Verhökerte Trophäen

Japanische Fußballschuhe für 1,1 Millionen Dollar

Immer mehr Athleten verscherbeln Medaillen, Pokale und andere Erinnerungsstücke an ihre sportliche Karriere. Die meisten von ihnen wollen anonym bleiben.

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Mit Medaillen ist es so eine Sache. Denn nicht immer machen Ruhm und Ehre und Edelmetall glücklich. Ingrid O’Neil kennt das. Dabei war sie nie Spitzensportlerin, an sämtlichen Olympischen Spielen seit 1992 hat sie lediglich als Zuschauerin teilgenommen. O’Neil führt seit den 80er-Jahren in den USA ein Geschäft für historische Medaillen. Einmal, erinnert sie sich, "bekam ich von einem Sportler eine original olympische Silbermedaille angeboten, um sie zu versteigern. Er war so enttäuscht, dass er nicht Gold gewonnen hatte, er wollte sie nicht mehr sehen".

Der Name des Sportlers? Bleibt anonym. Natürlich. Denn was sollen wohl Freunde, Familie, Volk und Vaterland denken, wenn ein Athlet den Lohn der Mühen für einen zweiten olympischen Platz versteigern lässt, um monetären Profit daraus zu ziehen? Dabei werden bedeutende Sporttrophäen weltweit öfter versteigert als man denkt.

Meist werden sie Münzhändlern wie O’Neil über Mittelsmänner angeboten. "Die Gründe sind vielfältig", sagt die gebürtige Schwäbin, die in Kalifornien lebt: "Manche lassen ihre Medaillen erst nach Jahrzehnten im Seniorenalter versteigern, um den Erlös unter ihren Enkeln aufzuteilen und um zu vermeiden, dass die Medaillen irgendwo in der Erbmasse verschwinden. Manchen bedeuten sie schlichtweg nichts. Und andere wollen eben das schnelle Geld machen."

Begehrteste Objekte: Olympiamedaillen ab den 90er-Jahren

So wie Matti Nykänen (47), Finnlands geniales, gefallenes Skisprungidol, das erst kürzlich wegen einer Messerattacke auf seine Frau zu 16 Monaten Gefängnis verurteilt wurde. Bei den Winterspielen 1988 in Calgary war Nykänen der erste Springer gewesen, der drei Goldmedaillen bei Winterspielen einheimste. Geblieben ist ihm nichts davon – weder von den Medaillen, noch von dem Ruhm.

Grundsätzlich gilt: Je weniger echte Olympiamedaillen international im Umlauf sind, desto höher sind die aktuellen Gebote. Eine "Blaue Mauritius" ist nicht darunter, aber vor allem Gold-, Silber- und Bronzeplaketten von Winterspielen ab den 90er-Jahren erzielen hohe Preise, weil sie relativ selten sind und somit sehr begehrt.

Der eigentliche Goldgehalt spielt dabei praktisch keine Rolle, den Regeln des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) zufolge muss er lediglich sechs Gramm Minimum pro Medaille betragen. Unter Sammlern spielen vielmehr unter anderem Verfügbarkeit, Ästhetik, Alter und die Sportart eine Rolle, in der die Medaille gewonnen wurde. Einzelsportarten sind beliebter als Mannschaftssportarten. Und: Je mehr Länder auf der Welt Olympische Spiele ausrichten, desto mehr Sammlergemeinschaften kommen hinzu, was wiederum die Preise in die Höhe treibt. Siehe China nach Peking 2008.

264.500 Dollar für einen Baseball

Für 49.000 US-Dollar hat Ingrid O’Neil einmal eine Gymnastik-Medaille von 1904 versteigert. Und wenn Unternehmen für einen guten Zweck mitsteigern, können gar Preise von rund 100.000 Dollar erzielt werden, wie für eine Plakette aus Salt Lake City 2002 geschehen.

Noch in den 80er-Jahren waren vor allem Athleten aus Ostblock-Ländern rasch bereit, sich von ihren Trophäen zu trennen. "Ein paar tausend Dollar waren damals zum Beispiel für Russen viel Geld", sagt Fachfrau O’Neil, aber: "Heute will kaum ein Sammler mehr die Summen zahlen, die die Athleten von ihrem Staat für eine Olympiamedaille als Prämie erhalten."

Längst nicht nur Medaillen erzielen auf Auktionen horrende Preise. Auch für andere Sport-Memorabilien sind Sammler mitunter bereit, Unsummen hinzublättern. Der Baseball etwa, mit dem Amerikas Idol Babe Ruth seinen 702. Homerun (Rekord!) schaffte, und den er 1934 anschließend signierte, brachte auf einer Auktion vor einem Jahr unfassbare 264.500 Dollar.

Inoffizielle Rekordsumme für die ersten Basketballregeln

Nur wenige Wochen zuvor hatten zwei mit Schreibmaschine betippte Seiten Papier eine inoffizielle Rekordsumme für derlei Auktionen erzielt: Für 4.338.500 Dollar ersteigerten der US-Milliardär David Booth und seine Frau Suzanne die ersten, jemals niedergeschriebenen Regeln für ein Spiel namens "Basket Ball". 1891 hatte James Naismith 13 Grundsätze ersonnen.

Dass sie einmal derart wertvoll werden würden, hätte sich der kanadische Sportlehrer wohl ebenso wenig erträumen lassen wie Japans Fußballidol Hidetoshi Nakata die Auktionssumme eines seiner Paar Schuhe: 1,1 Millionen Euro waren einem anonymen Bieter jene Originaltreter wert, die Nakata im WM-Spiel 2006 gegen Kroatien trug. Der Erlös kam vergangenes Jahr den Opfern der Erdbebenkatastrophe in Haiti zu Gute.

Für Sammler wie für Händler solcher Memorabilia empfiehlt es sich allerdings, beim Kauf ganz genau hinzuschauen – sonst kann die Enttäuschung danach womöglich riesengroß sein. Münzexpertin Ingrid O’Neil nämlich warnt: "Mir wurden auch schon Fälschungen angeboten."