Motorsport

Ex-Skispringer Malysz startet bei der Rallye Dakar

Der frühere Vierschanzentournee-Sieger Adam Malysz aus Polen hat seine Skisprung-Karriere beendet und nimmt nun erstmals an der Rallye Dakar teil.

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Seine Frau Izabella hatte sich die Zeit danach etwas anders vorgestellt. Einmal wollte sie ausgelassen Silvester feiern, bis tief in die Nacht mit Gala-Diner und Champagner. Eine Party zum Jahreswechsel blieb ihr und Adam Malysz, 34, in den vergangenen 15 Jahren verwehrt. Malysz musste auf seine Linie achten, damit er beim Neujahrsspringen nicht vom Himmel fiel. Das war der Preis, den das Paar zahlte für die Erfolge des schmächtigen Polen bei der Vierschanzentournee, die er 2001 gewinnen konnte. Sie hatten sich all die Jahre arrangiert, meist blieb Izabella mit Tochter Karolina zu Hause.

Jetzt fliegt Malysz nicht mehr und ist trotzdem weg. Er hat eine neue, nicht ganz so familientaugliche Passion für sich entdeckt. Wenn in Garmisch seine Kollegen vom Schanzentisch hüpfen, wird Malysz in ein heißes, staubiges Abenteuer aufbrechen. Er steigt auf der Startrampe im argentinischen Mar del Plata in eines der 171 Rallye-Autos und bestreitet die 14 Etappen und 8373 Kilometer bis zum Ziel der Dakar in Lima/Peru. Die Ambitionen sind ähnlich geartet wie bei Sven Hannawald, dem anderen großen Springer, der in seiner Freizeit Motorsport betreibt. „Das Ziel heißt ankommen“, sagt er. Auch wenn sich VW von der berühmten Rallye zurückgezogen hat, ist Malysz in seinem Mitsubishi Pajero krasser Außenseiter.

Immerhin bescheinigt ihm sein Co-Pilot ein gewisses Talent. „Er fährt konstant wie ein Roboter“, schwärmt Rafal Marton, mit 40 Jahren und sieben Dakar-Teilnahmen ein Routinier, über den gelernten Dachdecker mit der Jockey-Figur. Dank seiner Statur – 54 Kilogramm verteilen sich auf 1,60 Meter – besitzt Malysz Vorteile gegenüber den großteils fülligen Rallyekollegen. Sven Quandt, Teamchef der favorisierten Minis des X-Raid-Teams, ließ lange an seinen Autos tüfteln, bis sie 30 Kilo leichter wurden.

Um nicht anzusetzen, hat Malysz auch nach seinem Rücktritt im März 2011 das Fitnesstraining beibehalten. Die Rennlizenz des Weltverbandes Fia erwarb er auf Anhieb, zuvor musste Beifahrer und Trainer Marton dem einstigen Überflieger allerdings die Machoposen austreiben. Malysz pflegte mit nur einer Hand am Steuer und dem linken Arm auf der Seitentür gestützt um die Kurven zu brettern. „Ich hatte einen sehr guten Trainer, ich bin zufrieden, dass ich im Auto sitzen und fahren lernen konnte. Und auch kämpfen.“ Er bereitete sich mit Kartrennen und kleineren Rallyes auf die Dakar vor. Vor dem Marathon-Spektakel hat er Respekt. „Bei Skispringen musste ich mich nur von Sprung zu Sprung konzentrieren, bei den Rallyes musst du vier, fünf Stunden am Stück bei der Sache sein.“

Einst erging an Malysz die Einladung seines Landsmannes, Grand-Prix-Sieger Robert Kubica, gemeinsam eine Rallye zu fahren. Vor knapp einem Jahr verunglückte Kubica in Italien schwer, doch Malysz hat sich vom Unglück nicht abschrecken lassen. „Das Risiko fährt mit, aber dieses Risiko ist mir als Skispringer bekannt. Ich mache seit 27 Jahren nichts anderes als Sport“, sagt Malysz. Für seine zweite Karriere hat er sich bewusst „etwas mit Adrenalin“ ausgesucht. Erst am 15. Januar am Zielort wird sich die Spannung entladen. Dann will er feiern. Silvester nachholen. Hat er seiner Izabella versprochen. Robert Dunker