit März 1999 ist Loeb Profipilot. Dabei hat sich seine Vergangenheit als Turner – er wurde viermal Elsässer Meister, einmal Meister Ostfrankreichs und einmal Fünfter in der französischen Meisterschaft – als nützlich erwiesen. „Es ist im Rallyeauto ganz wichtig, ein gutes Gleichgewichtsgefühl zu haben und Körperbeherrschung. Du musst, wenn du fährst, alles automatisch erledigen. Ich denke auf einer Sonderprüfung nie ans Fahren. Im Auto musst du entspannt sein“, verriet Loeb sein Erfolgsrezept.

Co-Pilot Elena übernimmt während der rasenden Fahrten über die Asphalt-, Sand- und Schotterpisten der Rallye-WM die Funktion einer Festplatte – in Finnland oder Schweden natürlich auch auf Eis und Schnee. „Daniel ist mein Gedächtnis. Wir trainieren eine Wertungsprüfung, er schreibt alles auf, was ich ihm sage, und wiederholt es beim nächsten Trainingsdurchgang. Im Wettbewerb fahre ich genau so, wie er es mir vorgibt. Ich hätte auch gar keine Zeit, etwas anderes zu tun“, verriet Loeb dem Internetportal Motorsport total.com.


Rossi als sein Schatten

Gelegentlich muss Elena seinen Platz aber räumen. Dann zwängt sich Loebs Ehefrau Severine („Ich freue mich jedes mal darauf“) in den engen Beifahrersitz und lotst den Gatten durch alle Widrigkeiten einer Rallye. Zuletzt bei der Rallye Monza – natürlich siegreich. Allerdings erst nach harter Gegenwehr von Motorradstar Valentino Rossi, der wie ein Schatten an Loeb hing und nach neun Wertungsprüfungen mit 24 Sekunden Rückstand Zweiter wurde.

Loeb, seit März 27. Mai 2009 Ritter der französischen Ehrenlegion, hat ambitionierte Pläne für die Zeit nach seiner Karriere als Rallyepilot. Er steht bis 2013 bei Citroen unter Vertrag, bestreitet derzeit den WM-Auftakt bei der Rallye Monte Carlo. Doch „Super Seb“ reizt ein Motorsportklassiker: „Ich will einmal mit einem eigenen Team bei den 24 Stunden von Le Mans teilnehmen.“ Mit im Boot: Dominique Heintz. Als Fahrer war er erstmals 2005 beim Marathon an der Sarthe dabei, damals im Team seines Landsmannes Henri Pescarolo.

Fast hätte es sogar einen Wechsel vom Rallye- ins Formel-1-Auto gegeben. 2007 testete Loeb einen Red-Bull-Renner, 2009 sollte er das Saisonfinale in Abu Dhabi im Red-Bull-Juniorteam Toro Rosso bestreiten. Doch der Motorsport-Weltverband Fia verweigerte ihm die Superlizenz.