Handball-EM

Diesen Sieg haben die Deutschen dringend gebraucht

Der 24:23-Sieg gegen Mazedonien hat das deutsche Team bei der Handball-EM vor einem vorzeitigem Aus im Kampf um die Olympia-Plätze bewahrt.

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Als die deutschen Spieler die zehn Stufen hinab in den Kabinengang stiegen, hallten immer wieder spitze Freudenschreie durch die Katakomben des Sportcenters Cair in Nis. „Das war eine geschlossene Mannschaftsleistung. Dieser Sieg schweißt zusammen. So etwas haben wir dringend gebraucht“, sagte Kiels Dominik Klein nach dem glücklich zustande gekommenen 24:23-(12:12-)Erfolg über Mazedonien und wollte gar nicht mehr aufhören zu strahlen. Mit jetzt 2:2 Punkten wahrte die deutsche Mannschaft ihre Chance auf den Einzug in die Hauptrunde der Handball-Europameisterschaft in Serbien und die Qualifikation für die Olympischen Spiele in London. Am Donnerstag (18.15 Uhr, ARD) ist der WM-Vierte Schweden der letzte Vorrundengegner.

Das leicht gerötete Gesicht von Bundestrainer Martin Heuberger und die Schweißspuren in seinem roten Deutschland-Trikot verrieten die Dramatik der vorangegangenen 60 Minuten. 4000 Mazedonier auf den Rängen hatten ein lautstarkes Spektakel veranstaltet, und wenn einige von ihnen in der ersten Halbzeit nicht immer wieder Feuerzeuge und Münzen aufs Spielfeld geworfen hätten, die stimmungsvolle Atmosphäre hätte als fantastisch beschrieben werden können. Immerhin: Kein Spieler, Schiedsrichter oder Betreuer wurde getroffen.

Unbeeindruckt von Rückständen

„Das Werfen von Gegenständen gehört wohl zum Temperament der Mazedonier“, meinte Linkaußen Uwe Gensheimer, „wichtig war, dass wir cool geblieben sind.“ Und in der Tat gelang es der deutschen Auswahl im Gegensatz zur 24:27-Auftaktniederlage gegen Tschechien, ihr Konzept in Angriff und Abwehr in vielen Phasen durchzuziehen – trotz wiederholten Rückstandes in der zweiten Halbzeit, zuletzt 22:23 in der 57. Minute. „Natürlich hatten wir noch das eine oder andere Problem und haben zum Beispiel im Angriff drei, vier Bälle unnötig weggeworfen, aber das war eine deutliche Steigerung gegenüber dem Spiel gegen die Tschechen“, lobte Heuberger. Noch positiver äußerten sich seine Spieler. „Jetzt ist der Knoten geplatzt. Wenn wir weiter so Gas geben, werden wir bei diesem Turnier noch viel Spaß haben“, jubelte der nach drei Zeitstrafen mit Rot ausgeschiedene Abwehrchef Oliver Roggisch, während der beste Torschütze Lars Kaufmann (6 Treffer) anfügte: „Wir wollten ein Ausrufezeichen setzen. Das ist uns gelungen.“

Dennoch hätte es auch diesmal schiefgehen können, hätte nicht Dejan Manaskow in der 58. Minute bei einem schnellen Gegenstoß den Ball unbedrängt neben das deutsche Tor geschossen. Es wäre das 24:23 für Mazedonien gewesen, und ihre Fans hätten wohl mit ihren Gesängen Recht behalten: „Deutschland, Deutschland, auf Wiedersehen!“ Stattdessen traf Gensheimer kurze Zeit später auf der Gegenseite zum 24:23-Endstand.

Nach seiner schwachen Vorstellung gegen Tschechien hatte Heuberger Mannschaftskapitän Pascal Hens 60 Minuten auf der Bank gelassen. Der Hamburger nahm es mit Gelassenheit: „Ich bin gesund, und solange wir gewinnen, schaue ich gerne zu. Wir sind ein Team, und ich kann auch von außen meinen Beitrag leisten.“ Hens munterte seine Mitspieler ständig auf, sprach und schrie ihnen Mut zu und jubelte am lautesten, als Silvio Heinevetter den letzten Wurf der Mazedonier pariert hatte.

Der Berliner kam erst in den letzten sieben Minuten ins Tor, wehrte aber gleich einen Siebenmeter des am Ende kraftlos wirkenden mazedonischen Superstars Kiril Lazarows (Atlético Madrid) ab. Zuvor war das bereits seinem Lemgoer Kollegen Carsten Lichtlein gelungen, der hinterher als bester deutscher Spieler ausgezeichnet wurde. „Zu Recht“, befand Heuberger, „er war unser großer Rückhalt.“ Lichtlein hielt laut Statistik jeden dritten Ball, gefühlt waren es weit mehr. „Die Situation war nicht einfach. Wir haben gekämpft und gezeigt, dass wir eine Mannschaft sind. Daher kann ich der Mannschaft nur ein Kompliment machen“, sagte Heuberger erleichtert.

„Gegen Schweden müssen wir morgen noch konsequenter und umsichtiger zur Sache gehen“, meinte Dominik Klein später, „aber auch das sollten wir hinkriegen. Wir wissen jetzt, was wir leisten können. Mit diesem Erfolg in dieser überaus hitzigen Atmosphäre haben wir ein Stück unseres Selbstbewusstseins zurückgewonnen. Das war nach den letzten Rückschlägen enorm wichtig.“

Baur trainiert die Junioren

Parallel zu den Spielen in Nis hat der Deutsche Handballbund (DHB) nach Informationen der „Sportbild“ seinen Trainerstab neu geordnet. Lübbeckes Coach Markus Baur (40) übernimmt im Sommer die Juniorenauswahl und löst zugleich den Magdeburger Frank Carstens als Heubergers Assistent der A-Nationalmannschaft ab. Jugendkoordinator Christian Schwarzer, der die Junioren derzeit betreut, kümmert sich fortan wieder um die Jugendarbeit. Dem widersprach in Teilen jedoch Horst Bredemeier. „Es besteht eine grundsätzliche Einigung, aber es ist noch nicht endverhandelt und noch nichts unterschrieben“, sagte der Vizepräsident des DHB. Davon, dass Baur Carstens ablösen werde, wollte er nichts wissen: „Das war noch kein Thema.“