Zoff der Tennis-Stars

Federer wehrt sich gegen Nadals Egoismus-Vorwurf

Rafael Nadal wirft seinem alten Rivalen Roger Federer Gleichgültigkeit vor. Der Schweizer weist die Kritik des Spaniers zurück.

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Das Image des perfekten Gentleman bröckelt gewaltig: Roger Federer gerät nach heftiger Kritik seiner Kollegen immer mehr ins Abseits. Nachdem Rafael Nadal seinem großen Rivalen im Streit um den vollen Terminkalender der ATP-Tour Untätigkeit und Egoismus vorgeworfen hatte, verschärfte sich der Ton am Rande der Australian Open in Melbourne am Montag weiter.

„Ich weiß nicht, warum Roger die Spieler nicht unterstützt. Federer will nichts unternehmen. Rafael Nadal und Novak Djokovic stehen dagegen zu den anderen Spielern aus den Top 100“, sagte München-Sieger Nikolai Dawydenko.

Der Russe wunderte sich über die fehlende Solidarität von Grand-Slam-Rekordsieger Federer: „Er ist perfekt. Er will nichts machen. Er versucht einfach, sich rauszuhalten“, sagte der frühere Weltranglistendritte Dawydenko.


Federer spricht von "schwierigen Monaten"

Federer wehrte sich am Montag nach seinem lockeren Auftaktsieg beim „Happy Slam“ gegen den Russen Alexander Kudriawtschew. „Man kann nicht immer einer Meinung sein. Aber grundsätzlich unterstütze ich die Meinung der Spieler. Normalerweise denke ich an die niedriger platzierten Profis, wenn ich Entscheidungen treffe“, sagte Federer und sprach im Rückblick von „schwierigen Monaten“.

Zuvor hatte der spanische French-Open-Sieger Nadal erstmals den Ehrenkodex gebrochen und seinen eidgenössischen Dauerrivalen öffentlich an den Pranger gestellt. Er sei mit Federer nicht einverstanden. „Es ist leicht, zu sagen: Ich mache nichts, alles ist gut, und ich bleibe ein Gentleman, während sich andere verbrennen“, wetterte Nadal gegen den Präsidenten der Spielergewerkschaft und legte mit deutlichen Worten nach: „Er wird seine Karriere blühend beenden, weil er ein privilegierter Athlet ist. Aber weder Andy Murray noch Djokovic oder ich werden so aufhören können.“

Als stellvertretender Vorsitzender der Gewerkschaft setzt sich Nadal für Änderungen im Terminkalender ein - und hat dabei nicht nur Branchenführer Djokovic aus Serbien und den Weltranglistenvierten Andy Murray (Großbritannien) auf seiner Seite. Auch der Rest des Profifeldes will dem Trio offenbar treue Gefolgschaft leisten. Bis auf Federer.

Der als Saubermann bekannte Schweizer scheint keinen Grund für Aktionismus zu sehen. Der 30-Jährige äußert sich in der Öffentlichkeit nur selten negativ über den Tennissport. Kein Wunder, dass einige Kollegen dem „Maestro“ dies als Führungsschwäche auslegen.

Nadal dagegen scheint längst der heimliche Anführer der rebellierenden Profis zu sein. „Rafa“ hatte Ende des vergangenen Jahres sogar offen mit Streik gedroht, sollte der Verband der professionellen Tennisspieler ATP und der Weltverband ITF keine Lösungen finden, den Topspielern mehr Pausen zu geben.

Auch bei den US Open im September 2011 trat Nadal als Wortführer der Unzufriedenen in Aktion, als er mit deutlichen Worten eine Grundsatzdiskussion auslöste. Federer schwieg auch damals. Die Veranstalter in Flushing Meadows hatten wegen des Regenchaos in New York den Spielplan durchdrücken wollen und schickten die Akteure bei Nieselreghen auf die Courts. „Sie tun alles für die Show, aber nichts für uns. Das können wir nicht akzeptieren, denn die Gesundheit der Spieler ist wichtig für diese Show“, sagte Nadal damals und kündigte einen Kampf für die „Änderung mancher Dinge“ an.

In einer einmaligen Aktion war Nadal damals mit Murray und dem US-Amerikaner Andy Roddick in das Büro von Oberschiedsrichter Brian Earley marschiert und hatte seinen Unmut deutlich gemacht. „Der Tennis-Zirkus ist besser als die meisten anderen Sportarten. Das heißt aber nicht, dass ein paar Dinge nicht besser laufen können und dass man die Dinge nicht ändern muss, die schlecht sind“, sagte Nadal zuletzt.

Auf Konfrontationskurs bewegten sich der Paris-Gewinner und Federer bereits bei einem anderen Thema. Während Nadal für eine Weltrangliste plädierte, die erst alle zwei Jahre neu berechnet wird, um verletzte Spieler zu schützen, positionierte sich Federer gegen den Vorschlag. Die Beziehung der beiden Aushängeschilder des Tennissports war bislang von höchstem Respekt geprägt. Die harmonischen Zeiten scheinen endgültig vorbei.