Bayern-Verfolger

Schalke pokert mit seinen Stars Raul und Farfan

Wer bekommt Schalkes Kohle? Der Bundesliga-Klub steckt vor dem Start der Rückrunde in schwierigen Verhandlungen mit seinen Stars Raul und Farfan.

Foto: picture alliance / GES-Sportfoto / picture alliance / GES-Sportfoto/GES/Helge Prang

Die Gesichter waren mit Ruß verschmiert, doch die Laune war bestens. „Das ist ein beeindruckendes Erlebnis“, sagte Klaas-Jan Huntelaar, nachdem er und seine Mannschaftskollegen von Schalke 04 wieder das Tageslicht erblickt hatten. Der niederländische Torjäger hatte die Grubenfahrt im Marler Bergwerk Auguste Victoria genossen.

Durch die folkloristische Aktion, bei der sich die Schalker – stilecht in Bergmanns-Kluft gekleidet – 1000 Meter unter Tage begeben hatten, soll die Verbundenheit des Vereins mit der Umgebung ausgedrückt werden. Fünf Tage vor dem Rückrundenbeginn am Samstag mit dem Heimspiel gegen den VfB Stuttgart gibt es jedoch einige Probleme. Mit Jefferson Farfan, Lewis Holtby und Jermaine Jones werden dem Niederländer drei Schlüsselspieler fehlen. Auch Zugang Chinedu Obasi, der aus Hoffenheim verpflichtet worden war, hatte über mehrere Tage Knieprobleme und ist deshalb noch längst nicht integriert.

Die Vorbereitung lief nicht so, wie es sich der Trainer gewünscht hatte. „Es gibt Dinge, die gut funktioniert haben und Dinge, die nicht so gut funktioniert haben“, sagte Stevens, nachdem sein Team im letzten Test am Sonntag beim 2:1 (1:0)-Sieg über den niederländischen Klub Vitesse Arnheim nur phasenweise überzeugen konnte . Speziell im Trainingslager von Katar hatte Stevens einiges ausprobiert, doch längst nicht alles konnte so umgesetzt werden, wie es sich der 58-Jährige erhofft hatte. Der Versuch, mit nur einer Spitze spielen zu lassen, scheiterte. „Wir hatten keinen Zugriff nach vorne, Huntelaar hatte keine Unterstützung“, bilanzierte Stevens.


Weiter im 4-2-2-System

So gilt als sicher, dass das Team auch am Samstag wie gegen Ende der Hinrunde im 4-4-2-System spielen wird, mit dem Finnen Teemu Pukki als zweiter Spitze neben Huntelaar. Raul wird weiterhin als hängende Spitze dahinter agieren. Das entspricht zwar nicht unbedingt der Idealvorstellung von Stevens, aber der Trainer ist pragmatisch genug, um zu erkennen, dass eine Änderungen der Taktik große Unordnung zur Folge hätte.

Raul ist derzeit die spannendste Personalfrage, die es noch im Januar zu klären gilt. Der Vertrag des Spaniers läuft zum 30. Juni aus und trotz zahlreicher Absichtsbekundungen beider Seiten, die Zusammenarbeit auch über das Saisonende hinaus fortzusetzen , ist immer noch keine Einigung erzielt worden. „Ich denke, dass in einer Woche alles geklärt ist“, sagte Raul und weckte Hoffnung bei den Fans, dass er bereit sein könnte, auf Schalke zu bleiben.

Dies würde allerdings voraussetzen, dass der 34-jährige frühere Weltstar auf viel Geld verzichten müsste: Denn im Sommer läuft eine Vereinbarung zwischen Raul und Real Madrid aus, die ihm seit seinem Wechsel nach Gelsenkirchen im Sommer 2010 pro Jahr etwa zwei Millionen Euro Zusatzhonorar zu den etwa fünf Millionen garantiert, die er von Schalke über Jahr überwiesen bekommt. Auch die Schalker wollen zukünftig weniger Gehalt zahlen.

Nach dem Spiel gegen Stuttgart soll eine Entscheidung getroffen werden. Manager Horst Heldt hält sich, im Gegensatz zu Aufsichtsratchef Clemens Tönnies, der unverändert Optimismus verbreitet („Raul ist schon auf Schalke verwurzelt“) mit Prognosen auffällig zurück. „Auch Raul wird sicher nicht ohne Forderungen sein“, sagt er im Hinblick auf die kommenden Gespräche.

Keine schnelle Entscheidung ist dagegen bei Jefferson Farfan in Sicht. Das Angebot für eine Vertragsverlängerung, dass die Schalker dem Peruaner unterbreitet haben, hat Heldt zurückgezogen. Zu einer Einigung könnte es dennoch kommen. Es sei schließlich „legitim“, so Heldt, dass Farfan, der für eine Verlängerung ein Handgeld von 14 Millionen Euro gefordert haben soll , das Schalker Angebot „gegen prüft“. Grundsätzlich sei Schalke unverändert gesprächsbereit.

Auch unabhängig von den ungelösten Fällen Farfan und Raul betrachten sich die Schalker nicht unbedingt als Topfavorit auf die Meisterschaft. Für Huntelaar beispielsweise werde die Stabilität ein entscheidender Faktor im Titelrennen sein. „Da sind uns die Bayern und auch Dortmund noch ein bisschen voraus“, sagte der Torjäger, um sich aber zumindest noch ein Hintertürchen offen zu lassen: „Trotzdem liegen wir nur drei Punkte hinter den Bayern.“