Thomas Müller

"2012 wird für den FC Bayern und Deutschland gut"

Münchens Nationalspieler Thomas Müller spricht im Interview mit Morgenpost Online über den Titelkampf in der Bundesliga, die Champions League und seine Ziele.

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Morgenpost Online: Herr Müller, haben Sie sich in der vergangenen Saison die Meisterfeier von Borussia Dortmund angesehen?

Thomas Müller: Nee. Wo kam die?

Morgenpost Online: Im WDR.

Müller: Empfange ich nicht.

Morgenpost Online: Auch in dieser Saison scheint der BVB wieder größter Konkurrent im Meisterschaftskampf zu sein. Gibt es in Ihrer Familie Dortmund-Fans?

Müller: Ja, meinen Onkel. Aber der ist umgeben von Bayern-Fans. Vergangenes Jahr hat er ein bisschen feiern und angeben können. Deswegen schadet es nicht, wenn ich und die anderen bald wieder ein bisschen Gas geben können. (lacht)

Morgenpost Online: Der FC Bayern hat zuletzt zwei Mal in Folge zuhause gegen die Borussia verloren.

Müller: Ich weiß noch, wie ich nach der Niederlage in der Hinrunde im Auto nach Hause gefahren bin, da gab es alle halbe Minute einen Riesenfluch. Aber wir haben die Schwächephase überstanden und können positiv nach vorne schauen.

Morgenpost Online: Was gefällt Ihnen an den Borussen?

Müller: Sie spielen einen attraktiven Fußball, haben technisch sehr gute und schnelle Spieler . Sie verteidigen blendend und haben ein gutes Gesamtpaket. Dass die Dortmunder wieder mit oben dabei sind, ist kein Zufall. Sie sind gefährlich. Da müssen wir auf der Hut sein.

Morgenpost Online: Kann Mönchengladbach zum Titelkonkurrenten werden?

Müller: Die Gladbacher sind zumindest nicht durch eine Glücksserie dorthin gekommen, wo sie jetzt stehen. Da steckt System dahinter. Man schießt schwer Tore gegen sie. Mit denen ist zu rechnen. Aber der große Konkurrent bleibt Dortmund.

Morgenpost Online: Was haben Sie sich für 2012 vorgenommen?

Müller: Wir stehen in allen drei Wettbewerben ganz gut da. Es ist natürlich mein Ziel, etwas zu gewinnen. Die Zeichen stehen gut, dass 2012 für den FC Bayern und ganz Fußball-Deutschland ein gutes Jahr wird.

Morgenpost Online: Ist die Champions League wichtiger als die deutsche Meisterschaft?

Müller: Wenn man sich eins aussuchen könnte, würde ich vielleicht sagen: Ich nehme die Champions League . Aber man will ja alles! Im vergangenen Jahr haben wir die Meisterschaft mit Abstand verpasst. Deswegen sind wir jetzt in der Pflicht, es wird dieses Jahr Zeit. Es wäre eine Riesenenttäuschung, wenn wir es nicht schaffen. Mit der Mannschaft und den Voraussetzungen ist das etwas, das nicht passieren darf.

Morgenpost Online: In der Hinrunde gab es sehr viel Lob. Ist der FC Bayern schon auf einem Niveau mit dem FC Barcelona und Real Madrid?

Müller: Im Freundschaftsspiel haben wir gegen Barcelona 0:2 verloren, deswegen sind wir da scheinbar noch unterlegen.

Morgenpost Online: Die Konkurrenz im Mittelfeld ist groß. Arjen Robben und Franck Ribery sind fit, einer von ihnen drei muss wohl raus. Haben Sie Angst, dass es Sie treffen könnte?

Müller: Nein. Angst ist das falsche Wort. Natürlich gibt es da einen Konkurrenzkampf . Aber nicht außerhalb des Platzes. Mit dem Trainer habe ich nicht über meine Position gesprochen. Ich will mich einfach anbieten.

Morgenpost Online: Das klingt sehr zurückhaltend, als Torschützenkönig der WM und als jemand, von dem Ihr damaliger Trainer Louis van Gaal sagte: Der muss immer spielen.

Müller: Klar will ich immer spielen. Deswegen stelle ich mir die Frage nicht, dass ich jetzt auf die Bank muss. Das ist in meinem Gedankengut gar nicht drin, weil ich von mir verlange, dass ich immer spiele.

Morgenpost Online: Sie haben in der Hinrunde schon draußen gesessen.

Müller: Wenn der Trainer Gründe hat einen anderen spielen zu lassen, dann sitzt man natürlich erstmal da: Wieso jetzt? Oder: Hoppla!

Morgenpost Online: Sie haben mal gesagt: „Wenn einer sagt, dass ich noch zehn Jahre bei Bayern bleibe, dann unterschreibe ich sofort.“

Müller: Ja. Weil das ja heißen würde, dass ich ein ganz gutes Niveau gehabt habe.

Morgenpost Online: Glauben Sie, dass ein guter Spieler ins Ausland wechseln muss?

Müller: Nein. Wenn man bei Bayern auf einem international hohem Niveau spielt, und das Ziel internationale Titel sind, dann braucht man nicht woanders hinzugehen. Im Moment beschäftige ich mich überhaupt nicht damit, ob es einen nächsten Schritt geben kann, weil der FC Bayern im Moment auch in Europa als Verein sehr viel Anerkennung hat. Ich habe keinen Karriereplan.

Morgenpost Online: Wie stehen die Chancen, dass eine Bayern-Mannschaft heranwächst, die eine Ära prägt?

Müller: Gut. Es sind viele deutsche Spieler da, die hier groß geworden sind, mit denen sich die Fans wunderbar identifizieren können. Wir haben, ähnlich wie Barcelona oder bei Manchester United eine gute Basis, die mit ausländischen Top-Stars verstärkt wurde. Viele wichtige Spieler haben langfristige Verträge. Wir haben einen guten Kader, daher bin ich sehr zuversichtlich. Ich will hier etwas prägen.