"Das Geld ist weg"

HSV präsentiert Mitgliedern erschreckende Zahlen

Die große Abrechnung mit Ex-Vorstandschef Bernd Hoffmann fiel auf der Mitgliederversammlung des HSV aus. Was blieb, ist eine bittere Erkenntnis.

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Slobodan Rajkovic wirkte desorientiert. „What are we doing here?“, raunte der Abwehrspieler des Hamburger SV, als er im Congress Centrum Hamburg Platz nahm. Die Antwort dürfte die Laune des Serben, der kaum Deutsch spricht, nicht verbessert haben: Für gute Stimmung auf der mit Spannung erwarteten Mitgliederversammlung sollten er und seine Teamkollegen sorgen. Doch das war gar nicht nötig.

Das Treffen, von dem Teile der Mitgliederschar die große Abrechnung mit dem ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Bernd Hoffmann erhofft hatten, war weit emotionsloser als erwartet. Das begann schon damit, dass nur knapp über 1200 Stimmberechtigte kamen. Der Rekord liegt bei 4911 wahlberechtigten Mitgliedern im Jahr 2009; vor einem Jahr waren 2565 herbeigeeilt, um sich über die Zukunft von Hoffmann die Köpfe heiß zu reden. Acht Stunden und 50 Minuten dauerte das Spektakel damals.

Diesmal ging es gemäßigter zu, obwohl es Brisantes zu besprechen gab. Der Aufsichtsrat hatte die Amtsführung von Hoffmann, der im März 2011 aus der Position gedrängt worden war, juristisch prüfen lassen. Sechs ungeklärte Sachverhalte blieben zurück. Unter anderem ging es um 500.000 Euro, die der Vorstand dem designierten und dann doch nicht angetretenen Sportchef Urs Siegenthaler zahlte.

Auch die Zusammenarbeit mit zwei Beratungsfirmen, über die die Kontrolleure nur rudimentäre Unterlagen fanden, wurde hinterfragt.


Am Freitagabend stellte der Aufsichtsratsvorsitzende Ernst-Otto Rieckhoff eine umfangreiche Stellungnahme auf die Vereinshomepage, in der er das Verhalten von Hoffmann und dessen Vertrauten Katja Kraus als „nicht in allen Aspekten angemessen und dem Vereinsinteresse zuträglich“ beschrieb. Zugleich kündigte er aber auch an, dass der Aufsichtsrat keine juristischen Schritte gegen die beiden einleiten werde.

Auf der Mitgliederversammlung konkretisierte Aufsichtsrat Manfred Ertel die Vorwürfe. Insgesamt gehe es bei den sechs Fällen um ein Volumen von 1,7 Millionen Euro. „So etwas darf nicht sein, und so etwas darf es nie wieder geben. Wir alle haben das Recht zu erfahren, was mit dem Geld geschehen ist“, sagte er und konstatierte. „Am Ende bleibt nur eines: Das Geld ist weg, und viele Fragen bleiben offen.“


"Mir platzt hier gleich der Kragen"

Die Bitte aus dem Auditorium, die Summe aufzuschlüsseln, kam Ertel „aus juristischen Gründen“ nicht nach. Als ein weiterer Redner kritisierte, dass der Aufsichtsrat gezielte Indiskretion begangen habe, weil Informationen über die Ermittlungen gegen Hoffmann der Presse zugespielt worden waren, zürnte Ertel: „Bei aller Gelassenheit: Mir platzt hier gleich der Kragen. Hören Sie auf, Gerüchte wider besseres Wissen zu streuen!“

Die entscheidende Frage, ob die Mitglieder Hoffmann und Kraus entlasten und so auch von Mitgliederseite aus auf Regressforderungen verzichten würden, war 15.53 Uhr beantwortet. Zuvor hatte Rechnungsprüfer Klaus Manal ausgeführt, in welcher Detailarbeit er mit seinem Kollegen die Vorstandsarbeit überprüft hätte, und berichtete von fehlerhaften Reise-, Spesen- und Kilometerabrechnungen.

Er rief offen dazu auf, den alten Vorstand nicht zu entlasten. Dem kamen die Mitglieder allerdings nicht nach: Mit überwältigender Mehrheit entlasteten sie sowohl den alten Vorstand wie auch den Aufsichtsrat.

Und das, obwohl der Vorstandsvorsitzende Carl-Edgar Jarchow zuvor in seinem Bericht erschreckende Zahlen präsentiert hatte. 4,8 Millionen Euro Verlust hat der HSV im Geschäftsjahr 2010/2011 gemacht. Der Grund dafür sei gewesen, dass der Klub es nicht in den Europapokal geschafft habe.

Zudem müsse er in dieser Saison noch 14 Millionen Euro an Raten für bereits getätigte Transfers abstottern, erklärte Jarchow: „Wir mussten uns ernsthaft Sorgen um die Liquidität des Vereins machen. Deshalb galt es, wichtige Entscheidungen zu treffen und Einsparungen vorzunehmen. Wir laufen Gefahr, auch dieses Geschäftsjahr nicht wie erhofft mit einer schwarzen Null abzuschließen.“