Biathlon

Neuners Blackout bringt deutsche Staffel um Sieg

Magdalena Neuner war mit dem deutschen Biathlon-Quartett eigentlich schon auf Siegeskurs. Dann kamen Patzer beim Stehendschießen und vier Strafrunden.

Foto: AFP

Biathlon-Rekordweltmeisterin Magdalena Neuner hat mit einem Blackout am Schießstand die deutsche Biathlon-Staffel um den sicher geglaubten Heimsieg gebracht. Zum Auftakt des Heim-Weltcups in Oberhof leistete sich die Rekordweltmeisterin in Führend liegend gleich vier Strafrunden im letzten Stehendschießen und kam vor entsetzten 19.000 Zuschauern nur als enttäuschte Vierte ins Ziel.

Das Quartett des Deutschen Skiverbandes (DSV) in der Besetzung Andrea Henkel (Großbreitenbach), Tina Bachmann (Schmiedeberg), Sabrina Buchholz (Oberhof) und Neuner (Wallgau) lag nach 4 x 6 Kilometer 1:49,4 Minuten hinter den siegreichen Russinnen. Norwegen belegte Rang zwei vor Frankreich.

Nach einem fehlerfreien Liegendschießen lag Doppel-Olympiasiegerin Neuner in Führung und klar auf Siegkurs. Doch im Stehendanschlag traf Neuner trotz dreier Nachlader nur eine einzige Scheibe - und ging danach hart mit sich ins Gericht: „Das ist blöd, ich habe es total verkackt, das kann man nicht treffender formulieren. Ich hatte eigentlich ein gutes Gefühl und habe nicht verstanden, warum die Scheiben nicht gefallen sind. Am Ende habe ich resigniert.“

Startläuferin Henkel hatte nach einer guten Vorstellung in der Loipe und nur einem Nachlader beim Liegendschießen beim zweiten Anschlag mächtig zittern müssen, doch mit dem dritten Nachlader fiel auch die fünfte Scheibe.

Bachmann mit perfektem Liegendschießen

Die Doppel-Olympiasiegerin von 2002 wechselte auf Position zwei knapp 30 Sekunden hinter Frankreich. „Drei Nachlader für den letzten Treffer waren definitiv zu viel. Ich musste mich sehr zusammenreißen, um die Strafrunde zu vermeiden“, sagte Henkel: „Auf der Strecke habe ich mich an die Anweisungen gehalten und bin nicht nach vorne gegangen.“

Einzel-Vizeweltmeisterin Bachmann setzte sich mit einem perfekten Liegendschießen an die Spitze des Feldes und konnte die Führung trotz zweier Nachlader im Stehendanschlag und eines Sturzes auf der Schlussrunde halten.

Bachmann, die mit Ohrstöpseln unterwegs war, war mit der zwischenzeitlich führenden Slowakin Jana Gerekova in einer Kurve mit den Schuhschnallen aneinandergeraten. „Der Sturz war sehr unglücklich und eine Schrecksekunde. Ich war vor dem Rennen sehr nervös und habe mich nicht sicher gefühlt“, sagte Bachmann.

Buchholz mit nur drei Nachladern unterwegs

Nach ihrer zwischenzeitlichen „Verbannung“ in den zweitklassigen IBU-Cup rechtfertigte Buchholz ihre Nominierung und war mit insgesamt nur drei Nachladern gut unterwegs. Erst auf den letzten Metern musste sie die russische Olympiasiegerin Olga Saizewa ziehen lassen und wechselte mit 1,8 Sekunden Rückstand als Zweite. „Auf der letzten Runde musste ich ganz schön beißen, aber ich bin glücklich, dass ich dagegen halten konnte“, sagte Buchholz.

Buchholz war nach dem enttäuschenden sechsten Platz im ersten Staffelrennen des Winters im österreichischen Hochfilzen für Franziska Hildebrand (Clausthal-Zellerfeld) ins Team gerutscht. Zudem verzichtete Frauentrainer Gerald Hönig erneut auf Staffelweltmeisterin Miriam Gössner (Garmisch).

Nach den Wetterkapriolen am Vortag erwischten die Staffeln fast reguläre Bedingungen. In der Nacht hatten die Organisatoren zudem 30 LKW-Ladungen Schnee aus der Skihalle auf die Strecke gebracht, um die Loipe wettkampftauglich zu machen.

Neuner im "Sturm der Liebe" zu sehen

Neuner, die in diesen Tagen im Nachmittagsprogramm der ARD in der Serie „Sturm der Liebe“ in einer Gastrolle glänzt, musste sich ihren Auftritt wegen der Vorbereitung auf die Staffel allerdings als „Konserve“ in der Mediathek ansehen. Auf der Strecke war sie zunächst genauso souverän wie vor der Kamera, doch dann erlebte Neuner den Schock in der Abendstunde.

Fortgesetzt wird der Weltcup in Oberhof am Donnerstag (18.20 Uhr/ARD und Eursport) mit der Männer-Staffel. Für den DSV gehen Simon Schempp (Uhingen), Andreas Birnbacher (Schleching), Florian Graf (Eppenschlag) und Arnd Peiffer (Clausthal-Zellerfeld) an den Start. Im vergangenen Winter hatten die deutschen Skijäger am Grenzadler einen Heimsieg gefeiert.