Super-Transfer

Mit Reus versetzt Dortmund den Bayern einen Schlag

Borussia Dortmund sendet eine klare Botschaft an den FC Bayern München. Der BVB rückt dem deutschen Rekordmeister in allen Belangen wieder näher.

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Das Timing ist delikat. Am Donnerstag feiert Uli Hoeneß seinen 60. Geburtstag . Und einer der ehernen Grundsätze des mächtigsten Mannes der Bundesliga lautete stets: Die besten deutschen Spieler müssen beim FC Bayern spielen.

Marco Reus war der beste Spieler der Hinrunde. Schwerere Verletzungen nicht angenommen sollte er dieses Niveau halten, wenn nicht gar steigern können und alsbald mit Pauken und Trompeten in der deutschen Nationalmannschaft Einzug halten.

Keine Garantien

Nicht umsonst erhoben ihn auch die Bayern zu einer Transfer-Priorität. Doch anders als zuletzt etwa Manuel Neuer entschied sich Reus für seine Wurzeln, die bei ihm in Dortmund liegen .

Natürlich hätte der BVB das alles billiger haben können, wenn er Reus einst nicht aus der eigenen Jugend zum LR Ahlen hätten ziehen lassen. Andererseits musste selbst der FC Barcelona vorigen Sommer tief in die Tasche greifen, um mit Cesc Fàbregas einen verlorenen Sohn heimzuholen.

Fàbregas hat sich seitdem glänzend eingefügt, und dasselbe dürfte auch mit Reus passieren: Kein Spieler gibt mehr Garantien, als der, der im eigenen Verein ausgebildet wurde.

Über die reine Personalie hinaus beeindruckt, wie still, heimlich und professionell der BVB den Einkauf abgewickelt hat . Das erinnert tatsächlich an die Bayern und sendet gemeinsam mit dem Transfervolumen eine klare Botschaft. Auf dem Platz haben die Dortmunder den FCB zuletzt dreimal am Stück besiegt. Jetzt ist es ihnen auch auf dem Markt gelungen.

Derlei Triumphe an der Kickerbörse hat es für den BVB lange nicht gegeben. Zuletzt Anfang des Jahrtausends bei Sebastian Kehl und Tomas Rosicky oder, welch Ironie, 1998 bei Christian Nerlinger, dem heutigen Bayern-Manager, der damals ablösefrei von München nach Dortmund wechselte.

Es war die Zeit, als sich schwarz-gelb und rot-weiß auf Augehöhe befanden. Oder zu befinden schienen. Während die Münchner das Treiben um Ablösen und Gehälter aus Hoeneß’ berühmtem Festgeldkonto bestritten, musste Dortmund dafür großes Risiko gehen. Zu großes Risiko, wie man heute weiß.

BVB hat Lehren gezogen

Eine Wiederholung des damaligen Finanzcrashs sollte trotz der imposanten Ablöse für Reus ausgeschlossen sein. BVB-Geschäftsführer Watzke und Präsident Rauball betrachten die Lehren aus dem Absturz ihre Vorgänger Meier und Niebaum als Handlungsmaximen – bei ihnen genießt seriöses Wirtschaften absolute Priorität.

Doch auch wenn es diesmal nicht die Grenze zur Hybris überschreiten soll: Das Selbstvertrauen des BVB hat unübersehbar zugenommen. Man traut sich wieder was.

Gute Nachricht für die Liga

Für die Bundesliga ist das natürlich eine exzellente Nachricht. Statt einer ermüdenden, von Zufallsmeistern wie Stuttgart oder Wolfsburg nicht ernsthaft herausgeforderten Alleinherrschaft der Bayern, winkt wieder eine echte Duopolie. Dabei geht es nicht nur um Titel, sondern auch um die weichen Faktoren.

Mit seinen 80.000 Fans, mit populären Stars wie Hummels, Bender, Götze oder demnächst Reus, kann der BVB den Bayern auch in puncto Hype näher rücken. Denn der ist – neben Titelchancen und Gehältern – letztlich gemeint, wenn in der Branche von „großen Klubs“ die Rede ist.

Warten auf den Gegenschlag?

Was die Bayern von dem ganzen Deal halten, kann man sich auch ohne offizielles Statement vorstellen. Womöglich werden sie bald zum Gegenschlag ausholen; sahen sie ihre nationale Ausnahmestellung gefährdet, reagierten sie häufig mit harten Bandagen – was sie mehr als alle Neidgefühle so polarisieren lässt.

Doch wenn sie sich recht erinnern, haben auch die Münchner von dem Zweikampf mit Dortmund in den 1990er-Jahren profitiert. Die westfälische Herausforderung motivierte sie, an ihre Grenzen zu gehen. Vier Jahre nach dem BVB gewann der FCB 2001 die Champions League.

Konkurrenz belebt eben das Geschäft, und auch von Hoeneßschen Gesetzen gibt es hin und wieder Ausnahmen. Klar, das mit dem Geburtstag ist wirklich ein gemeiner Zufall. Aber bei so einem Lebenswerk lässt sich das bestimmt verschmerzen.