Nach Reus-Verkauf

Nächstes Talent will Mönchengladbach verlassen

Die Gladbacher wollen die Millionen aus dem Verkauf von Marco Reus gleich wieder investieren. Und nun droht auch das nächste Talent den Verein zu verlassen.

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Was sollte Max Eberl auch groß lamentieren? Borussia Mönchengladbachs Sportdirektor ist viel zu sehr Realist, als dass er die Entscheidung seines Untergebenen mit Gefühlsduselei kommentieren würde. „ Das ist im Profifußball eben so “, sagte Eberl, „dass die Großen die Kleinen fressen. Da brauchen wir nicht den Anschein zu erwecken, dass wir die Regeln neu erfinden.“

Die Kleinen, dazu zählt Eberl seine Borussia, die Großen, das ist für ihn ein Klub wie Borussia Dortmund. Es ging um den Wechsel von Marco Reus . Am Dienstag war er bei den Gladbacher Oberen vorstellig geworden, hatte sie darüber informiert, von seiner Ausstiegsklausel im Sommer Gebrauch zu machen und nach Dortmund zu wechseln.

Von Transfercoup war danach die Rede, von der großen Borussia als dem großen Gewinner und der kleinen als dem Verlierer, schließlich verliert sie ihren wertvollsten Angestellten.

"Die Mannschaft bricht nicht auseinander"

Am Donnerstag, als die Gladbacher nach Belek/Türkei ins Trainingslager aufbrachen, mühten sich die Verantwortlichen redlich darum, die entstandene Unruhe von den Ihren fern zu halten. Reus wurde direkt zum Flugsteig geleitet.

Statt seiner sprachen die Kluboberen. Reus werde sich „bis zur letzten Minute den Hintern aufreißen“, sagte etwa Vizepräsident Rainer Bonhof. Er erwarte keine Auswirkungen auf seine Leistungen in der Rückrunde. Und auch Eberl baute den skizzierten Horrorszenarien, Gladbach ohne Reus sei nicht mehr als Bundesligamittelmaß, wenn überhaupt, vor. „Die Mannschaft bricht nicht auseinander, nur weil ein Spieler den Verein verlässt“, sagte er.

Es klang dann auch fast schon wie eine verbale Beruhigungspille für all die Borussia-Sympathisanten, als Eberl hinterherschob, die 17,1 Millionen Euro aus der Reus-Ablöse sollen direkt reinvestiert werden. „Wir werden versuchen, Marco Reus mit viel Geld zu ersetzen und den Kader damit zu unterfüttern, um nachhaltig in den Regionen zu spielen, die wir uns vorstellen.“

Es sind die Dimensionen, in denen sie sich momentan bewegen, die sie finanziell und sportlich exzellent dastehen lassen. Die Hinrunde der Bundesligasaison hatte Gladbach fast wundersam auf Rang vier abgeschlossen.

Um in der neuen Saison nicht international zu agieren, müsste der Klub schon eine miserable Serie hinlegen. Das europäische Geschäft würde ebenso Geld einspielen wie das nicht eingeplante Erreichen des Viertelfinals im DFB-Pokal. Hinzu kommt die Ablöse für Marco Reus. „Wichtig ist, dass jetzt kluge Entscheidungen getroffen werden“, sagte Trainer Lucien Favre.

Im Gladbacher Umfeld mahnen sie bereits, „jetzt bloß keine Durchschnittsspieler zu holen“ (Ex-Torhüter Wolfgang Kleff). Immerhin liegen große Transferirrtümer nicht weit zurück, erinnert sei nur an Federico Insua, der für 4,5 Millionen Euro 2006 zur Borussia kam und nach nur einem Jahr als völlig überschätzt wieder vom Hof gejagt wurde. Ganz in Ruhe wolle der Klub den Markt nun sondieren, sagte Eberl.

Nächster Rückschlag

Für die Borussia jedenfalls ist das eine neue Situation. Einst verdienten sie zwar Millionen mit dem Transfer von Marcell Jansen, für 14 Millionen Euro wechselte er 2007 zum FC Bayern, doch damals waren sie abgestiegen.

Jetzt aber sehen sie sich als wahrlich vorzeigbare Adresse, zumindest im nationalen Kontext. Und so mag zwar der Abgang von Reus in die Kategorie erwartbar, weil unvermeidbar fallen, der von Mittelfeldmann Roman Neustädter ist es dagegen weniger.

Diese Personalie hingegen ist der eigentliche Rückschlag in der Gladbacher Personalplanung. Auch Neustädter hat seinen Abschied bekannt gegeben; sein Vertrag im Sommer läuft aus. Von einem Wechsel zu Schalke 04 ist nun die Rede. Ein verbessertes Angebot in Mönchengladbach hatte er ausgeschlagen.

Wackelkandidat Arango

Dabei gehörte auch der 23-Jährige zu jener Reihe an jungen Spielern, die sich im Schatten von Reus zu respektablen Größen entwickelten. Der geliehene Wolfsburger Tolga Cigerci soll nun als Ersatz aufgebaut werden.

Und noch hat die Borussia in Juan Arango einen weiteren Wackelkandidaten in ihren Reihen. Der Kontrakt der venezolanischen Offensivkraft ist bis Ende Juni datiert, die vom Klub angestrebte Verlängerung noch nicht vollzogen.

„Wir müssen weiter unseren Weg gehen“, sagte Eberl „und vielleicht irgendwann dahin kommen, dass wir mit Vereinen wie Borussia Dortmund oder Bayern München konkurrieren können.“