Freiburgs Sportdirektor

"Kleine Revolten haben wir im Keim erstickt"

Auch Kritik der Spieler führte in Freiburg zur Entlassung von Trainer Sorg. Sein Nachfolger glaubt, mit kleinen Änderungen den Klassenerhalt zu schaffen.

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Die Gesetze des Profifußballs gelten nun auch beim SC Freiburg: Zum ersten Mal in seiner Bundesliga-Geschichte hat sich der Verein vorzeitig von einem Trainer getrennt und Marcus Sorg nach nur einem halben Jahr im Amt freigestellt. „Dass man als Tabellen-18. schon mal den Gedanken hat, ob der Trainer noch der richtige ist, das ist nachvollziehbar. Wir wollen auf der Trainerposition einen neuen Impuls setzen, um das Letzte aus der Mannschaft herauszukitzeln“, sagte Sportchef Dirk Dufner.

Zum SC Freiburg passt, dass der Nachfolger aus den eigenen Reihen kommt. Der langjährige Nachwuchscoach Christian Streich, der die Freiburger A-Jugend 2008 zur deutschen Meisterschaft führte, wird vom Assistenten zum Chefcoach befördert und mit einem langfristigen, ligaunabhängigen Vertrag bis 2014 ausgestattet.

„Gegenüber Marcus war es vielleicht die schwierigste Entscheidung in meinem Leben“, sagte der 46 Jahre alte Ex-Profi. „Aber ich habe Ja gesagt, weil der SCF jetzt jemanden braucht, der lange hier ist und der die Unterstützung im Verein hat. Die Mannschaft lebt. Wenn wir an ein paar kleinen Schrauben drehen und in ein paar Sachen anders zusammenrücken, dann können wir unser Ziel erreichen, nicht abzusteigen.“

Zum SC Freiburg passt eher nicht, dass der sonst so auf Ruhe und Beständigkeit ausgerichtete Club seit dem Absturz auf den letzten Bundesliga-Platz ein eher chaotisches Bild abgibt. Erst vor einer Woche hatten die Freiburger bestätigt, dass sie auch die Spieler Heiko Butscher, Felix Bastians, Kisho Yano, Maximilian Nicu und Manuel Salz abgeben wollen und Yacine Abdessadki fristlos gekündigt haben.

Daran werde auch der Trainerwechsel nichts ändern, sagte Dufner. „Christian Streich war in diese Entscheidung eingebunden.“ Der frühere SC-Spieler ist nach Volker Finke, Robin Dutt und Sorg erst der vierte Trainer in der Bundesliga-Historie des Vereins.

Sorg war nach Angaben des Sportdirektors „schwer enttäuscht“ über die Entscheidung. Der 46-Jährige war erst im Juli vom Trainer der zweiten Mannschaft zum Chefcoach des Bundesliga-Teams und damit zum Nachfolger des zu Bayer Leverkusen gewechselten Dutt aufgestiegen. In den 17 Spielen der Hinrunde holte er mit den Freiburgern allerdings nur magere 13 Punkte. Zudem schied die Mannschaft im DFB-Pokal bereits in der ersten Runde gegen den Drittligisten SpVgg Unterhaching (2:3) aus.

„Marcus Sorg ist charakterlich ein besonderer Mensch. Wir haben ihm nichts vorzuwerfen“, sagte Dufner. „Aber manchmal fehlt einfach Fortune. Wir hatten das Gefühl, dass der Glaube daran, enge Spiele zu gewinnen, in der Mannschaft nicht mehr vorhanden war.“

Dufner bestätigte allerdings auch, dass einige Spieler auf ihn zugekommen seien und Kritik an Sorg vorgetragen hätten. Das Fachmagazin „Kicker“ berichtete in der vergangenen Woche, dass es dabei um Trainingsinhalte, taktische Defizite und die Form der Videoanalysen gegangen sei. „Kleine Revolten im Eigeninteresse haben wir im Keim erstickt“, betonte der Sportdirektor am Donnerstag. Aber Sorgs Position wurde durch diese Vorfälle weiter geschwächt.

„Das war ein absoluter Affront, dass so etwas in die Öffentlichkeit gelangt ist. So etwas tut man nicht, wenn man ein anständiger Kerl ist“, meinte Sorgs Nachfolger dazu. Streich betonte aber auch: „Ich bin fest davon überzeugt, dass viele Spieler in dieser Mannschaft sind, die extrem hungrig auf Erfolg sind.“ Um die Chancen auf den Klassenerhalt zu erhöhen, soll der Förderer von Ömer Toprak, Daniel Schwaab oder Sascha Riether noch Verstärkungen für die Innenverteidigung und die linke Seite erhalten. Für Torjäger Papiss Demba Cissé gibt es laut Dufner aktuell kein Angebot.