Bundesliga-Rückrunde

München vor brisantem Duell gegen Marco Reus

Den FC Bayern München erwartet im ersten Spiel der Rückrunde gleich ein brisantes Duell. In Mönchengladbach muss der Herbstmeister gegen Marco Reus ran. Der hatte sich gegen einen Wechsel nach München entschieden.

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Herbstmeister FC Bayern München blickt dem Start in die Bundesliga-Rückrunde mit großer Spannung und hohen Erwartungen entgegen. „Unsere Mannschaft ist gut vorbereitet. Aber uns muss klar sein, am Freitag geht die Jagd auf Bayern München los“, sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge drei Tage vor dem Topspiel beim Tabellenvierten Borussia Mönchengladbach.

In Mönchengladbach kommt es auch zum brisanten Duell mit Jung-Nationalspieler Marco Reus, der sich in der Winterpause gegen einen Wechsel nach München entschieden hatte und stattdessen im Sommer für 17,1 Millionen Euro Ablöse zum deutschen Meister und Bayern-Rivalen Borussia Dortmund wechseln wird.

"Wir tun gut daran, mit der ganzen Geschichte souverän umzugehen“, erklärte Rummenigge: „Er hat sich für Dortmund entschieden, das müssen wir akzeptieren – und es ist aus seiner Sicht auch einfacher. Hier hätte er sich erst einmal durchsetzen müssen.“ Man sei auf den Positionen von Reus mit Arjen Robben, Thomas Müller und Toni Kroos, dem Rummenigge am Dienstag „fast das Prädikat Weltklasse“ zugestand, hervorragend besetzt. Große Hoffnungen setzt er in Flügelstürmer Robben, der in der Hinrunde lange verletzt war. „Ich wünsche ihm, dass er uns grandios und furios hilft“, sagte Rummenigge.

Reus-Wechsel weckt schmerzhafte Erinnerungen

Wenn Marco Reus Borussia Mönchengladbach nach der Saison zu Meister Borussia Dortmund verlässt, ist die Situation für die Verantwortlichen am Niederrhein nicht neu. Die Liste der Stars, die Mönchengladbach den Rücken kehrten, ist lang.

Günter Netzer war der Erste, Rainer Bonhof folgte, auch Lothar Matthäus und Stefan Effenberg erlagen dem Lockruf des Geldes und der besseren sportlichen Perspektive. Bei Borussia Mönchengladbach sind viele Talente zu Stars gereift, doch am Ende verließen sie den fünfmaligen deutschen Fußball-Meister alle. Marco Reus reiht sich in die lange Liste der spektakulären Transfers ein. Der Verlust des Kronjuwels, das im Sommer zu Borussia Dortmund wechseln wird, weckt bei Fans und Verantwortlichen schmerzhafte Erinnerungen.

"Das ist nicht schön, aber es ist etwas, mit dem wir leben müssen. Es ist im Profifußball so, dass die Großen die Kleinen fressen. Das gehört schon irgendwie zur Gladbacher Historie“, sagte Sportdirektor Max Eberl. Mit 17,5 Millionen Euro streicht die Borussia für den 22 Jahre alten Nationalspieler immerhin die Rekordablösesumme der Vereinsgeschichte als Schmerzensgeld ein.

Vize-Präsident Rainer Bonhof kennt die Situation aus eigener Erfahrung. Bonhof wechselte 1978 für umgerechnet 1,25 Millionen Euro zum FC Valencia und war der dritte Gladbacher nach Netzer (1973 zu Real Madrid) und Uli Stielike (1977 zu Real Madrid), der die legendäre Fohlen-Elf nach Spanien verließ. „Ich kenne das seit 42 Jahren. Es wird sich immer wiederholen, dass man Spieler abgeben muss an größere Vereine. Das Schöne bei Borussia ist, dass Spieler entwickelt werden, die sich dann in anderen, großen Vereinen durchgesetzt haben. Darauf kann der Verein stolz sein“, sagte der Weltmeister von 1974 dem kicker.

Das Gütesiegel „Made in Mönchengladbach“ hat Tradition. Nach der Wechselwelle in den 70er Jahren sorgte besonders der Transfer des späteren Rekordnationalspielers Lothar Matthäus 1984 zum großen Rivalen Bayern München für Aufregung. Zwischen den Managern Helmut Grashoff und Uli Hoeneß entbrannte ein Streit, an dessen Ende die Münchner umgerechnet 1,2 Millionen Euro auf den Tisch legten. Matthäus wurde noch Jahre nach diesem Transfer in Mönchengladbach als „Judas“ bezeichnet.

So weit soll es bei Reus nicht kommen. „Ich hoffe nicht, dass sie pfeifen. Da gehe ich auch nicht von aus. Ich verstehe, dass alle enttäuscht sind. Das war keine Entscheidung gegen Gladbach. Sondern eine für die Karriere, für den nächsten Schritt“, sagte Reus vor dem Rückrundenauftakt des Tabellenvierten am Freitag gegen Spitzenreiter Bayern München.

Deutlich emotionaler ging es da schon beim Wechsel von Heiko Herrlich 1995 nach Dortmund zu. Trotz eines Vertrages bis 1997 wollte der Stürmer die Gladbacher unbedingt verlassen. Er klagte sogar vor dem Arbeitsgericht, bevor Gladbach für eine Ablösesumme von umgerechnet 5,5 Millionen Euro einwilligte.

Martin Dahlin (1996 zum AS Rom), Stefan Effenberg (1990 und 1998 zu Bayern München), Sebastian Deisler (1999 zu Hertha BSC), Marcell Jansen (2007 zu Bayern München) und Marko Marin (2009 zu Werder Bremen) waren weitere Topspieler, die dem Klub verloren gingen. Gerade die Abgänge von Jansen und Marin zeigen aber, dass man nicht immer glücklich wird und die Entwicklung nimmt, die man sich erhofft hatte.

Wie es Reus in Dortmund ergehen wird, bleibt abzuwarten. Eberl hat jedenfalls angekündigt, die Transfersumme in die Mannschaft zu investieren. Und die Fans hoffen auf neue Talente, die in Gladbach zu Stars reifen.