Bundesliga-Titelkampf

So jagen BVB, S04, Gladbach und Werder die Bayern

Vier Kampfansagen an den Bundesliga-Spitzenreiter: Was Titelverteidiger Dortmund, Schalke 04, Mönchengladbach und Bremen für die Rückrunde planen.

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Während Deutschland auf den Winter wartet, ist die Bundesliga ausgeflogen. Zwei Wochen vor dem Rückrundenstart haben 16 der 18 Erstligaklubs unter südlicher Sonne (oder wärmerem Regen als hierzulande) ihre Trainingslager bezogen.

Nur Augsburg und Hoffenheim sind in Deutschland geblieben. Auch die Morgenpost Online-Reporter sind ausgeschwärmt, um die Vorbereitungen zu beobachten. Wie präparieren sich die Verfolger des Spitzenreiters FC Bayern München auf die Jagd nach dem Branchenprimus?

Dortmunds Klopp verspricht eine packende Rückrunde

Wenn Borussia Dortmund im spanischen La Manga trainiert, ist der Geist von Marco Reus irgendwie schon präsent. Der spektakuläre Einkauf für die kommende Saison, der die Ambitionen des Meisters unterstreicht, auch dauerhaft um den Titel mitspielen zu wollen, elektrisiert bereits seine zukünftigen Mitspieler.

„Er passt richtig gut zu uns, weil wir eine geile Truppe zusammenhaben“, sagt Reus’ Freund Kevin Großkreutz und strahlt über das ganze Gesicht. Mario Götze brachte seine Freude über die Verpflichtung des Gladbachers sogar mit einem spontanen Kommentar beim Kurznachrichtendienst „Twitter“ zum Ausdruck: „Ab nächster Saison haben wir einen weiteren Weltklassespieler. Ich freue mich auf Marco Reus!!!“

Das Selbstbewusstsein des Meisters vor dem Rückrundenstart beim HSV ist seit Mittwoch noch größer, als es ohnehin schon war. „Wir haben uns eine gute Ausgangsbasis geschaffen, mehr kann man in der Hinrunde eigentlich nicht“, sagt Jürgen Klopp.

In 2011 hätten seine Spieler einen „Crashkurs in Sachen Erfahrung“ absolviert. Speziell das Vorrunden-Aus in der Champions League sei eine „Lehrstunde“ gewesen: „Aber wer keine Lehrstunden bekommt, kann auch nichts lernen.“

Einiges spreche sogar dafür, dass die Rückrunde noch besser werde. Im Gegensatz zum FC Bayern hat sich durch das Ausscheiden aus dem Europapokal der Dortmunder Terminkalender entzerrt. „Es ist enger, als es viele zu Saisonbeginn erwartet hätten“, erklärt Klopp.

Die Bayern seien für ihn zwar unverändert „haushoher Favorit“. Und den Gewinn der Champions League würde er ihnen „von Herzen gönnen“. Aber beim anderen Wettbewerb spiele der BVB eben auch mit, sagte Klopp: „Ich kann ja nichts dafür, dass wir in der Bundesliga noch nicht ausgeschieden sind.“

Schalke möchte Außenseiter bleiben

Als die Chauffeure anrollen, geht der Radau los. Mitarbeiter des Mannschaftshotels holen die Spieler von Schalke 04 im Trainingslager in Doha nach der Einheit mit Golfkarts ab, und auf den Fahrzeugen verhalten sich die Profis wie Schüler auf Klassenfahrt.

Jermaine Jones posiert am Steuer, Klaas-Jan Huntelaar springt drauf, alle lachen, hüpfen auf den Sitzen, schlagen mit der Hand im Takt auf das Dach. Die Stimmung beim Tabellendritten ist bestens. Lediglich drei Punkte beträgt der Rückstand auf den Tabellenführer FC Bayern, der in diesen Tagen auf derselben Anlage trainiert.

„Wer mit wem um die Meisterschaft spielt, interessiert uns nicht“, sagt Horst Heldt. Der Sportchef der Gelsenkirchener steht bei 25 Grad im Poloshirt am Trainingsplatz und raucht. Er wirkt entspannt. Wenn er das Wort „Bayern-Jäger“ hört, lächelt er. Es sei interessant zu beobachten, dass seine Mannschaft als Titelkandidat gehandelt werde. Die Schalker wollen Außenseiter bleiben, geben als Ziel für die Rückrunde einen Platz in der Champions League aus. „Wir wollen unsere gute Ausgangslage nutzen und unseren Platz halten“, sagt Heldt.

Hinter ihm joggt Jefferson Farfan um den Trainingsplatz. Er blickt zu seinen Kollegen, die auf das Tor schießen. Es wirkt wie eine Laufeinheit zur Strafe: Der Peruaner hat 14 Millionen Euro Handgeld verlangt, damit er seinen Vertrag verlängert, der Klub zog sein Angebot zurück.

