Franck Ribery

In geklauten Badelatschen auf dem Weg zu vier Titeln

2012 soll das erfolgreichste Jahr in Franck Riberys Karriere werden. In Doha versucht der französische Superstar des FC Bayern die Basis dafür zu schaffen.

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Das Herz des bayrischen Offensivspiels trägt eine Brillanten-Uhr und gestohlene Badelatschen. 39 steht auf den Schlappen von Franck Ribery, mit denen der Star des FC Bayern München durch die Flure des Hotels „Grand Heritage“ in Doha schlurft. Es ist die Trikotnummer von Toni Kroos. „Ich habe sie ihm geklaut, und offenbar haben wir dieselbe Schuhgröße“, sagt Ribery und grinst zufrieden.

28 Jahre ist der Mittelfeldprofi inzwischen alt, hat drei Kinder, und ist in vielen Situationen selbst noch immer ein Junge. Er will im Leben zwei Dinge: Fußballspielen und Spaß haben. Im Trainingslager in Katar gelingt ihm beides. „Wir lachen sehr viel“, sagt Ribery.

Bis Montag bereitet sich die Mannschaft hier auf die Rückrunde vor , ehe sie zu einem Testspiel nach Neu-Delhi und am Mittwoch nach München fliegt. Im ersten Test gegen SC Al-Sailiya (13:0) und im Training präsentierte sich Ribery in so guter Form wie in der Hinrunde.

Der alte Ribery ist wieder da

Der Franzose ist seit Monaten so stark wie in seinem ersten Jahr bei den Bayern, als er 2008 in Deutschland und Frankreich Fußballer des Jahres wurde. Der alte Ribery ist wieder da. „Ich habe mein Niveau zurück“, sagt er.

Bislang hat Star Ribery dem Superstar Lionel Messi vom FC Barcelona nachgeeifert. Er wolle so gut sein wie der Argentinier und einmal Weltfußballer werden, betonte der Bayern-Star früher. Persönliche Auszeichnungen bedeuten ihm viel.

Sie sind für ihn Bestätigung harter Arbeit, eine Art Zertifikat. Ehrgeizig ist er immer noch, doch es scheint, dass er sich inzwischen weniger mit anderen Ballkünstlern vergleicht. Und diese Entwicklung ihm guttut. Er hat wohl erkannt: Ich bin nicht ganz so überragend wie Messi und werde es wahrscheinlich auch nicht mehr. Ich bin Franck Ribery, und das ist auch gut so. Selbstfindung eines Fußballers.

Er mag Wasserpfeifen

Eine Parallele zwischen ihm und Messi aber bleibt: Beide schaffen es nicht, in ihren Nationalmannschaften so gut zu spielen wie im Verein. Auch deswegen ist Riberys Ansehen in Frankreich teilweise nicht so hoch wie in Deutschland.

Ihn ärgert das, und er hat sich für 2012 vorgenommen, das zu ändern. „Ich hoffe, dass ich noch besser spielen kann als in der Hinrunde. Und auch in der Nationalmannschaft gute Spiele mache, so wie zu meiner Anfangszeit.“

In der Winterpause hat er in seinem Heimatort Boulogne-sur-Mer eine Shisha-Bar eröffnet, das „O’Shahiz“ nach den beiden Töchtern Shahinez und Hizya benannt. Er mag die Wasserpfeifen, raucht sie ab und zu selbst.

Weil Ribery Moslem ist, schenken die Barkeeper keinen Alkohol aus. Stattdessen gibt es Milchshakes, Tee und Cocktails ohne Rum oder Wodka. „Bei uns in der Stadt schließen die meistens Bars um zehn. Wir haben bis zwölf auf, am Wochenende sogar bis zwei“, erklärt Ribery. Für die Jugendlichen in seinem Viertel ist er schon lange ein Held, jetzt noch mehr. Lange Nächte sind ihnen dank Ribery sicher.

Der Nationalspieler selbst erholt sich abends. Wer ihn in Doha sieht, erkennt: Er ist fit. Und mit sich selbst im Reinen. „Im Kopf frei“, nennt es Ribery. Ganz anders als unter dem ehemaligen Trainer Louis van Gaal. Da sei er schon genervt gewesen, bevor das Training überhaupt begonnen habe. „Das ging gar nicht.“ Unter Jupp Heynckes sei vor allem die Kommunikation viel besser geworden.

Heynckes sagt, er wisse Ribery einfach zu nehmen. Was unter van Gaal wie ein Befehl klang, empfindet Ribery nun als väterlichen Rat. Er hilft jetzt sogar in der Defensive.

Besserung gelobt

Die Vereinsbosse sagen, dass Ribery sich zu einem echten Bayern-Spieler entwickelt habe. Ein Kindskopf wird er wohl immer bleiben, das bringt ihm viele Sympathien und auf dem Spielfeld geniale Momente. Doch Ribery fokussiert sich mehr auf seinen Beruf. Kein Sexskandal mehr, dafür mehr Verantwortung in der Mannschaft.

Seine Kollegen wissen, dass Ribery an guten Tagen zu den besten Spielern der Welt gehört. An schlechten lässt er sich von einem Verteidiger provozieren, greift ihm an den Hals und sieht Gelb-Rot, wie im letzten Hinrundenspiel gegen den 1. FC Köln (3:0) .

Ribery war an dem Tag gereizt, weil ein Gericht entschieden hatte, dass er ausstehende Provisionszahlung an einen ehemaligen Berater in Höhe von drei Millionen Euro überweisen muss. Ribery gelobt, dass so etwas nicht wieder verkommt. „Er trainiert so gut. Vielleicht weiß er gar nicht, dass er im ersten Rückrundenspiel gegen Gladbach gesperrt ist“, scherzt Trainer Heynckes.

"Schau’n mer mal“

Riberys Eifer hat einen einfachen Grund: Er kann 2012 zu dem erfolgreichsten Jahr seiner Karriere machen, hat die Chance auf vier Titel: Meisterschaft, Pokal, Champions League und Europameisterschaft. „Wir wissen, dass in den nächsten Monaten sehr viel möglich ist“, sagt er.

Ribery sieht sich gern die Spiele von Real Madrid und dem FC Barcelona an. Champions League, der Klub der Besten, Millionen am Fernseher – das ist Riberys Welt. Er glaubt, dass der Unterschied zum Favoriten Barcelona nicht mehr so groß ist wie vor ein paar Jahren. „Aber auf einem Niveau sind wir noch nicht.“

Klappt es trotzdem mit dem Traum vom Erreichen des Finales in München am 19. Mai ? Den wichtigsten Klubpokal im eigenen Stadion zu gewinnen? „Schau’n mer mal“, sagt Ribery.

Wer spielt wie er und als Franzose auch noch spricht wie Franz Beckenbauer, kann in München viel erreichen.