Fussball im Internet

Die peinliche Bundesliga-Doppelmoral der ARD

Das Kartellamt hat gestattet, die Zusammenfassung der Bundesligaspiele auch im Internet zu zeigen. Die ARD zetert, dabei darf sie eigentlich nicht meckern.

Foto: dapd / dapd/DAPD

Das öffentlich-rechtliche Fernsehen ist eine kauzige Einrichtung. Finanziert werden ARD und ZDF über Zwangsgebühren, die von einer eigenen Exekutive („GEZ“) eingetrieben werden. Über das Ergebnis wird spätestens dann debattiert, wenn im Ersten und Zweiten wieder einmal zeitgleich Volksmusik zur besten Sendezeit kommt. Abgewürgt wird die Diskussion meist mit dem Hinweis auf das Recht zur freien Programmgestaltung.

Nun aber droht die freie Marktwirtschaft, sich in die Planung der ARD einzumischen. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) wird demnächst die Fernseh-Rechte an der Bundesliga ausschreiben. Und das Kartellamt hat erstmals gestattet, die erste Zusammenfassung der Spiele auch exklusiv im Internet zu zeigen . Das wiederum würde das Ende der „Sportschau“ bedeuten.

Diese Entscheidung, kritisierte nun die ARD-Vorsitzende Monika Piel, sei „nicht im Sinne der Zuschauer“, weil insbesondere in ländlichen Gebieten mitunter die technischen Voraussetzungen fehlen würden, um Web-Fernsehen zu empfangen. Für eine Institution, die die Menschen pauschal abkassiert, selbst wenn sie nur ein Radio besitzen, eine ziemlich dünne Argumentation.

Die wahren Gründe dürften woanders liegen. Das „Erste“ fürchtet wohl eher, in Zukunft für die 100Millionen Euro, die derzeit für die Rechte an der ersten Zusammenfassung gezahlt werden, nichts mehr zu bekommen. Dass Firmen wie Google, Yahoo oder Großverlage in das Bieterrennen einsteigen werden, scheint die ARD zu verschrecken, die bisher unter dem Schutz des Kartellamtes ein gemütliches Dasein führte.

Außerdem zeugt das Anprangern einer angeblichen Grenzüberschreitung von Doppelmoral. Gerade die öffentlich-rechtlichen Sender überschritten zuletzt massiv ihren Grundversorgungsauftrag, indem sie mit textbasierten (und gebührenfinanzierten) Internetseiten wie „tagesschau.de“ oder „sportschau.de“ in das Hoheitsgebiet der Verlage eindrangen.