Trainingslager in Doha

Heynckes' Bayern sind schon wieder aggressiv

24 Grad Celsius und Vogelgezwitscher vom Band: Tabellenführer FC Bayern bereitet sich auf die Rückrunde vor und hat Großes vor.

Die Zuschauer hinter dem Tor zucken vor Schreck zusammen. „Aggressiver!“, brüllt Franck Ribery, als seine Kollegen bei einer Übung den Gegenspielern zu viel Platz lassen.

Ein Fan in arabischem Gewand lässt beinahe sein Handy fallen, so laut ist der Mittelfeldstar des FC Bayern München auf dem Trainingsgelände „Aspire Zone“ in Doha zu hören. Ribery macht deutlich: Wir dürfen nicht nachlässig werden.

Seit Beginn dieser Woche bereitet sich der Rekordmeister in Katars Hauptstadt auf die zweite Saisonhälfte vor, keine Mannschaft hat die Winterpause früher beendet. 24 Grad, perfekter Rasen, ins Teamhotel Grand Heritage können die Spieler zu Fuß gehen. Das Fünf-Sterne-Haus sieht aus wie ein Schloss in Disneyland, vor dem Training spielen die Katarer über Lautsprecher Vogelgezwitscher. Fußball-Idylle in Arabien.

Dienstagabend kam auch Rafinha in Katar an. Der Verteidiger wollte aus dem Winterurlaub in seiner Heimat Brasilien anreisen, doch den Behörden lag kein gültiges Visum vor. Rafinha musste zunächst nach Frankfurt fliegen, um dann in eine Maschine nach Doha zu steigen. Auch bei den Bayern klappt nicht immer alles. „Es war nicht sein Verschulden. Das wurde in Doha verschlampt“, sagt Trainer Jupp Heynckes.

Am Morgen hatte der 66-Jährige vor den Spielern eine Ansprache gehalten. Er betonte, dass sich ihnen in 2012 große Chancen bieten: „Wir können sehr erfolgreich sein. Es geht hier los, wir legen hier den Grundstein.“ Die Bayern sind Tabellenführer, für das Viertelfinale im DFB-Pokal und das Achtelfinale der Champions League qualifiziert. Das Endspiel steigt am 19. Mai in München. „Das werde ich wohl nur einmal erleben“, sagt Bastian Schweinsteiger .

Der Nationalspieler trainiert nach überstandenem Schlüsselbeinbruch in Katar mit der Mannschaft. Sein Fehlen hatte die Bayern in der Hinrunde phasenweise verunsichert. Heynckes’ Herausforderung: Schweinsteiger nach der langen Pause so schnell es geht, fit zu bekommen. „Bastian ist der Spieler im Mittelfeld, der den Ton angibt“, sagt der Trainer. Er ist erleichtert, dass Schweinsteiger im Testspiel gegen Al Ahly Kairo am Samstag endlich wieder spielen wird.

Warum ist Schweinsteiger so wichtig? Weil er das habe, was entscheidend für den Gewinn von Titeln sei: „Erfolgshunger“, betont Heynckes. „Bastian verkörpert den.“

Der Trainer macht ihn zum Vorbild für die Mannschaft. Trotz der vielen Länderspiele und Erfolge sei Schweinsteiger nicht satt. Gleiches gelte für Philipp Lahm, Franck Ribery und Arjen Robben. Der Niederländer hatte in der Hinrunde Unruhe ausgelöst: Wegen seiner Verletzungsanfälligkeit, und weil seine Spielart mehrfach egoistisch erschien. Heynckes bemüht sich, Robben zu stärken. „Arjen ist gut drauf. Er muss sich nun über die Testspiele die Sicherheit holen und in den Rhythmus kommen. Es wäre ihm zu wünschen, dass er lange gesund bleibt“, so Heynckes.

Die Meisterschaft sei wie ein Marathon, bei dem Borussia Dortmund der größte Konkurrent sei. Die Monate Februar, März und April seien für den FC Bayern „ganz entscheidend".

Heynckes arbeitet den ganzen Tag, um die Mannschaft auf die entscheidende Phase der Saison vorzubereiten. Sogar Breno, der im vergangenen Jahr sein eigenes Haus angezündet haben soll, hat Heynckes auf den richtigen Weg gebracht. Der Fußball-Lehrer zieht einen neuen Vertrag für den Brasilianer in Erwägung: „Er kann besser werden als je zuvor.“

Zeit für den Präsidenten bleibt bei so viel Arbeit kaum. Uli Hoeneß beschwerte sich vor kurzem, dass der Trainer und er zuletzt zu selten essen waren. „Für Ulis Linie war es vielleicht besser“, sagt Heynckes und lacht. Wer erfolgreich ist, kann sich sogar das erlauben.