Biathlon-Weltcup

Neuner schießt auf falsche Scheiben und muss weinen

Das Stehendschießen beim Verfolgungsrennen der Biathleten in Nove Mesto begann Magdalena Neuner als Erste. Doch dann unterlief ihr ein folgenschwerer Fehler.

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Nach ihrem peinlichen Blackout am Schießstand flossen bei Magdalena Neuner die Tränen. Kaum im Ziel, verließ die Rekordweltmeisterin kopfschüttelnd das Stadion und flüchtete wortlos in die Kabine. "Ich musste erstmal kurz heulen, ich geb’s ehrlich zu", sagte Neuner, nachdem sie sich wieder gefangen hatte: "Das ist mir noch nie passiert und richtig ärgerlich."

Die Doppel-Olympiasiegerin hatte am Schießstand auf die falschen Scheiben geschossen und verschenkte durch das "Crossfire" in Führung liegend beim Verfolgungsrennen im tschechischen Nove Mesto ihren 29. Weltcupsieg. Mit insgesamt acht Schießfehlern reichte es nach einer Energieleistung in der Loipe hinter Siegerin Tora Berger aus Norwegen mit 1:26,4 Minuten Rückstand trotzdem noch zum siebten Rang.

"Ich war total konzentriert und fokussiert, was grundsätzlich richtig ist. Aber es waren eben die falschen Scheiben", sagte Neuner, die sich den Fehler kurz nach dem Wettkampf selbst nicht erklären konnte.

Auf Position eins liegend lief Neuner gewohnt ruhig an den Schießstand und nahm die Scheiben ins Visier - aber es waren die falschen. Stehend auf Bahn eins zielte Deutschlands Sportlerin des Jahres auf die Ziele von Bahn zwei. Dort fielen die ersten vier Scheiben, wurden aber regelkonform als Fehler angerechnet.

Erst vor dem letzten Schuss bemerkte Neuner den bitteren Fauxpas, nahm die richtige Scheibe ins Visier - und traf wieder. In der Folge ging es viermal in die 150 Meter lange Strafrunde.


"Immer mehr Wut im Bauch"

"Im Laufe der Strafrunden habe immer mehr Wut im Bauch gehabt und wollte nur noch so schnell rennen, wie es geht. Das ist mir auch gelungen", sagte die zehnmalige Weltmeisterin, die auch Bundestrainer Gerald Hönig schockiert hatte.

"Ich habe nicht gesehen, ob bei ihr etwas war. Ich weiß nicht, ob sie sich in Richtung Scheibe falsch eingestellt hat", sagte Hönig: "Ich habe es nach dem zweiten Schuss gemerkt. Da ist man machtlos als Trainer. Das ist sehr ärgerlich, sie hat sauber geschossen." Hönig konnte nur wenige Meter entfernt nicht einschreiten, weil er während des Schießens keinen Kontakt zu seiner Athletin aufnehmen darf.

Nachdem sich die 24-Jährige aus Wallgau auch im letzten Schießen drei Fehler geleistet hatte, waren alle Chancen auf eine vordere Platzierung dahin. "Ich habe nur noch drauf gepfeffert und gedacht: ’Ah, diese blöden Scheiben’. Das ist klar, dass da nichts mehr geht", sagte Neuner, die ihre Karriere nach der Saison beenden wird.

Neuner, die mit 35 Sekunden Rückstand auf die russische Sprint-Siegerin Olga Saizewa ins Rennen gegangen war, hatte in Nove Mesto zuvor für die besten deutschen Leistungen gesorgt und war erneut beste DSV-Athletin. Im Sprint und dem Einzelrennen belegte sie jeweils Rang drei und konnte dadurch die Führung im Gesamtweltcup festigen. Erst zum dritten Mal in dieser Saison reichte es bei insgesamt zwölf Rennen nicht für einen Platz auf dem Podium.

Für ein ordentliches deutsches Ergebnis zum Abschluss des Weltcups von Nove Mesto sorgten in der Verfolgung Andrea Henkel (Großbreitenbach/8.) und Miriam Gössner (Garmisch/11.). Tina Bachmann (Schmiedeberg) wurde 29.

Sprintweltmeister Arnd Peiffer hat für einen versöhnlichen Abschluss des Weltcups gesorgt. Der 24-Jährige aus Clausthal-Zellerfeld leistete sich im Verfolgungsrennen über 12,5 km drei Schießfehler und landete nach einer Jury-Entscheidung 10,1 Sekunden hinter dem russischen Tagessieger Anton Schipulin (34:50,8 Minuten/1 Schießfehler) auf Rang zwei. Ebenfalls auf Platz zwei wurde der Franzose Martin Fourcade (13,5 Sekunden Rückstand/3) gewertet, Platz drei blieb unbesetzt.

"Es hat heute gut funktioniert, aber gerade am Schießstand musste ich ganz schön kämpfen", sagte Peiffer, der die stärkste Laufleistung des Feldes zeigte. Peiffer erhielt dabei im Ziel eine Zeitgutschrift von 20 Sekunden, da es bei seinem dritten Schießen einen technischen Fehler gegeben hatte. Ein vermeintlicher Fehlschuss erwies sich als Treffer, sodass sein Ergebnis von Rang fünf auf zwei korrigiert wurde.

Andreas Birnbacher (Schleching/5 Schießfehler) landete als zweitbester DSV-Skijäger auf Platz zwölf. Dahinter folgte Simon Schempp (Uhingen/5) auf Rang 28 direkt vor Erik Lesser (Frankenhain/4). Florian Graf (Eppenschlag/4) beendete das Rennen auf der WM-Strecke von 2013 auf dem 37. Platz.