Achtelfinale

Wenn im Pokal der Harte auf den Smarten trifft

Schalkes Trainer Huub Stevens und Gladbachs Lucien Favre haben mit ihren Teams die Hinrunde geprägt. Am Mittwoch treffen sie im DFB-Pokal aufeinander.

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Nicht mal ein halbes Jahr ist es her, da wurden 24 Busse und zehn Müllfahrzeuge in Mönchengladbach aufwendig mit dem Slogan „Borussia! Jetzt erst recht!“ beklebt. Der ortsansässigen Borussia drohte der Abstieg aus der Bundesliga, und da galt es, dem Traditionsverein in den schweren Stunden symbolisch den Rücken zu stärken. Es war eine von vielen Aktionen, die sich auszahlen sollten. Die Borussia sicherte sich über zwei Relegationsspiele noch den Klassenerhalt.

Wenn Gladbachs Anhänger am Mittwoch zum DFB-Pokalspiel gegen Schalke 04 (20.30 Uhr/ARD und Sky) in den Borussenpark fahren, werden die Busse wieder verziert sein. Nur diesmal lautet das Motto „Borussia! Jetzt geht’s weiter!“. Es ist der Aufruf an eine Mannschaft, die die Hinrunde sensationell auf Platz vier beendet hat und nun im Pokal die nächste Hürde überspringen soll.

„Borussia Barcelona“ titelte eine Regionalzeitung

„Der Pokal ist der schnellste Weg nach Europa, deswegen werden wir alles dafür tun, eine Runde weiterzukommen“, sagt Gladbachs Verteidiger Martin Stranzl vor dem Duell der Überraschungsteams der Hinrunde. Sowohl Gladbach als auch der Tabellendritte Schalke haben die erste Saisonhälfte geprägt – und in Lucien Favre (Gladbach) und Huub Stevens (Schalke) Trainer, die nachhaltigen Eindruck hinterlassen haben. Der sportliche Erfolg ist eng mit ihren Namen verbunden.

„Borussia Barcelona“ hatte eine Regionalzeitung jüngst über Mönchengladbach getitelt, und der englische „Guardian“ hatte das übernommen. Weil auch die Favre-Borussia jene Ansätze pflegt, die der FC Barcelona mitunter in Perfektion vorführt. Das schnelle Kurzpassspiel etwa mit minimalen Kontaktzeiten. Favre gefällt dieser Vergleich. Barcelona ist für ihn das Nonplusultra, einst hat er unter Johan Cruyff hospitiert. „Mich macht das natürlich stolz“, sagt er.

„Schnelligkeit im Kopf und in den Beinen“

Im Februar war Favre nach Gladbach gekommen. Was sich seitdem vollzog, wird gern mit Wunder beschrieben. Favre sieht es als Ergebnis akribischer Arbeit. Die Abwehr stabilisieren, das war die erste Phase seines Schaffens. Nur elf Gegentore hat die Borussia in der Hinrunde bekommen, besser ist nur der FC Bayern (zehn) notiert.

Die zweite Phase nannte der 54 Jahre alte Favre das Entwerfen von Torchancen, auch das glückt nun immer besser. Gladbach steht auf Rang vier. Favre, der fußballverrückte Trainer, wird dafür gefeiert.

Wenn der Coach über seine Spieler spricht, dann fallen Worte wie „Spielintelligenz“, „Antizipation“ oder „Schnelligkeit im Kopf und in den Beinen“. Favre fordert viel von den Seinen, lässt fast ausschließlich mit Ball üben. „Er sieht jede Kleinigkeit, die es zu verbessern gilt“, sagt Manager Max Eberl. Und überhaupt, Favre wolle nicht die besten Fußballer kaufen, „er will sie entwickeln“.

Für eine positive Entwicklung bei Pokalsieger Schalke hat auch Huub Stevens gesorgt. Und das hatten nicht alle Experten für möglich gehalten, nachdem er im September zum zweiten Mal in seiner Karriere bei den Königsblauen angeheuert hatte. Zuvor war Ralf Rangnick wegen eines Burn-out-Syndroms zurückgetreten. Stevens hatte mit Schalke zwar 1997 den Uefa-Pokal und später zweimal den DFB-Pokal (2001, 2002) gewonnen, doch er stand in erster Linie für defensiv ausgerichteten Fußball.

Stevens gilt als Gegenentwurf zu den jüngeren Newcomern

Der 58-Jährige gilt als Gegenentwurf zu jüngeren Trainern wie Dortmunds Jürgen Klopp (44) oder dem Mainzer Thomas Tuchel (38), den Vertreter das schnellen, modernen Spiels. Schon legendär ist Stevens Satz: „Die Null muss stehen“.

Nun ist Schalke in den vergangenen Wochen zwar keine spielstarke Truppe geworden, die in der Offensive brilliert. Aber Huub Stevens hat die Gelsenkirchener zu einer Kontermannschaft geformt, die aus einer Ordnung mit zwei dicht gestaffelten Viererketten auf schnelle Gegenangriffe setzt. Mit 38 Toren ist Schalke derzeit das zweitgefährlichste Team hinter den Bayern (43) – erst am vergangenen Samstag beim 5:0 gegen Werder Bremen durften sich die Fans davon wieder überzeugen.

Stevens hat Schalke seinen Stempel aufgedrückt. Und dabei hat er auch noch eine Mär beendet, auf ewig der „Knurrer und harte Knochen aus Kerkrade“ zu sein. Stevens legt bei seiner Arbeit zwar nach wie vor viel Wert auf Disziplin. Doch im Umgang ist er deutlich entspannter geworden.

„Es geht einzig und allein ums Weiterkommen. Egal wie“

„Wir sind sehr, sehr glücklich“, sagte Sportdirektor Horst Heldt, als er auf die Zusammenarbeit angesprochen wurde. Nach einer guten Hinrunde hoffen sie im letzten Pflichtspiel des Jahres auf einen positiven Ausgang. „Es geht einzig und allein ums Weiterkommen. Egal wie“, sagt Stevens.

In der Vergangenheit schafften die Schalker dies in sieben Pokalspielen mit Mönchengladbach immerhin fünf Mal. Ob es auch ein sechstes Mal gelingt, bleibt abzuwarten. Der Gegner gibt sich jedenfalls kämpferisch: „Wir werden bereit sein gegen Schalke“, sagt Favre.