Hamburger SV

Westermann glaubt noch an den Weg nach Europa

HSV-Kapitän Heiko Westermann spricht bei Morgenpost Online über die Rückrunde, die Gründe für den Aufwärtstrend und sein Gespräch mit dem Bundestrainer.

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Seit Heiko Westermann (28) vor anderthalb Jahren einen Vertrag bis zum 30. Juni 2015 beim Hamburger SV unterschrieb, war er in allen 51 Bundesligaspielen von der ersten bis zur letzten Minute dabei.

Trainer Thorsten Fink lobt den Hamburger Abwehrchef als „echtes Vorbild“ und „wichtigen Eckpfeiler“ der Mannschaft.

Morgenpost Online: Herr Westermann, jetzt mal ganz ehrlich: Gehen Ihnen die Kollegen schon auf die Nerven?

Heiko Westermann: Wir sind ja erst seit Mittwoch in Marbella, da steht die Freude über das gute Wetter und die hervorragenden Bedingungen im Vordergrund. Wir fühlen uns wohl und konzentrieren uns auf die Arbeit. Lagerkoller dürfte sich daher frühestens am Tag vor der Abreise einstellen, wenn sich alle darauf freuen, nach Hause zu kommen.

Morgenpost Online: Sie teilen ein Zimmer mit Dennis Aogo. Gibt es außer Fußball noch andere Themen, die besprochen werden?

Westermann: Natürlich beschäftigen wir uns mit gesellschaftlichen und politischen Dingen. Wenn man sich die Nachrichten anschaut, gibt es ja reichlich Themen, die es zu diskutieren gilt. Zum Beispiel das Theater um Bundespräsident Wulff . Aus meiner Sicht ist das Mist, was in den Medien abläuft, wie die Leute über ihn herziehen. Private Sachen, die nichts mit dem Beruf zu tun haben, sollten öffentlich nicht ausgeschlachtet werden. Das sind Themen, über die wir sprechen.

Morgenpost Online: Würden Sie Aogo als einen vernünftigen und realistischen Menschen bezeichnen?

Westermann: Na klar, warum?

Morgenpost Online: Er hat die Qualifikation für den internationalen Wettbewerb als Ziel ausgegeben – in dieser Saison.

Westermann: Ich bin der Meinung, dass sich jeder im Leben hohe Ziele setzen und den Ehrgeiz entwickeln sollte, diese zu erreichen. Es ist nicht zu hoch gegriffen, wenn Dennis Aogo sagt, dass wir noch nach Europa kommen können. Wir werden auf jeden Fall alles herausholen.

Morgenpost Online: In der Hinrunde stand der HSV zwischen dem zweiten und dem zwölften Spieltag auf einem Abstiegsplatz. Sie starten auf Rang 13 in die Rückrunde.

Westermann: Es ist klar, dass wir eine schwere Hypothek mitbringen. Deshalb ist es enorm wichtig, dass wir einen guten Start erwischen. Wenn wir zum Auftakt Dortmund schlagen, dann ist für uns alles möglich.

Morgenpost Online: Wie haben Sie die Qualität der Mannschaft eingeschätzt, nachdem der HSV in Dortmund und beim FC Bayern vorgeführt worden war?

Westermann: An der nötigen Qualität im Kader habe ich nie gezweifelt , aber wir hatten anfangs große Probleme, uns als Mannschaft zu finden. Vielleicht waren zu viele Spieler zu sehr mit sich selbst beschäftigt, da hat das Team nicht funktioniert. Aber das ist viel besser geworden, es herrscht richtig gute Stimmung.

Morgenpost Online: Hatten Sie Angst davor, dass der HSV zum ersten Mal seit Gründung der Bundesliga absteigen würde?

Westermann: Nein, Angst hatte ich nicht. Aber es ist klar, dass du dir in so einer schwierigen Situation darüber Gedanken machst, wie es weitergeht. Das war sicherlich eine sehr bedrückende Phase. Das ist vorbei, wir haben die Wende geschafft.

Morgenpost Online: Was war der Knackpunkt?

Westermann: Thorsten Fink hat uns das Vertrauen in die eigene Stärke zurückgegeben, Struktur innerhalb der Mannschaft geschaffen. Wichtig war, dass die Verantwortlichen in dieser schweren Zeit die Ruhe bewahrt haben. Vorstandschef Carl-Edgar Jarchow hat das ausgestrahlt, und mit Sportdirektor Frank Arnesen hatte die Mannschaft einen starken Mann an ihrer Seite. So hat der Verein diese Phase überstanden, ohne in Panik zu geraten. So sind wir eng zusammengewachsen.

Morgenpost Online: Sie sind im Sommer 2010 von Schalke 04 nach Hamburg gekommen und erlebten in diesem Zeitraum inklusive der Interimslösungen fünf Trainer …

Westermann: Das ist richtig, aber ich bin davon überzeugt, dass der HSV in der aktuellen Konstellation auf Kontinuität setzen wird. Da ziehen alle an einem Strang, jeder bringt sich ein, um den Klub zurück an die Spitze zu führen. Fink hat eine klare Vorstellung davon, wie wir auf dem Platz auftreten sollen, das setzt er durch. Er hat ein gutes Gespür für Spieler, er ist ein Typ, der mitreißt und jeden Einzelnen motiviert. Das sind Komponenten, die nur wenige Trainer vereinen. Deshalb sind alle froh, dass er da ist.

Morgenpost Online: In der Hinrunde hatte der HSV nach den ersten sechs Spielen gegen Dortmund, Hertha BSC, den FC Bayern, Köln, Bremen und Mönchengladbach einen Punkt auf dem Konto. Wie viele werden es in der Rückrunde sein?

Westermann: Ich will mich gar nicht auf eine Punktzahl festlegen. Es werden auf jeden Fall deutlich mehr sein. Fakt ist, dass wir in der Hinrunde viele Punkte verschenkt oder liegen gelassen haben. Die wollen wir uns mit aller Macht zurückholen, mit Überzeugung auftreten – und gleich gegen Dortmund damit anfangen.

Morgenpost Online: Im Sommer steht die Europameisterschaft an. Bundestrainer Joachim Löw hat Sie zuletzt Mitte November 2010 in den Kader berufen. Wie sehen Sie Ihre Chancen, in Polen und der Ukraine dabei zu sein?

Westermann: Als die Nationalmannschaft in Hamburg gegen die Niederlande gespielt hat, habe ich mich mit Joachim Löw zum Gespräch getroffen. Er hat mir gesagt, dass die Tür für mich nicht verschlossen ist. Wenn die Leistung über einen längeren Zeitraum stabil ist, wenn es im Verein gut läuft, dann werde ich wieder eine Chance erhalten. Er kennt ja meine Qualitäten – und ich muss sie umsetzen.