Tatsächlich kann Farfan nach einer Innenband-Verletzung noch nicht mit dem Ball üben. Als Unruheherd betrachtet Heldt den Angreifer trotz der Diskussionen um den „Gierprofi“ („Bild“) nicht: „Bei uns ist alles in Ordnung.“

Auch Trainer Huub Stevens stapelt lieber tief: „Die Bayern sind die Nummer eins. Was dahinter ist, werden wir sehen. Ich denke, dass die Dortmunder stärker aus der Winterpause kommen werden, als sie hineingegangen sind.“ Und seine Mannschaft?

Ein Titelkandidat, sagt zumindest die Tabelle. „Wir sind noch nicht so weit. Das hat das Ende der Hinrunde gezeigt. Wir können vielleicht oben mitmischen. An ganz oben denke ich aber nicht“, so Stevens. Schalkes Superstar Raúl lüftet das Geheimnis der Schalker Bescheidenheit: „Es kann nur von Vorteil sein, wenn intern keiner von der Meisterschaft spricht.“

Gladbachs Favre droht

Lucien Favre mahnt gerade zur Ruhe im Umgang mit dem Ball, als mitten im Training eine andere Stimme ertönt. Die Gladbacher Spieler hören im türkischen Belek den Ruf des Muezzins. Einige müssen schmunzeln. Favre und der Muezzin, Lehrmeister und Gelehrter im Duett, auch das noch.

Favre wirkt ein wenig genervt, allerdings nicht wegen des Geistlichen. Er muss erklären, was der Wechsel von Marco Reus zu Borussia Dortmund im Sommer für Auswirkungen haben könnte. Immer wieder. „Er ist weg. Punkt. Es war nicht einfach zu verdauen, aber das hielt nur einen Tag an. Das Leben macht weiter, der Fußball macht weiter“, sagt Favre.

Es läuft ja auch gut bei den Gladbachern, so gut wie lange nicht mehr. 33 Punkte nach der Hinrunde gab es seit den 70er-Jahren nicht mehr. Tabellenführer Bayern München ist greifbar nahe. Und die Spieler, das beweist der Laktattest, haben während der Winterpause nichts an Leistung eingebüßt.

Nur an Details müsse noch gefeilt werden, sagt Favre, ansonsten seien sie „bereit für Fußball“ – und damit auch bereit für die Bayern, die sie zum Saisonauftakt am 20. Januar empfangen.

Der angekündigte Weggang von Reus, sagt der Gladbacher Sportdirektor Max Eberl , werde den Klub nicht erschüttern: „Jede Entscheidung, auch eine negative, bietet eine neue Chance.“ Das sieht auch Lucien Favre so: „Ich träume nicht. Aber wir haben uns 33 Punkte verdient, weil wir gut gespielt haben. Das war kein Zufall.“

Vielleicht ist das der große Vorteil der Gladbacher: Sie wissen, dass sie gut sind. Sie wissen, dass schon viel schieflaufen müsste, um die zehn Punkte Abstand zu einem Tabellenplatz ohne europäisches Startrecht noch zu verspielen.

Und sie wissen, dass sie keinen großen Druck haben. Die Bayern, sagt Vize-Präsident Rainer Bonhof, wollen Meister und Sieger in der Champions League werden. Gladbach will offiziell nur 40 Punkte holen. Die Leichtigkeit des Seins ist deshalb aufseiten der Borussia.

Bremen stellt seine Abwehrschwäche ab

Weil Tim Wiese und Claudio Pizarro im Trainingslager in Belek ihre Terminplanung offengelegt haben, kann Werder sorgloser in die Verfolgung der Bayern einsteigen. Torwart Wiese verkündete, er wolle Ende des Monats mit Werders Manager Klaus Allofs in die Verhandlungen über seinen im Sommer auslaufenden Vertrag einsteigen. „Ich fühle mich hier wohl und würde mich auf jeden Fall freuen, wenn ich hier weiterspielen könnte“, sagte er.

Und Torjäger Pizarro ließ wissen, dass er im Frühjahr sagen werde, ob er weiter in Bremen spielen wolle, auch sein Vertrag endet im Sommer. Dem Peruaner, mit zwölf Treffern bester Bremer Torschütze, sollen lukrative Angebote von Klubs aus der italienischen Liga vorliegen.

Die Konzentration kann so auf das eigentliche Anliegen gerichtet werden. Weil Bremen so viele Gegentreffer (31) wie ein Abstiegskandidat kassierte und ein negatives Torverhältnis aufweist, feilt Trainer Thomas Schaaf nun verstärkt am Defensivverhalten seiner Mannschaft .

Schaaf weiß, dass er in der Spitze nur ernsthaft mitmischen kann, wenn sie es versteht, besser zu verteidigen: „Wir haben in der Hinrunde zu viele Chancen zugelassen und bestrafen uns dabei immer wieder selbst. Wir sind alle gefordert, defensiv besser zu arbeiten, denn wir tun uns sonst selbst weh.“

Werder ist bereits zum elften Mal in Folge an der türkischen Riviera. Die Stimmung ist nicht überschwänglich, aber gut. Die Harmonie störte nur Verteidiger Naldo. Den Brasilianer zog es in seine Heimat zu Internacional Porto Alegre; wohl, um seine Chancen auf eine Teilnahme bei der WM 2014 im eigenen Land zu verbessern. Doch er muss in Bremen bleiben.