"Auszeit"

Buße kurz vorm Fest ist nicht immer von Vorteil

Mit Papi an der Seite hat sich der 20-jährige Kassenrollenwerfer von St. Pauli gestellt. Dumm nur für ihn: Mit einem Urteil ist erst im Januar zu rechnen.

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So kurz vor Heiligabend ist es höchste Zeit, die Sünden des Jahres zu gestehen. Die Wochen vor dem Fest sind tatsächlich jene, in denen am häufigsten Buße getan wird, das hat eine Studie in Italien einst belegt. Da wird offenbart, was das Zeug hält, auch fernab des Beichtstuhls. Weil selbst die weltliche Seite in den besinnlichen Tagen deutlich milder gestimmt ist.

Und so könnte man auch meinen, der junge St.-Pauli-Anhänger habe ein perfektes Timing hingelegt. Gut, im Grunde hatte er keine andere Wahl. Es gab Videomaterial von seiner Missetat, dem Kassenrollenwurf auf Frankfurts Pirmin Schwegler während des Spiels in Hamburg. Also hat er sich gestellt. Zusammen mit Papi war der 20-jährige Abiturient auf der Geschäftstelle von St. Pauli.

Natürlich wollte er Schwegler nicht treffen. Aus weiß Gott was für unerfindlichen Gründen hatte sich die Kassenrolle nur eben nicht entrollt. Und dass er sich danach in Windeseile komplett umzog, so dass er von der Polizei nicht zu identifizieren war, das war einfach nur spontane Panik, so die rührselige Erklärung.

Das einzig Dumme nur, mit einem Urteil ist erst im Januar zu rechnen. Und dann wiederum, auch das besagt die Studie, ist es vorbei mit dem großzügigem Vergeben und Verzeihen. Es gibt da die Geschichte eines österreichischen Finanzsünders. Kurz vor Weihnachten war die Verhandlung angesetzt.

Auf den Fluren duselte bereits „Stille Nacht“ über die Lautsprecher. Als der Verteidiger auf Milde appellierte, da sagte der Richter, nun gut, so kurz vor Weihnachten sei das alles sehr hart. Also vertagte er auf Januar. Und da fiel die Strafe genauso umfassend aus wie es ohne die weihnachtliche Milde in den ersten elf Monaten des Jahres eben üblich ist.