Abgewählt

VfB-Stürmer Cacau ist nur der Liebling der Fans

Bittere Pille für den bei den Bundesliga-Fans so beliebten Cacau: Er verliert sein Amt als stellvertretender Kapitän und wird aus dem VfB-Mannschaftsrat gewählt.

Foto: Bongarts/Getty Images / Bongarts/Getty Images/Getty

Er genießt hohes Ansehen in der Öffentlichkeit. Erst kürzlich wurde Cacau, dem Stürmer des VfB Stuttgart, bei einer Umfrage der Deutschen Fußball Liga die größte gesellschaftliche Vorbildfunktion zugebilligt, noch vor Raul von Schalke 04 und Shinji Kagawa von Borussia Dortmund. Bei seinen Teamkollegen aber steht der Familienvater von zwei Kindern und gläubige Christ längst nicht mehr so hoch in der Gunst: Er hat unter der Woche sein Amt als Stellvertreter des Kapitäns verloren und wurde nicht einmal mehr in den fünfköpfigen Mannschaftsrat des Bundesliga-Klubs gewählt. Dem gehören nach einer Abstimmung nun Christian Gentner, Matthieu Delpierre, Georg Niedermeier und Serdar Tasci an, der zugleich Nachfolger von Kapitän Delpierre wurde. Damit ist die Hackordnung eine Woche vor dem Rückrunden-Auftakt bei Schalke 04 durcheinander geraten.

Für Cacau ist das eine bittere Pille, die er nicht ohne Grund schlucken muss. Nach Auffassung seiner Kollegen suchte er in der Vergangenheit zu oft die Chance, selbst ein Tor zu erzielen, anstatt den Ball zum besser postierten Nebenmann zu spielen. Deshalb hatte Kollege Martin Harnik im vergangenen Herbst öffentlich Egoismusvorwürfe gegen Cacau erhoben. Offenbar hatte er damit einem großen Teil des Kaders aus der Seele gesprochen, denn bei der Wahl bekam er von den Mitspielern jetzt mehr Stimmen als der von ihm kritisierte Cacau.


Stürmer brauchen gesunden Egoismus

Abspielen oder selber schießen – es ist ein schmaler Grat für jeden Stürmer. „Diese Entscheidung trifft ein Spieler in Sekundenbruchteilen. Ich treffe sie immer, wenn ich mich frage: Was ist das Beste für die Mannschaft? Und nicht: Was ist das Beste für mich?“ erklärte Cacau kürzlich. Gesunder Egoismus gehöre zu jedem Stürmer, jedoch sei es abwegig, ihm deshalb zu unterstellen, nur für sich allein zu spielen. „Die Egoismusvorwürfe gegen mich sind das, was mich am meisten stört. Denn hier wird mein Charakter infrage gestellt“, sagte Cacau.

Entsprechend geknickt reagierte der 30-Jährige auf die Abstimmung im Trainingslager Belek, in dem er nach zuletzt schwachen Leistungen aufgeblüht war. In einer Stellungnahme zu seiner Abwahl erklärte er auf der VfB-Homepage: „Ich bin natürlich schon etwas enttäuscht. Aber nichtsdestotrotz werde ich auch in Zukunft auf und neben dem Platz Verantwortung übernehmen.“