Bundesliga-Dino

Arnesen sieht seine Ziele mit dem HSV in Gefahr

Der Sportdirektor aus Dänemark stößt bei den Verträgen mit Investoren auf Widerstand eines Teils der HSV-Mitglieder. Da kann ihn der große Applaus nicht trösten.

Foto: dpa / dpa/DPA

Nach der ersten Mitgliederversammlung im Verlauf seiner Amtszeit als Sportdirektor des HSV hätte sich Frank Arnesen wie ein strahlender Sieger fühlen können.

Er war von den Anhängern im Saal 1 des Congress Centrums Hamburg (CCH) mit großem Beifall bedacht worden, eine Reihe von Rednern lobten seine bisherige Arbeit und es wurde gerühmt, dass er den Job in der Hansestadt überhaupt antrat, obwohl ihn der einstige Vereinsboss Bernd Hoffmann unter ganz anderen Voraussetzungen zum HSV gelockt hätte: Statt einen zweistelligen Millionenbereich investieren zu können, wie es ihm avisiert worden war, sah sich Arnesen gezwungen, möglichst hohe Einsparungen vorzunehmen.


Lob für das Herzblut der HSV-Mitglieder

Die freundlichen Worte und der donnernde Applaus freuten den 55-Jährigen, keine Frage. Er bedankte sich dafür und betonte, wie „fantastisch“ es sei, mit wie viel Herzblut die Mitglieder das Geschehen im Verein begleiten würden.

Doch Arnesen wirkte nach dem Ende der Veranstaltung nicht wie ein strahlender Sieger. Nein, er blickte immer wieder nachdenklich ins Auditorium. Zum ersten Mal wurde ihm deutlich vor Augen geführt, welche Probleme ihm die Struktur des Vereins bei der Ausführung seiner Arbeit bereiten könnte.

Mit Schrecken stellte der Däne fest, wie heftig sich ein Teil der Mitglieder gegen die Einbindung von Investoren zur Wehr setzt. Immer und immer wieder wurde der im Sommer 2010 zwischen Hoffmann und Klaus-Michael Kühne geschlossene Vertrag kritisiert.

Der Hamburger Milliardär und glühende HSV-Anhänger mit Wohnsitz in der Schweiz hatte Hoffmann damals aus seiner Privatschatulle 12,5 Millionen Euro zur Verfügung gestellt, damit Einkäufe und Vertragsverlängerungen umgesetzt werden konnten.

Im Gegenzug wurde Kühne jeweils ein Drittel der Transferrechte an den Profis Heiko Westermann, Paolo Guerrero, Dennis Aogo, Marcell Jansen und Dennis Diekmeier sowie Amateurkicker Lennard Sowah übertragen.

Ein Teil der Mitglieder witterte daher höchste Gefahr, dass „ihr“ Verein nun Stück für Stück verkauft werde, es entbrannte eine hitzige Diskussion, die ihren Anteil daran hatte, dass Hoffmann entscheidend an Rückhalt verlor und Mitte März vergangenen Jahres aufgeben musste. Vor allem wurde ihm vorgeworfen, dass er nicht umfassend über die Vereinbarung mit Kühne informiert hatte.

Auch der Geschäftsmann rückte in den Fokus der Kritik, obwohl er sich ebenso umgehend wie deutlich zu seinen Ambitionen äußerte: „Ich gehe überhaupt nicht davon aus, dass ich mein investiertes Geld in vollem Umfang wiederbekomme. Ich will ja gar nicht, dass die Spieler verkauft werden.“

Der 74-Jährige brachte sogar Verständnis dafür auf, dass er für sein Engagement beim HSV angefeindet wurde. Er könne mit Kritik umgehen und verstehe die Unsicherheit der Fans, die natürlich nicht immer das Projekt in Gänze durchschauen könnten.

Zudem versicherte Kühne, dass er keinesfalls das Ziel verfolge, ein Mitspracherecht zu erkaufen: „Ich habe weder Zeit noch Lust, einen Fußballverein mitzuregieren. Niemand braucht sich sorgen, dass ich mitreden will. Ich will dem Verein zum Erfolg verhelfen, das sind meine Gründe.“


"Sechser mit Zusatzzahl für den HSV"

Hoffmann bezeichnete seinen Deal mit Kühne als einen „Sechser mit Zusatzzahl“ für den HSV – und Arnesen schließt sich voll und ganz dieser Einschätzung an. Er traf sich bereits mit dem Investor, gleiches gilt für Trainer Thorsten Fink, und der Vorstandsvorsitzende Carl-Edgar Jarchow verriet, „engen Kontakt“ zu Kühne zu halten.

Anfang Januar sprach Arnesen dann erstmals ganz offen darüber, die Beziehungen mit dem Investor ausbauen zu wollen, um den Profikader im Hinblick auf die kommenden Jahre verstärken zu können: „Als HSV müssen wir sehr dankbar sein, einen Partner wie ihn bekommen zu können, der bereit ist, 100 Prozent Risiko einzugehen.

Denn wenn ein Geschäftsmann in einen Fußballspieler investiert, kann das Geld von einem Tag auf den anderen weg sein, zum Beispiel durch eine schwere Verletzung. Es wäre ein großes Plus für uns, Herrn Kühne an der Seite zu haben.“

Am Sonntag im Verlauf der Mitgliederversammlung im CCH wurde Arnesen deutlich vor Augen geführt, dass längst nicht alle diese Meinung teilen. So stellte Ingo Thiel – der im Januar 2009 für einen Posten im Aufsichtsrat kandidierte, dabei aber scheiterte – den Antrag auf Änderung der Satzung des Vereins. Er wollte erreichen, dass vor der Beschlussfassung durch den Aufsichtsrat über Investorenmodelle oder Verträge mit Dritten die Mitgliederversammlung anzuhören sei.

Anders ausgedrückt: Thiel fordert, dass die Mitglieder immer erst darüber abstimmen müssen, ob der Vorstand künftig die Hilfe privater Sponsoren bei der Umsetzung von Transferaktivitäten in Anspruch nehmen darf.

Für eine entsprechende Satzungsänderung hätte Thiel eine Dreiviertelmehrheit erzielen müssen, doch nach einer kurzen, aber heftigen Diskussion darüber wurde der Antrag zurückgestellt.

Entscheidung Ende Mai

Nun soll Ende Mai darüber entschieden werden. Arnesen meldete sich energisch zu Wort, um die Notwendigkeit darzulegen: „Wenn mir nicht mit einer dritten Partei, wie zum Beispiel in den Fällen Gökhan Töre und Jacopo Sala mit dem FC Chelsea (der englische Spitzenklub hält 50 Prozent der Transferrechte, d. Red.), zusammenarbeiten können, wenn wir uns selbst die Hände und Füße binden, dann haben wir ein großes Problem. Dann wird es sehr, sehr schwer, die Ziele zu erreichen, die wir uns gesteckt haben. Wir wollen uns in Europa etablieren – und dafür benötigen wir Unterstützung.“