DFB-Pokal

Nürnberg gegen Fürth ist die Mutter aller Derbys

Zum 254. Mal trifft Nürnberg auf Fürth: "Eine Niederlage verkraftet der Club-Fan nicht". Aber Hecking lobt den Rivalen: "Die hätten den Aufstieg verdient."

Foto: picture-alliance/ dpa/dpa

So nüchtern kann einer die ganze Angelegenheit wohl nur betrachten, wenn das Kapitel Nürnberg in der eigenen Vita erst eine kurze Episode ist. „Man sollte das Derby von außen nicht so hoch hängen“, sagte Nürnbergs Trainer Dieter Hecking.

Seit 2009 befehligt er den Club, und er ist wahrlich ein rationaler Mensch. Dass sein Team am Dienstag im Pokal gegen Greuther Fürth spielt, „das ist für mich ein Pokalspiel“, sagte Hecking. Punkt, Aus.

Gut, er habe Braunschweig gegen Hannover erlebt und kennt Schalke gegen Dortmund, „dann weiß man auch, was Fürth gegen Nürnberg bedeutet“, sagte Hecking noch. So richtig emotional klang das allerdings nicht. Dabei ist Nürnberg gegen Fürth das am häufigsten gespielte Derby in Deutschland, zum 254. Mal wird es diesmal ausgetragen. Sein Charme erstreckte sich einst weit über die fränkischen Grenzen hinweg.

In den 1920er-Jahren etwa, da rivalisierten beide Klubs in schöner Regelmäßigkeit um den Meistertitel. Damals wuchs jene tiefe Abneigung, die sich bis heute gehalten hat. Günther Koch, der Kultradioreporter, der mittlerweile im Nürnberger Aufsichtsrat sitzt, tönte jüngst, es würde alles gehen, „aber eine Niederlage gegen Fürth kurz vor Weihnachten verkraftet der Clubfan nicht“.

Und zur Gefühlsverstärkung bemühen die Nostalgiker die Geschichten aus der Historie. Die aus dem April 1924 etwa, ein Länderspiel in Amsterdam, sieben Fürther und vier Nürnberger waren nominiert. In den Tagen zuvor hatten sie sich im Pokal gegenübergestanden.

Reichlich Nicklichkeiten

Es war eine Partie mit reichlich Nicklichkeiten. Bei der Länderspielreise jedenfalls wollten sie partout nicht in einem Zugabteil sitzen, auch in der Kabine waren vereinsübergreifende Plaudereien tabu. Und als dann auf dem Platz das 1:0 fiel, die Vorlage kam von einem Nürnberger, das Tor erzielte ein Fürther, da jubelten sie in getrennten Lagern.

Solche Erzählungen mögen für die Fans noch von Bedeutung sein, für die Protagonisten von heute sind sie nicht mehr als ein Rückblick auf vergangene Zeiten. Trotz aller Rivalität sind sich beide Klubs in manchem mittlerweile ähnlich.

Das Ehrliche, Grundsolide und Einfache, all jene fränkischen Attribute sehen sie auf sich vereint. Auf einer gesunden wirtschaftlichen Basis will Nürnberg den Klassenverbleib in der Bundesliga sichern und Fürth endlich den Aufstieg schaffen.

Keine großen Sprünge

Finanziell große Sprünge können sich beide nicht leisten, kleine Etats, viele Talente, das ist die Konsequenz. Dennoch sagt Fürth-Manager Rachid Azzouzi: „Ein zweiter Bundesligaklub neben Nürnberg würde sich tragen. Im Ballungsraum Nürnberg/Fürth gibt es das wirtschaftliche Potenzial dafür.“

Der Aufstieg und die Fürther, das ist so etwas wie eine unendliche Geschichte. Seit 14 Jahren schon spielen sie in der Zweiten Liga, etliche Male standen sie kurz davor, doch immer wieder scheiterten sie, meist spät in der Saison, manchmal gar sehr spät, so wie im Sommer, als sie Vierter wurden.

"Lieber Fünfter als Fürther"

„Lieber Fünfter als Fürther“, spotten sie in Nürnberg. Angesichts der Tabellenkonstellation aber, Nürnberg ist auf Rang 15 notiert, befürchtet manch einer der Clubfans Schlimmstes. Ein eigener Abstieg und der Aufstieg des Nachbarn, der „Club is a Depp“ würde es dann wieder heißen.

In Fürth jedenfalls haben sie ihr Image mit reichlich Selbstironie bedacht. „Die Unaufsteigbartour – wegen großen Erfolgs verlängert“, mit diesem Slogan werben sie. Die erste Silbe der „Unaufsteigbartour“ haben sie extra klein gedruckt, ihre Ambitionen sind klar. Platz eins bis drei, „das muss unser Anspruch sein“, sagt Azzouzi.

Dass am Dienstag im Pokal mehr Fürther Fans im Nürnberger Stadion sein werden als bei eigenen Heimspielen – Fürth hat einen Schnitt von nur knapp 10.000 Besuchern – sehen die Kluboberen gelassen. Azzouzi vergleicht die Entwicklung mit der von Mainz.

Hoffen in Fürth

„Die haben früher auch vor wenigen tausend Zuschauern gespielt“, sagt er. Und überhaupt, „Mainz ist jahrelang einen ähnlichen Weg wie wir gegangen. Sie haben nie verrückte Sachen gemacht, so wollen wir es auch handhaben.“

Mit 40 Punkten überwintert Fürth zwei Zähler hinter der Spitze, das nährt die Hoffnung auf ein Ende der Serie. Und dann sagte auch noch Hecking einige Sätze, die bei einem wie ihm kein Kalkül sind. „Fürth spielt eine sehr gute Saison“, lobte der Nürnberger Trainer. „Die hätten den Aufstieg auch mal verdient. Das muss man ehrlich sagen.“

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